Kowol: „Müssen Verkehr in Wiesbaden massiv verändern“

Eine neue Studie der Stadt zeigt, dass die Wiesbadener weiterhin am liebsten mit dem Auto fahren, während Fahrrad und Busse wenig genutzt werden. Verkehrsdezernent Kowol will das ändern und kündigt weitere Maßnahmen an.

Kowol: „Müssen Verkehr in Wiesbaden massiv verändern“

Jeder zweite Weg, den die Wiesbadener zurücklegen, wird mit dem Auto absolviert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die der RMV und die Stadt Wiesbaden im Jahr 2018 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden durchgeführt haben. Demgegenüber werden 28 Prozent der Wege zu Fuß, 17 mit dem Bus und nur 7 mit dem Rad erledigt.

Ernüchternde Zahlen

„Das ist eine Entwicklung, die so nicht erfolgen soll.“ — Andreas Kowol

Für Andreas Kowol, Verkehrsdezernent der Stadt Wiesbaden, sind das ernüchternde Zahlen. Besonders besorgt sei er, weil im Vergleich zur letzten Befragung im Jahr 2013 der Anteil der Autofahrten von 48 zu 49 Prozent sogar gestiegen ist. „Das ist eine Entwicklung, die so nicht erfolgen soll“, meint der Dezernent. Denn der weiterhin konstant hohe Anteil an Autofahrten in der Stadt sei die Hauptursache für die vielen Stau- und Verkehrsprobleme in der Stadt. Erst am Mittwoch ergab eine Untersuchung, dass Wiesbaden zu den drei Stauhauptstädten Deutschlands gehört. Zwar betont Kowol, dass viele der von ihm initiierten Maßnahmen im Wiesbadener Verkehr, wie dem Ausbau des Radverkehrs, erst nach der Erhebung der Studie erfolgt sind, dennoch habe er sich eine andere Entwicklung erhofft.

Ein weiterer Aspekt der Befragung war herauszufinden, zu welchem Zweck die jeweiligen Fahrten durchgeführt wurden. Heraus kam, dass bei den Wiesbadenern das Auto auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder etwa zum Einkaufen das beliebteste Verkehrsmittel ist. Gerade die Zahlen beim Thema Einkaufen, wo jeder zweite Weg mit dem Auto zurückgelegt wird, besorgen Kowol: „Der durchschnittliche Weg zum Einkaufen liegt in Wiesbaden bei drei Kilometern. Das sind Strecken, die man viel besser mit dem Rad oder zu Fuß erledigen könnte.“ Als Grund sieht Kowol eine noch wenig vorhandene Bereitschaft in der Bevölkerung, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Nur wenn diese sich ändere, sei eine langfristige Lösung der Verkehrsprobleme in Wiesbaden möglich.

Um das zu erreichen, müsse die Politik nun mehr Anreize schaffen. Für den Radverkehr sei schon viel getan worden. Auch lobt Kowol, dass viele Arbeitgeber es unterstützen, wenn ihre Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit fahren. „Aus Bürgergesprächen weiß ich, dass manche aus Sicherheitsbedenken nicht auf das Rad umsteigen wollen“, so Kowol. Um das Sicherheitsgefühl zu stärken, sollen daher mehr „Protected Bike Lanes“, also Abgrenzungen zur Fahrbahn, installiert werden, was besonders Kindern auf ihrem Schulweg helfen soll.

Für Kowol kann es ein „Weiter so“ bei der aktuellen Verkehrssituation nicht geben. „Die Straßen in und um Wiesbaden sind völlig überfüllt und durch die stark wachsende Bevölkerung ist hier keine Besserung in Sicht.“ Durch den starken Autoverkehr würden auch die Fahrbahnen immer weiter leiden — was viele neue Baustellen in den nächsten Jahren nach sich ziehen würde. „Diese Probleme lassen sich nur durch einen Wechsel des Verkehrsmittels ändern“, so das Fazit des Dezernenten.

Radikale Veränderungen

Dazu gehöre neben einer Erhöhung von Radfahrten und Fußwegen auch der Bau einer Straßenbahn, wie es mit der Citybahn aktuell geplant sei. Als Beweis verweist Kowol auf die Nachbarstadt Mainz, wo dank Straßenbahn und besserer Radwege der Anteil der Autofahrten am Verkehr 10 Prozent niedriger sei. Eine der wenigen positiven Zahlen aus der Studie ist der hohe Anteil an Fußgängern mit 28 Prozent. „Die Wiesbadener sind gerne zu Fuß unterwegs und nutzen die sehr attraktiven Stadträume.“ Um diesen Willen weiterhin zu unterstützen, soll die Zahl der Fußgängerzonen in Wiesbaden erhöht werden. Dazu gehören etwa die Straßen am Schiersteiner Hafen, die Mühlgasse und die Gerichtsstraße.

„Wir müssen den Verkehr in Wiesbaden massiv verändern.“ — Kowol

Welchen Erfolg diese Zonen hätten, zeige sich an der Fußgängerzone in der Wellritzstraße, die seit April 2019 zwischen der Helenen- und Hellmundstraße gilt. Dort habe sich nicht nur die Aufenthaltsqualität für Gastronomen und Anwohner gebessert, das Durchfahrtsverbot habe sich auch auf den Autoverkehr ausgewirkt: „Die Straße wurde gerne als Durchgangsweg genutzt und zur Parkplatz suche. Das ist durch den kleinen Abschnitt der Fußgängerzone jetzt vorbei“, resümiert der Dezernent. Daher sei die Wellritzstraße ein gutes Beispiel dafür, wie durch solche Maßnahmen des Verkehrsverhalten der Wiesbadener nachhaltig beeinflusst werden könnte. Für Kowol ein Stück Hoffnung, dass die Verkehrsprobleme in Wiesbaden langfristig geändert werden könnten. Denn wenn sich nichts ändere, sieht Kowol für die Zukunft des Straßenverkehrs in Wiesbaden schwarz: „Wir müssen den Verkehr in Wiesbaden massiv verändern.“

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