Warum eines der ältesten Häuser Wiesbadens abgebaut wurde

In der Nerostraße 22 stand eigentlich eines der ältesten Häuser der Stadt. Um 1810 wurde es erbaut, 2019 wurde es abgebaut. Warum musste das Haus verschwinden und wie geht es dort jetzt weiter?

Warum eines der ältesten Häuser Wiesbadens abgebaut wurde

Es war irgendwann um das Jahr 1810, als eines der heute ältesten noch erhaltenen Häuser Wiesbadens erbaut wurde. Das Haus in der Nerostraße 22 ist ein seltenes Stück Stadtbaugeschichte. Es entstand, als das Bergkirchenviertel der Stadtteil für Handwerker, Gehilfen und Tagelöhner war. Sein Aussehen und die Bauweise sind ein Paradebeispiel für viele Häuser, die damals in Auftrag von Baudirektor Carl Florian Goetz gebaut wurden. Und: Weil es Jahre später — in den 1840er Jahren — nach oben hin erweitert wurde, ist es ein Zeitzeugnis für die damals schon beginnende Wohnungsknappheit in der Stadt.

Das Gebäude ist eigentlich ein wichtiges Kulturdenkmal, aber seit Kurzem aus der Straße verschwunden. Dort, zwischen einem Fahrradladen und dem Walhalla im Exil, klafft jetzt eine große, unschöne Lücke. Von dem denkmalgeschützen Haus ist nur das Grundgerüst übrig geblieben. Wie kann das sein?

Teil eines Wohnungsbauprojekts

Das Haus ist Teil eines großen Wohnungsbauprojekts in der Straße (wir berichteten). Direkt hinter dem Gebäude stehen schon die ersten zwei Neubauten des Projekts, das insgesamt 16 neue Eigentumswohnungen und zwei Gewerbeeinheiten in die Straße bringen wird. Bauherr ist die Firma Steikra Immobilien aus Saulheim.

Wie die Stadt mitteilt, wurde das historische Gebäude im Zuge des Projekts und der geplanten Bauarbeiten untersucht. Eigentlich sei der Abbau eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses immer die letzte Möglichkeit. Bei den Untersuchungen stellte sich allerdings heraus, dass der Keller des Hauses einsturzgefährdet war und viele Teile der Fachwerkkonstruktion von Schädlingen beschädigt wurden. Also entschied man sich dazu, es ab und wieder aufzubauen. „Das Einzelkulturdenkmal wird Stück für Stück abgebaut, nach traditionell-handwerklichen Methoden instandgesetzt und anschließend an Ort und Stelle wieder zusammengebaut“, erklärt Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler.

Abbau, Sanierung, Wiederaufbau

„Von außen soll es optisch so aussehen, wie das Haus, das vorher dort stand.“ - Thomas Gölker, Hausvision Immobilienmanagement

Das habe zwar zu der unschönen Baulücke in der Straße geführt, sei aber wichtig für die Zukunft des Hauses. Durch die Arbeiten an dem Haus könne der Schädlingsbefall kontrolliert und bekämpft werden. Außerdem könnten so viele Teile des historischen Fachwerks repariert und wiederverwendet werden. Ziel sei es, am Ende möglichst viele Bestandteile des Hauses erhalten zu können — auch und besonders die von außen sichtbaren, wie Thomas Gölker von Hausvision Immobilienmanagement gegenüber Merkurist erklärt. Er ist für den Vertrieb der dort entstehenden Wohnungen zuständig. „Von außen soll es optisch so aussehen, wie das Haus, das vorher dort stand.“ (js)

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