Der Batman von Biebrich

Plötzlich hatte „Schon Schön-Opa“ Klaus Tiller Fledermäuse in seinem Wohnzimmer in Wiesbaden. Dass die nachtaktiven Tiere in Wohnungen auf Futtersuche gehen, hat einen guten Grund.

Der Batman von Biebrich

Normalerweise ist Klaus Tiller, 66, nachts in den Mainzer Clubs unterwegs. Vor vier Wochen aber war er am frühen Morgen ausnahmsweise zu Hause und entspannte sich vor dem Fernseher. Wegen der Sommerhitze hatte er das Fenster weit geöffnet, als zwischen 3 und 4 Uhr plötzlich zwei Fledermäuse in sein Wohnzimmer in Wiesbaden-Biebrich flatterten. „Sie schwirrten ein paar Minuten im Raum umher, haben hier alle Insekten weggefangen und sind dann wieder aus dem Fenster davon geflogen“, erzählt Tiller. Einen Abend später habe sich das Ganze wiederholt.

Fledermäuse sind für Tiller keine Seltenheit. „Ich sehe sie öfter vom Balkon aus, sagt er. „Sonst fliegen sie aber nur an der Hauswand entlang, dass sie in die Wohnung kommen, ist noch nie passiert!“ Er vermutet, dass die Tiere im nahe gelegenen Schlosspark leben. „Vielleicht finden sie momentan zu wenig Nahrung draußen und sind deshalb zu mir ins Wohnzimmer gekommen?“, so der Schon Schön-Opa. Der spontane Besuch habe ihn aber nicht gestört. „Ich freue mich, wenn zwei Fledermäuse mir die Mücken aus der Wohnung holen.“

Fledermäuse auf Höhlen-Suche

Dass Fledermäuse auch mal in ein Wohnhaus fliegen, ist nicht ungewöhnlich. „Ende des Sommers beginnen die Tiere, sich für Höhlen zu interessieren, in denen sie überwintern können“, sagt Dirk Diehl, Vorsitzender des Fledermausschutzes Südhessen e.V. Deshalb könne es sein, dass eine Fledermaus durch ein Fenster reinfliegt und sich auch mal in einer Wohnung umsieht. In Wiesbaden komme das in diesem Jahr sogar ziemlich häufig vor. „Wenn jemand nachts ein Fenster offen lässt, kann es auch passieren, dass er morgens ins Zimmer kommt und plötzlich hängen Fledermäuse im Vorhang.“

Nicht immer verlassen sie das Haus so schnell wie bei Klaus Tiller: „Wenn es ihnen in einer Wohnung gut gefällt, ist es gar nicht so einfach, sie wieder nach draußen zu bekommen“, sagt Diehl. Meistens helfe es, das Fenster einfach ein paar Tage zu schließen. „Dann gibt sich das wieder, weil die Fledermäuse merken, dass die Höhle verschlossen und ungeeignet ist.“

Peter Siersleben, Vorsitzender des NABU Wiesbaden, sagt: „Fledermäuse sind harmlos. Es sollten keine Versuche unternommen werden, sie einzufangen.“ Denn dadurch gerieten sie in Panik, flögen hinter Schränke, in Vasen und an andere Orte, von denen sie aus eigener Kraft nicht mehr entkommen können. „Am besten löscht man das Licht, öffnet das Fenster und stellt Musik an. Das genügt in aller Regel um die Tiere zu vertreiben“, so Siersleben.

Weniger Nahrung durch Wasserknappheit

Wie Diehl vom Fledermausschutz sagt, komme es durch die Hitze in diesem Jahr auch zu Nahrungsknappheit - je nachdem, wo die Tiere welche Insekten jagen. „Zwar gibt es bei wenig Regen mehr Insekten, aber durch die Trockenheit wurden Wasserstellen immer knapper - genau dort tummeln sich aber Insekten.“ Auch sei bei der Hitze die Qualität der Wasserstellen im späteren Sommer immer schlechter geworden, was dazu führe, dass die Tiere sich öfter Keime einfangen.

Dabei müssen sie gerade jetzt viel Nahrung finden. „Fledermäuse haben derzeit das Problem, dass sie sich Speck für den Winterschlaf anfressen müssen“, sagt Diehl. Da es weniger Wasserstellen gebe, müssten die Fledermäuse mehr nach Futterstellen suchen - und dabei könnten sie auch mal in einem Wohnzimmer landen.

Wie man den Fledermäusen helfen kann

Wie aber können Biebricher den Tieren bei der Futtersuche helfen? „Einfach füttern ist bei einem Flugtier schwer. Aber man kann im Garten Pflanzen anbauen, die für nachtaktive Insekten besonders interessant sind“, so Diehl. Damit schaffe man auch für die Fledermäuse eine Nahrungsgrundlage. Als Beispiele nennt er Blumen, die nachts blühen, etwa weiß blühende Lichtnelken oder Nachtkerzen. Auch Pflanzen, die für Insekten als Futter interessant sind, seien gut geeignet.

„Man sollte auf jeden Fall nicht mehr Licht als nötig benutzen“, rät der Fledermausschutz-Vorsitzende. Denn auch wenn Lampen die Insekten anlockten, so lenke man sie doch nur davon ab, sich selbst um Nahrung und Fortpflanzung zu kümmern - und sorge dafür, dass sich die Insekten letztlich weniger vermehren. „Das ist keine gute Idee, denn die Fledermäuse haben dann auch nicht mehr zu fressen.“

Logo