Welche Rolle Wiesbaden in der Neuen Rechten Szene spielt

Was wollen die „Neuen Rechten“ und wo in Deutschland sind sie aktiv? Zwei Journalisten haben das Netzwerk der Szene analysiert und dabei auch Verbindungen nach Wiesbaden gefunden.

Welche Rolle Wiesbaden in der Neuen Rechten Szene spielt

Im vergangenen Jahrzehnt ist ein Netzwerk der „Neuen Rechten“ in Deutschland entstanden. Der Begriff beschreibt eine Bewegung, die sich in Aussehen, Verhalten und Lebensstil von den „alten Rechten“ rund um NPD und NSU absetzt, aber ebenso rassistisch ist. Ihre Anhänger wollen ihre Kultur „reinhalten“ und die deutsche Geschichte nicht auf den Nationalsozialismus reduziert wissen.

Die „Zeit“-Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Netzwerk der Neuen Rechten auf Papier zu bringen. In einem Buch beschreiben sie, in welcher Stadt welche Akteure der Szene aktiv sind und welche Verbindungen sie untereinander haben. Auch Wiesbaden taucht in einer digitalen Landkarte auf.

Hessen als „intellektuelles Zentrum“

„Die meisten Führungsfiguren der Neuen Rechten kommen aus den alten Bundesländern.“ - Christian Fuchs

Hessen habe eine besondere Bedeutung in der Szene, erklärt Christian Fuchs. „In Hessen gibt es zwar verhältnismäßig wenige neurechte Organisationen, es bildet aber eine Art intellektuelles Zentrum der Szene.“ In Marburg sitze beispielsweise die Burschenschaft „Germania“, die dem ultrarechten „Dachverband Deutsche Burschenschaft“ angehöre. Das nationalkonservative Medium „Tichys Einblick“ sei 2014 als Blog in Frankfurt gestartet. Und in Bad Nauheim sitze die Titurel-Stiftung, die neurechte Projekte unterstütze. „Der Schein, dass die Neurechten nur im Osten sitzen, trügt“, sagt Fuchs. „Die meisten Führungsfiguren der Neuen Rechten kommen aus den alten Bundesländern.“

Wiesbadens Rolle in der Szene

Als „Dachverband völkischer Studentenverbindungen“ wird die „Deutsche Gildenschaft“ über die digitale Landkarte in Wiesbaden lokalisiert. Die Verbindung scheint zwar nicht in Wiesbaden zu praktizieren, die beiden Journalisten wollen aber herausgefunden haben, dass der Vorsitzende des Vereins in Wiesbaden wohnt. Im Impressum der Website zeigt sich außerdem, dass die Gildenschaft ein Postfach in der hessischen Landeshauptstadt hat. Welche Rolle spielt sie also in der neurechten Szene?

„An diesen drei Akteuren sieht man sehr gut, wie die Neuen Rechten die Kultur erobern wollen.“ - Christian Fuchs, Journalist

„Die Gildenschaft ist heute nicht mehr prägend für die Szene und scheint auch keinen großen Einfluss auf sie zu haben“, erklärt Christian Fuchs. „Sie hat allerdings drei wichtige Akteure der Neuen Rechten hervorgebracht.“ So seien Götz Kubitschek, Peter Felser und Dieter Stein Anhänger der Studentenverbindung gewesen — alle drei werden als wichtige Einflussnehmer der Szene auf Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft gesehen, erklärt Fuchs. „An diesen drei Akteuren sieht man sehr gut, wie die Neuen Rechten die Kultur erobern wollen.“

Im Buch „Netzwerk der Neuen Rechten“ und auf der dazugehörenden Website erfahrt Ihr mehr über die wichtigsten Akteure und Finanziers der Szene und wie sie die Gesellschaft verändern. Das Buch ist auch online erhältlich. (nl)

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