Wildblumen aus dem Kaugummiautomaten in Wiesbaden

Mit einer neuen Idee soll Naturschutz in Wiesbaden alltagstauglich werden: Mit weniger Rasen, mehr Wildblumen und einem Bienenautomaten als niedrigschwelliges Symbol für Biodiversität.

Wildblumen aus dem Kaugummiautomaten in Wiesbaden

Lange galt in Städten die gepflegte Rasenfläche als Standard. Wiesbaden will nun stärker auf naturnahe Wiesen setzen, die Rasen ersetzen und heimischen Gräsern, Kräutern und Wildblumen Raum geben. Die Stadt beschreibt diese Flächen als ökologisch geplantes Stadtgrün, das Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere schafft und zugleich das Stadtklima verbessert.

An verschiedenen Pilotflächen wurden so selbst stark befahrene oder dicht bebaute Bereiche ökologisch aufgewertet. Am Gustav-Stresemann-Ring etwa entstand in einem Pilotprojekt eine Blumenwiese, die nur zweimal im Jahr gemäht wird und sich zu einem Blütenband mit Margeriten, Kornblumen, Mohn und weiteren Arten entwickelt hat. Die Stadt will damit nicht nur Biodiversität fördern, sondern auch das Prinzip der Schwammstadt stärken, also Regenwasser besser speichern und Hitze mildern.

Bienenfutter aus „upgecycelten“ Kaugummiautomaten

Die Stadt wirbt zudem mit dem Förderprogramm „Blühende Landschaften und Lebensräume in Wiesbaden“ um private Grundstückseigentümer und Unternehmen, die ihre Flächen naturnäher pflegen wollen. Ein weiteres Angebot in Wiesbaden sind Bienenautomaten, die an verschiedenen Stellen installiert wurden. Das Projekt soll so zum Modell für Balkone, Vorgärten und Unternehmensgelände werden.

Die Bienenautomaten gehen auf eine Idee von Sebastian Everding aus Dortmund zurück. Der Informationstechnikermeister baute 2019 den ersten ausgedienten Kaugummiautomaten aus den 1960er- bis 1990er-Jahren in Handarbeit zu einem gelben Automaten für Bienenfutter um. Schon bald entstanden Hunderte weitere Standorte in ganz Deutschland und darüber hinaus. Die „upgecycelten“ Automaten geben kleine Kapseln mit regional angepassten Wildblumenmischungen oder Blumenzwiebeln aus. Außer dem Saatgut gibt es eine kleine Anleitung zum Aussäen. Ziel ist es, mehr Blühflächen im eigenen Umfeld zu schaffen.

Wo man Bienenautomaten in Wiesbaden findet

In Wiesbaden gibt es bereits mindestens einen Bienenautomat in Breckenheim. Dort wurde ein Standort Am alten Weinberg öffentlich geteilt. Wer sich generell über vorhandene Bienenautomaten informieren möchte, findet eine Übersicht beim bundesweiten Bienenautomaten-Netzwerk. Hier werden die Standorte fortlaufend dokumentiert und über Social-Media-Kanäle sowie Projektseiten sichtbar macht.

Für Wiesbaden lohnt außerdem der Blick auf die Angebote des Imkervereins und auf lokale Projekte wie den Bienenlehrpfad im Apothekergarten oder den Bienenlehrpark Aukamm, weil solche Orte oft eng mit den Akteuren vernetzt sind, die auch Automaten aufstellen oder darüber informieren.

Automaten aufstellen können generell auch Kommunen, Firmen oder Privatpersonen, um ihre Umgebung aufblühen zu lassen. Die Einnahmen werden oft an Naturschutzorganisationen gespendet oder zum Kauf weiterer Automaten genutzt.