Wer die vergangenen Tage in den Himmel blickte, konnte oft die typisch-langgezogenen Keil-Formationen von Kranichen beobachten, die auf ihrem Weg nach Süden waren. Laut Naturschutzbund Hessen (NABU) ist die große Zahl der gemeldeten Kraniche in Hessen in diesem Jahr besonders auffällig. Mit 7116 Individuen seien über 3600 Prozent mehr Kraniche als im letzten Jahr gezählt worden. „Da in diesem Winter besonders viele Kraniche wochenlang bei uns rasteten und in den hessischen Auen genug Nahrung fanden, gab es deutlich mehr Beobachtungen“, sagt der Ornithologe Bernd Petri.
Wetterumschwung löst späten Zug aus
Außergewöhnlich ist auch die Zugrichtung. Anders als vielleicht vermutet, ziehen die meisten Vögel jetzt erst gen Süden zu ihren Brut- und Balzplätzen. Wie die Tagesschau berichtet, könne sich das Verhalten der Kraniche ganz spontan je nach Witterung ändern.
Während die Tiere manchmal Mitte Januar schon wieder aus ihren Winterquartieren zurückkehren, brechen jetzt gerade die letzten Nachzügler doch noch in wärmere Gefilde auf. Grund war offenbar der Kaltluftschwall von Sturmtief Elli, der Deutschland erreichte.
Vogelzug: Vogelgrippe derzeit keine Gefahr
Gefahr wegen der noch vor wenigen Wochen auch in Hessen wütenden Vogelgrippe gehe von dem Naturschauspiel laut TierSeuchenInformationsSystem (TSIS) jedoch nicht aus. Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI), umgangssprachlich Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildvögeln, die oft tödlich verläuft, und durch den Vogelzug verbreitet wird. Dieses Jahr wurden unter wild lebenden Tieren 170 Fälle von Vogelgrippe festgestellt, davon jedoch keiner im Raum Wiesbaden.
Da sich das Seuchengeschehen gegenüber Herbst/Winter 2025 beruhigt hat, hob die Landeshauptstadt Wiesbaden die seit letztem November geltende Stallpflicht für Geflügel mit ihrer aktuellen Allgemeinverfügung vom 17. Januar 2026 komplett auf.
Für den Menschen ist das Risiko aktuell gering, eine Übertragung erfordert intensiven direkten Kontakt. Tote Wild- und Wasservögel sollen weiterhin beim Amt für Veterinärwesen gemeldet werden, so die Stadt Wiesbaden. Außerhalb der Geschäftszeichen soll man sich an die Leitstelle der Feuerwehr wenden.