Nerotal-WG legt für Nachbarschaft auf

Mit einem Transparent und Musik wollen zwei Wiesbadener gute Laune in schlechten Zeiten verbreiten. Die Nachbarn freuen sich über die Abwechslung.

Nerotal-WG legt für Nachbarschaft auf

Ein paar Menschen haben sich versammelt, natürlich jeweils mit dem gebührenden Abstand, die Sonne scheint. Manche haben sogar ein Glas Wein in der Hand und sind gut gelaunt, andere tanzen. Aus einem schicken Altbau dröhnt Musik, die auch Nachbarn auf den umliegenden Balkonen nach draußen lockt und ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Diese Szenerie spielt sich derzeit jeden Mittwoch und Samstag bei gutem Wetter im Nerotal ab.

Verantwortlich für die Musik unter dem Namen „Nerovibes“ sind David und sein Mitbewohner Max. Sie teilen sich eine WG in der Villa Beau Lieu und sind beide Vollblut-Musikliebhaber. Max legt bereits seit Jahren in verschiedenen Clubs auf und hat seinen Mitbewohner an den Turntables angelernt. Nun sorgen sie gemeinsam in schwierigen Zeiten für Stimmung.

„Die Idee entstand bei einem Glas Wein.“ - David

„Die Idee entstand während einem Glas Wein“, berichtet David. „Kurzerhand stellten wir unsere Box auf die Fensterbank und legten auf.“ Die Reaktionen begeisterten die beiden Wiesbadener: „Da die Passanten positiv auf die Musik reagierten, sich freuten, stehen blieben und tanzten, ließen wir die Musik weiterlaufen und hatten richtig Spaß an der ganzen Sache.“

Was folgte war ein Brief, den die beiden am nächsten Morgen im Briefkasten entdeckten. „Jetzt gibt’s Ärger“, befürchteten sie. Doch im Gegenteil: „Es war eine Danksagung, adressiert an ‘Mr. DJ’.“ Und seitdem legen die beiden zwei Mal in der Woche für die Nachbarn auf. Diese quittieren die Aktion mit netten Worten, Tanzen und positiven Kommentaren in den sozialen Medien. Denn dort streamen die beiden unter dem Hashtag #nerovibes ihre Sessions auch für Menschen, die nicht in der Nachbarschaft wohnen.

Dabei ist den beiden aber wichtig, zu betonen, dass sie keine Versammlungen vor ihrem Haus verursachen möchten. Sollte das doch einmal passieren, werden sie die Musik sofort ausmachen, wie sie sagen. „Wir wollen den Nachbarn eine Abwechslung zu der Heimquarantäne bieten, außerdem wollten wir das Nerotal verbinden. Musik macht bekanntlich gute Laune und verbindet die Menschen“, sagt David. Lediglich eine Beschwerde habe es mal gegeben. Doch die Nachbarn seien ansonsten sehr erfreut über die Abwechslung, auch die älteren Semester können der Musik etwas abgewinnen.

„Wir werden der Stadt ein Nerotal-Stadtfest vorschlagen.“ - David

Deshalb haben sich David und Max vorgenommen, auch nach der Corona-Krise etwas Verbindendes schaffen zu wollen. „Wir werden der Stadt vorschlagen in Zusammenarbeit mit uns im Sommer ein Nerotal-Stadtfest mit Wein, Essen und Musik zu veranstalten, ganz offiziell mit Erlaubnis“, so die beiden Musikfans. Doch zunächst wollen sie — gutes Wetter und gute Laune vorausgesetzt — mittwochs und samstags mit ihren DJ-Sets aus dem Fenster unterhalten. (ms)

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