Was die Citybahn für den Einzelhandel in der Innenstadt bedeuten würde

Mit dem Auto, dem Bus, oder vielleicht bald mit der CityBahn? Eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt ist für den Einzelhandel wichtig. Doch für die neue Bahn ist kein Haltepunkt direkt in der Fußgängerzone geplant.

Was die Citybahn für den Einzelhandel in der Innenstadt bedeuten würde

Nur wenn eine Fußgängerzone gut erreichbar ist, kommen auch viele Kunden in die Innenstadt. Das erklären mehrere Wiesbadener Einzelhändler jetzt in einer gemeinsamen Mitteilung an die Presse. Für Ilka Guntrum, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Wiesbaden-Wunderbar, ist klar: „Wir wünschen uns einen gesunden Mix aller Verkehrsmittel, Autos, Fahrräder, Busse und ein modernes Verkehrsmittel, welches auch die Region mit einbezieht.“ Haltestellen, die nah an der Kirch- und der Langgasse liegen, würden sich viele wünschen.

Keine zentrale Haltestelle?

Guntrum erklärt: „Eine Straßenbahn sollte die Menschen auch wirklich in das Herz der Fußgängerzone befördern, weshalb man den geplanten Trassenverlauf durch die Rheinstraße bei den Einzelhändlern kritisch sieht.“ Dabei macht sie darauf aufmerksam, dass die geplante Haltestelle in der Rheinstraße zu weit außerhalb der Fußgängerzone liege - Kunden, die im Moment mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt kommen, benutzen eher die Bushaltestellen am Dern’schen Gelände oder am Luisenplatz. Nach den ESWE-Plänen vom April, würde der CityBahn-Haltepunkt immerhin nah an der Friedrichstraße liegen.

„Zusätzlich zur Fahrtzeit müssten Fahrgäste noch einen etwa 500 Meter langen Fußweg einrechnen.“ - Andreas Bausinger, Bürgeriniative Mitbestimmung Citybahn

Auch Andreas Bausinger von der Bürgerinitive Mitbestimmung CityBahn sieht in der aktuell geplanten Haltestelle Rheinstraße allein keinen Vorteil für Stadtbesucher. „Zusätzlich zur Fahrtzeit müssten Fahrgäste für einen Besuch in der Fußgängerzone noch einen etwa 500 Meter langen Fußweg einrechnen - bei der Hin- und bei der Rückfahrt. Das kann gerade für ältere Menschen oder auch für Kunden, die viel Gepäck oder Einkäufe tragen müssen, schwierig sein“, meint er. Er ist sich sicher: „Wer viel einkaufen will, kommt bewusst mit dem Auto in die Stadt.“ Die CityBahn sei keine Alternative für geplante Großeinkäufe.

Busse als Ergänzung

„Wir sehen die CityBahn als Massenverkehrsmittel.“ Angelo D’Amore, BIPRO

Angelo D’Amore von der Bürgerinitiative Pro CityBahn Wiesbaden (BIPRO) erklärt, dass die Streckenführung nur Sinn macht, wenn nicht zu viele Haltepunkte angefahren werden. „Wir sehen die CityBahn als ein Massenverkehrsmittel, das schnell und bequem, viele Menschen transportieren soll. Daher ist es wichtig, möglichst die signifikaten Punkte in der Innenstadt und Peripherie anzufahren.“ Damit meint er vor allem den Bahnhof, die Innenstadt und die Hochschule RheinMain. Er findet eine Kombination aus Verkehrsmitteln deshalb sinnvoll. „Busse sollen die Hauptverkehrsachsen der CityBahn als Zubringer und Wegbringer andienen und die Fahrgäste dann in die Vororte bringen. Daher plädieren wir, für weniger Haltestellen, aber dafür an den wichtigen und richtigen Punkten.“

Bausinger betont, dass die CityBahn für die Einzelhändler in der Fußgängerzone und auch in den Nebenstraße nur dann einen Nutzen bringt, wenn sie mit Umstiegen einverstanden sind, sollten sie gezielt Geschäfte aufsuchen wollen, die nicht in der Nähe der Rhein- und Friedrichstraße liegen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Kunden in Lagen abwandern, die ohne Umsteigen angefahren werden können. Zudem gibt er zu bedenken, dass der Bau der Trassen, der mehrere Jahre dauern könnte, während der Bauzeit Kunden abschrecken könnte, in die Stadt zu fahren. „Wenn Einkäufer deshalb auf Onlinehandel umsteigen, könnten große Ketten ihren Standort aufgeben. Und sie sind oft ein Zugpferd, das die Wiesbadener auch in die kleineren Läden bringt“, sagt er.

Ergänzung statt Konkurrenz

„Wenn ausreichend viele Park und Ride-Plätze erschlossen werden, kann der Einzelhandel einen Pluspunkt verbuchen.“ - Ilka Guntrum, Wiesbaden-Wunderbar

Um Kunden - auch aus der Umgebung - in die Innenstadt zu bringen, plädiert Guntrum deshalb für mehr Parkplätze. „Wenn dann auch noch ausreichend viele Park und Ride-Plätze am Stadtrand erschlossen werden, kann der Wiesbadener Einzelhandel im Standortwettbewerb mit der Region und dem Onlinehandel einen wichtigen Pluspunkt verbuchen“, sagt sie. So müssten sich Einkäufer auch während der Bauzeit nicht durch Umleitungen quälen. Wenn durch den Bau der Bahn keine Parkmöglichkeiten für Autos und Taxis wegfallen, sehen die Einzelhändler den gesunden Mix durchaus als Bereicherung. Sie ermahnen jedoch die Planer, diesen Punkt beim Anlegen der Trassen zu berücksichtigen, damit keine Konkurrenz zwischen dem Auto- und dem Bahnverkehr entsteht.

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