Wiesbaden nimmt mit ersten E-Bussen Vorreiterrolle in Deutschland ein

Wiesbaden hat es mit seinem Luftreinhalteplan geschafft, ein Dieselfahrverbot abzuwenden. Ein Bestandteil des Plans war, die Dieselbusse auf Elektroantrieb umzustellen. Am Mittwoch hat ESWE Verkehr den ersten Batteriebus vorgestellt.

Wiesbaden nimmt mit ersten E-Bussen Vorreiterrolle in Deutschland ein

Äußerlich unterscheiden sie sich für Laien wohl kaum von den Bussen, die derzeit durch Wiesbadens Straßen rollen. Und auch im Innern sehen sie aus, wie die Wiesbadener es von ihren Bussen gewohnt sind. Und doch ist etwas Entscheidendes ganz anders: Ganz lautlos, geradezu elegant, bewegt sich der neue E-Bus, der am Mittwochvormittag auf dem Betriebsgelände der ESWE Verkehr vorgestellt wird — unter künstlich erzeugten Nebelschwaden und großem Applaus.

„Jetzt sind wir am Ziel. Wir haben hart um dieses Leuchtturmprojekt gekämpft und mussten, um eine hervorragende Qualität zu erhalten, auch Verzögerungen hinnehmen“, sagt Frank Gäfgen, Geschäftsführer von ESWE Verkehr. Das Projekt mit allen seinen Facetten sei nicht nur Pionierarbeit, sondern auch wegweisende Grundlagenforschung zum Thema Elektromobilität im ÖPNV.

14,5 Millionen Euro Fördergeld vom Bund

„Elektrobusse sind das zentrale Rückgrat unseres Luftreinhalteplans.“ - Andreas Kowol

Schon im Dezember 2018 stand fest, dass die Stadt Wiesbaden 14,5 Millionen Euro Fördergeld vom Bund bekommt, um die Dieselbusflotte auf Elektro umzurüsten. Für Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) stand schon damals fest, dass dies ein wichtiger Bestandteil sei, um das Dieselfahrverbot in Wiesbaden abzuwenden. „Elektrobusse sind das zentrale Rückgrat unseres Luftreinhalteplans“, sagt er heute. Und tatsächlich ist es mit dem ausführlichen Luftreinhalteplan gelungen, ein Dieselfahrverbot für die Landeshauptstadt abzuwenden.

Ausschreibungsverfahren erfolgreich

Auf den Förderbescheid des Bundes folgte ein europaweites Ausschreibungsverfahren für die Batteriebusse für ESWE Verkehr. Ein Partner fand sich recht schnell: Mercedes Benz wird die ersten 56 vollelektrischen eCitaro-Busse liefern. Aber nicht nur das. „Wir haben nicht nur die Busse, sondern ein Gesamtsystem gekauft“, erklärt Gäfgen. So ist Mercedes Benz als Generalunternehmer auch für den Umbau des Betriebshofes, die Ladeinfrastruktur und das Lademanagement verantwortlich. „Deutschlandweit gibt es sonst kein Programm, bei dem neben dem Umbau einer großen Busflotte auch das gesamte Betriebshofmanagement komplett neu geplant und vergeben werden“, sagt Gäfgen dazu.

All das — die Busse, der Umbau und das Management — kosten insgesamt circa 51 Millionen Euro. Neben den 14,5 Millionen Euro Fördergeld stellt das Bundesumweltministerium (BMU) Mittel für 80 Prozent der Mehrkosten bereit, die beim Kauf eines E-Busses gegenüber den Kosten eines Dieselbusses anfallen — und ein E-Bus kostet immerhin das zwei- bis zweieinhalbfache eines Dieselbusses. Die Ladeinfrastruktur bezuschusst das BMU außerdem zu 40 Prozent.

Einsatz auf allen Linien

„Die ersten fünf E-Busse werden im Oktober fahren, weitere fünf folgen im November.“ - Frank Gäfgen

Aufgrund der großen Herausforderungen und des Rekordauftrags, den ESWE Verkehr an Mercedes Benz vergeben hat, wird es noch einige Monate dauern, bis der erste Batteriebus durch Wiesbaden rollt. „Die ersten fünf E-Busse werden im Oktober fahren, weitere fünf folgen im November dieses Jahres“, sagt Gäfgen. 2020 sei die große Auslieferung geplant. Die ersten E-Busse werden dabei testweise auf allen Linien eingesetzt. (ms)

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