Buchautor Andreas Lukas: „Das war schon ein bisschen Selbstüberlistung“

In diesem Jahr erschien der Debütroman von Dr. Andreas Lukas aus Wiesbaden. Im Gespräch schildert er seinen Weg von der Idee bis zur ersten öffentlichen Lesung.

Buchautor Andreas Lukas: „Das war schon ein bisschen Selbstüberlistung“

Am Freitagvormittag ist viel los auf dem Dern'schen Gelände: Die Stände der Weinwoche werden neu bestückt, scheppernd leert ein LKW einen Glascontainer und auf der Friedrichsstraße fordert ein Autofahrer hupend sein Recht ein. „Ich wusste gar nicht, dass es hier so laut werden kann“, wundert sich Dr. Andreas Lukas, der in einem Café sitzt und gerade eine Passage aus seinem Debütroman „Nie mit, aber auch nicht ohne“ vorliest.

Freier Kopf und Selbstüberlistung

Zehn Jahre lang arbeitete der Politikwissenschaftler beim 1929 in Wiesbaden gegründeten Gabler Verlag. Anschließend lebte er mit seiner Familie in Freiburg. „Nachdem wir dort erfolglos nach einer neuen Wohnung suchten, hat meine Frau vorgeschlagen, es in Wiesbaden zu probieren“, erzählt Lukas. Dort habe er unter den gleichen Suchkriterien bessere und günstigere Objekte beschlossen und sich entschieden, zurückzuziehen: „Das war wie heimkommen.“

Während der Renovierungsarbeiten im neuen Haus habe Lukas begonnen, über ein Buch nachzudenken. „Als ich vergangenen Oktober auf der Frankfurter Buchmesse war, habe ich beschlossen: „Nächstes Jahr ist mein Buch hier!'“, erinnert sich Lukas.

„Nächstes Jahr ist mein Buch hier!“ - Andreas Lukas

Anschließend habe er sich intensiver mit der Idee beschäftigt. „Während der Bauarbeiten im neuen Haus hatte ich den Kopf frei, konnte mit Worten und Sprache spielen und über die Ebenen des Romans nachdenken.“

Im Februar habe er seinem Verlag versprochen, dass das Manuskript Anfang April fertig sein werde. Tatsächlich hatte sein Roman zu dem Zeitpunkt zwar einen Anfang und ein Ende, der Bogen dazwischen fehlte allerdings. Um sich selbst mental auf die Geschichte einzulassen, verordnete sich Lukas eine zehntägige Schreibklausur auf Sylt. Gute neunzig Seiten hat er in dieser Zeit geschrieben. „Das war schon ein bisschen Selbstüberlistung und ich finde es faszinierend, dass das klappt“, erzählt Lukas.

Aufregung und Ungeduld

In „Nie mit aber auch nie ohne“ beschließt der Protagonist Alexander Petermann nach einen ungewöhnlichen Traum über sein bisheriges Leben ein Buch zu schreiben. Aus Erinnerungen, Begegnungen, Höhen und Tiefen auf wechselnden Realitätsebenen, verschiedene Perspektiven und Betrachtungsweisen, entsteht die „größte Geschichte seines Lebens“. Dabei erzählt Autor Lukas nicht nur eine Geschichte, sondern greift auch aktuelle Themen, wie die fortschreitende Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Befindlichkeiten des Einzelnen, auf.

„Als das Paket da war, habe ich die eingeschweißten Bücher erstmal nicht geöffnet.“ - Andreas Lukas

Obwohl er bereits verschiedene Sachbücher veröffentlicht hat, war Lukas vor dem Erscheinen seines Romans aufgeregt: „Ich war sehr ungeduldig, habe immer wieder nachgefragt und konnte es nicht erwarten. Als das Paket da war, habe ich die eingeschweißten Bücher erstmal nicht geöffnet“, lacht er.

Mittlerweile hat er das Buch nicht nur ausgepackt, sondern auch schon vor Publikum gelesen. Im Gespräch mit Lesern und Zuhörern höre er häufig die Frage, wie viel von ihm selbst in der Geschichte stecke. Denn auch Alexander Petermann, der Protagonist von „Nie mit, aber auch nicht ohne“ schreibt ein Buch. „Natürlich gibt es Erinnerungen und Splitter aus dem richtigen Leben als Aufhänger, aber die Geschichte ist fiktiv“, erklärt Lukas.

Die „Lebensstörer“

Dass viele Leser glauben, ihn in seiner Romanfigur wiederzufinden, liegt vermutlich an deren Charakter: „Petermann ist Projektionsfläche für viele“, schreibt ein Leser des Romans in einer Rezension, „Es ist tatsächlich so, dass jeder ein wenig „Petermann“ in sich spüren wird“, heißt es in einer weiteren. Auch die „Lebensstörer“ kennen viele Leser.

„Den Begriff habe ich mir für Personen und Ereignisse ausgedacht, die dazwischenfunken und sich aufdrängen, sowohl positiv, als auch unangenehm“, erklärt Lukas.

„Petermann ist Projektionsfläche für viele.“ - Kundenrezension

Für seinen Protagonisten ist das beispielsweise die Nachbarin Elke, die immer wieder auftaucht, klingelt oder ihren Rauhaardackel Billy sucht.

In den kommenden Wochen und Monaten sind weitere Lesungen und Signierstunden geplant und Anfang Februar kommenden Jahres wird Lukas im Wiesbadener Presseclub zu Gast sein. „Ich kann mir auch gut vorstellen, im Rahmen einer Vernissage in einer Galerie zu lesen“, so Lukas. Termine, Informationen und Auszüge aus seinem Roman, gibt es auf seiner Homepage.

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