Was passiert, wenn in Hessen die „Corona-Obergrenze“ überschritten wird

50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen - diese Zahl sollte Wiesbaden in den nächsten Monaten nicht überschreiten. Denn dann würden Lockerungen wieder zurückgenommen - dann aber lokal begrenzt.

Was passiert, wenn in Hessen die „Corona-Obergrenze“ überschritten wird

Die Wiedereröffnung aller Geschäfte und erste Hoffnung auf baldige Gastronomieangebote waren gute Nachrichten, die Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach der Telefonkonferenz mit den Regierungschefs am Mittwoch verkündete (wir berichteten). Zu den größten Neuerungen im Kampf gegen das Coronavirus haben sich Bund und Länder dabei auf eine „Corona-Obergrenze“ geeinigt. Diese soll in Zukunft einen flächendeckenden Lockdown verhindern, wenn die Infektionsrate in einem bestimmten Gebiet wieder ansteigt.

Bundeseinheitliche Strategie

Eine Strategie, wie zukünftig gehandelt werden soll, wenn es in einer Region vermehrt zu Neuansteckungen kommt, haben die Regierungschefs laut Bouffier gemeinsam erarbeitet. „Wenn in irgendeiner möglichen Lage das Infektonsrisiko plötzlich wieder steigt, dann müssen wir einen Mechanismus haben, darauf angemessen zu reagieren.“

„Das kann auch in einzelnen Institutionen geschehen.“ - Ministerpräsident Volker Bouffier

Als kritisch stufen die Politiker nach Absprache mit Experten eine Situation dann ein, wenn es innerhalb von sieben aufeinanderfolgenden Tagen zu mehr als 50 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern kommt. „Dann muss man rasch gegensteuern“, kommentierte Bouffier die neue Obergrenze, „das soll dann auf der Ebene der jeweiligen Kreise geschehen“, sagte er und grenzt weiter ein, „und das kann auch in einzelnen Institutionen geschehen.“

Was genau das für Hessen bedeutet, machte Bouffier an einem Beispiel klar: Wenn es in einem Pflegeheim zu einem Ausbruch des Coronavirus kommt, und sich dort mehrere Bewohner anstecken, müsse die Einrichtung unter Quarantäne gestellt werden. Dann sind zum Beispiel keine Besuche durch Angehörige mehr möglich. Weil sich das Virus in einem solchen Fall jedoch auf die Einrichtung beschränkt, müssten die Auflagen nicht für den gesamten Kreis, oder für ähnliche Häuser verschärft werden.

Maßnahmen nur lokal

Steigt die Infektionsrate hingegen in einer Stadt oder einem Landkreis, so müssten dort die Maßnahmen zur Eindämmung wieder verschärft werden. Dann käme es dort wieder zu strengeren Kontaktverboten, Geschäfte müssten gegebenenfalls wieder schließen und auch der ÖPNV könnte wieder eingeschränkt werden.

„In Hessen ist zurzeit kein einziger Kreis, keine einzige Stadt betroffen.“ - Ministerpräsident Volker Bouffier

In welchem Umfang und für wie lange ein solcher, lokal begrenzter Lockdown eintreten könnte, müsse je nach Situation entschieden werden. Doch nach dem Treffen am Mittwoch machte Bouffier auch Hoffnung, dass der Notfallplan vorerst in Hessen nicht greifen müsse. „In Hessen ist zurzeit kein einziger Kreis, keine einzige Stadt betroffen“, fasste er die Zahlen zusammen. So zeigt eine Karte des Robert-Koch-Institutes für Wiesbaden derzeit einen Wert von 10 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen. Im Rheingau-Taunus-Kreis waren es 4, im Main-Taunus-Kreis 10 und im Hochtaunus 5. (rk)

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