Wiesbadener KZ-Gedenkstätte wird neu eröffnet

Nach umfassender Neugestaltung öffnet die KZ-Gedenkstätte „Unter den Eichen“ in Wiesbaden wieder. Die neue, zweisprachige Ausstellung stellt das Schicksal der Zwangsarbeiter in den Mittelpunkt.

Wiesbadener KZ-Gedenkstätte wird neu eröffnet

Die KZ-Gedenkstätte „Unter den Eichen“ in Wiesbaden wird nach Forschungs- und Konzeptionsarbeit des Stadtarchivs mit einer überarbeiteten Dauerausstellung wiedereröffnet. Wie die Landeshauptstadt Wiesbaden mitteilt, gibt es für Besucher fortan neue Vermittlungskonzepte und eine Erweiterung im Außenbereich, die die Geschichte des ehemaligen Außenlagers des Konzentrationslagers Hinzert erläutern. Die offizielle Eröffnung ist am Dienstag (12. Mai) geplant. Für die Öffentlichkeit ist die Gedenkstätte ab Samstag (16. Mai) wieder zugänglich.

Die neue Dauerausstellung erinnert an die über 100 Häftlinge in dem ehemaligen KZ-Außenlager direkt am Wiesbadener Stadtrand. Große Tafeln außen machen die Gedenkstätte sichtbarer. „Durch die Erweiterung der Ausstellung auch auf den Außenbereich ist die Gedenkstätte nun besser als solche zu erkennen. Das Gedenken an die Männer, die auf dem Gelände ihr Leben verloren, rückt nun ins Zentrum“, erklärt Kulturdezernent Hendrik Schmehl (SPD). Alle Ausstellungstexte sind auf Deutsch und Englisch verfasst, Begleitmaterialien gibt es zusätzlich auf Französisch.

Ein fast vergessenes Kapitel Wiesbadener Geschichte

Von März 1944 bis März 1945 befand sich auf dem ehemaligen Reit- und Turnierplatz „Unter den Eichen“ ein Außenlager des SS-Sonderlagers Hinzert. Die SS hatte wegen alliierter Luftangriffe Dienststellen an den Stadtrand verlegt und forderte dafür Häftlinge aus dem Konzentrationslager im Hunsrück an. „Am 20. März 1944 erreichten die ersten 57 Gefangenen die Stadt. In der Hochphase internierte die SS hier rund 100 Männer“, erläutert Dr. Katherine Lukat vom Wiesbadener Stadtarchiv.

Bei den Gefangenen handelte es sich laut Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg vor allem um Männer aus Luxemburg. „Das waren Männer, die in Luxemburg den Dienst in der Wehrmacht verweigerten, Widerstand leisteten oder den Widerstand unterstützten“, so Quadflieg. In Wiesbaden mussten die Häftlinge harte Zwangsarbeit leisten, etwa Dienstwohnungen für SS-Größen wie Jürgen Stroop renovieren, der bei der brutalen Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto eine Schlüsselfigur war. Sie räumten aber auch Bombentrümmer in der Wiesbadener Innenstadt.

Sechs Häftlinge bei Bombenangriff getötet

Zusätzlich zwang die SS die Häftlinge, einen Bunker zu bauen, der die Mitarbeiter der SS-Dienststellen schützen sollte. Tragischerweise wurde den Häftlingen selbst der Zugang verwehrt. „Am 18. Dezember 1944 fielen Bomben auf das Gelände. Sechs luxemburgische KZ-Häftlinge starben bei diesem Angriff“, erklärt Lukat. „Die SS verweigerte ihnen den Zugang zum Bunker unter Androhung von Waffengewalt.“

Nach Kriegsende verschwanden die Baracken, nur der Betonbunker blieb erhalten. Das Lager selbst wurde am 26. März 1945 aufgelöst. Lange blieb dieses Kapitel der Stadtgeschichte vergessen, bis am 9. November 1991 eine erste Dauerausstellung im Bunker eröffnet wurde. Die neue Ausstellung erweitert diese nun um neue Forschungserkenntnisse zu den Einzelschicksalen.

Die Gedenkstätte hat ab dem 16. Mai 2026 wieder regulär geöffnet immer samstags von 14 bis 16 Uhr. Führungen für Gruppen können per E-Mail an stadtarchiv@wiesbaden.de angefragt werden.