Wiesbadener Traditionsunternehmen eröffnet zweite Filiale in der Innenstadt

Mit einer zweiten Filiale in der Mauergasse will die Pralinen- und Schokoladenmanufaktur „Kunder“ eine neue Zielgruppe ansprechen. Das Konzept soll an die Tochter der Kunder-Gründer erinnern.

Wiesbadener Traditionsunternehmen eröffnet zweite Filiale in der Innenstadt

„Kunder kommt in die Mauergasse. Mit einer anderen Geschichte — Lillys Geschichte“ — so kündigt ein Aushang in der Hausnummer 15 die Neueröffnung der zweiten Filiale der traditionsreichen Pralinen- und Schokoladenmanufaktur „Kunder“ in Wiesbaden an. Lilly war die Tochter von Kunder-Gründer Fritz Kunder und seiner Frau Hermine. 1930 übernahm sie das Konditorei-Café ihrer Eltern gemeinsam mit ihrem Ehemann Friedrich Brand und führte das Familienunternehmen durch eine schwere Zeit.

„Sie hat Kunder durch den zweiten Weltkrieg gerettet und hat die Grundsteine für das Unternehmen gelegt, wie wir es heute kennen.“ - Jürgen Brand, Geschäftsführer

„Sie hat Kunder durch den zweiten Weltkrieg gerettet und hat die Grundsteine für das Unternehmen gelegt, wie wir es heute kennen“, sagt Jürgen Brand, heutiger Geschäftsführer der Fritz Kunder GmbH, über seine Großmutter. So habe sie Kunder von der Konditorei zur Pralinenmanufaktur gemacht. „Mit der neuen Filiale wollen wir ihr eine Art Mini-Denkmal setzen.“

Pralinen nach alten Rezepten

In dem neuen Laden in der Mauergasse wolle man unter anderem eigene Pralinen anbieten, die an alte Rezepte von Lilly Kunder angelehnt seien. Sie selbst war Konditoreifachverkäuferin und habe in verschiedenen Firmen unter anderem in Frankfurt und Berlin gearbeitet, bevor sie den elterlichen Betrieb übernahm, erzählt Brand. Beim Durchgehen alter Bilder und Briefe habe die Familie jetzt auch einige ihrer Rezepte gefunden.

Neues Konzept in der Mauergasse

Insgesamt will sich Kunder in dem neuen Laden jünger aufstellen und vor allem die Laufkundschaft in der Fußgängerzone ansprechen. So soll der Laden vor allem dazu einladen, sich selbst eine Praline für den Hunger auf etwas Süßes zwischendurch auszusuchen. Dafür wird es auch vor der Filiale ein paar Sitzplätze geben. Zusätzlich soll die Filiale Anlaufstelle sein, wenn man kurzfristig Pralinen oder Schokolade für den Besuch am Nachmittag braucht. Die Verpackungen sollen in der Mauergasse schlichter werden; größere Geschenkkörbe, wie in der Wilhelmstraße, kann man sich in der Fußgängerzone dann nicht zusammenstellen lassen.

Die Idee, überhaupt eine zweite Filiale zu eröffnen, sei eigentlich aus der Not heraus geboren, erzählt Brand. „Weil zurzeit die Fassade unserer Filiale an der Wilhelmstraße renoviert wird und dort ein großes Gerüst steht, wurden wir leider etwas unsichtbar“, sagt er. Zunächst habe die Familie deshalb geplant, nur einen Pop-Up-Store in der Stadt aufzumachen, dann wurde Brand aber auf die leergewordenen Räume neben dem ehemaligen Schallplatten-Antiquariat aufmerksam. Dort saß zuvor eine Boutique. „Ich habe sofort meine Liebe zu dem Geschäft entdeckt und dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich Brand an den Moment im Juni zurück.

Auch Ananastörtchen sollen in anderer Form angeboten werden

Jetzt stecke die Familie mitten in der Entwicklung für die passenden Rezepturen der Schokoladen und Pralinen, die sie dort anbieten will. „Wir arbeiten derzeit auch daran, unsere Ananastörtchen in kleinerer Form anzubieten, sodass man sie direkt essen kann“, kündigt Brand an. Auch die Renovierungsarbeiten seien in vollem Gange — der Laden soll immerhin bereits am 1. September eröffnen. An Lilly Kunder wird vor Ort einiges erinnern. Neben den Rezepten sollen beispielsweise auch Bilder an der Wand ihre Geschichte erzählen. (js)

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