Wie viel Inselflair bietet die Maaraue?

Urlaubsziel, Sportstätte und Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen: Gerade im Sommer zieht es nicht nur Wiesbadener und Mainzer auf die Maaraue. Neben Freibad und Grünflächen schätzen Besucher vor allem den Inselcharakter des Gebietes.

Wie viel Inselflair bietet die Maaraue?

Radfahrer, Spaziergänger, Teenager auf dem Heimweg vom Freibad: An den Nachmittagen in den Ferien ist auf der Kostheimer Maaraue viel los. An der Grillhütte deckt eine Gruppe Besucher die Holztische mit Salatschüsseln und Getränken ein. Nur wenige Meter weiter erinnert die 1984 errichtete Barbarossasäule daran, dass die Maaraue, in deren Namen das althochdeutsche Wort „Marh“ (Streitross) steckt, bereits vor knapp 1000 Jahren ein beliebter Versammlungsort war. Laut Wiesbadener Stadtlexikon wird die „Morawa“ als solcher erstmals im Dezember 1073 erwähnt, es sei jedoch wahrscheinlich, dass sie bereits früher von Königen und Kaisern für Treffen genutzt wurde.

Mittelalterliche Partylocation

Das größte und bekannteste Fest, das auf der Insel stattfand, war laut Stadtlexikon der große Mainzer Hoftag. Vom 20. bis 22. Mai 1184 feierte der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa hier mit 70 Fürsten und entsprechend großem Gefolge das Pfingstfest. Ende des 19. Jahrhunderts entstand am „Alten Main“ oder auch „Mainlache“ genannten Totarm des Mains ein Floßhafen.

Insel oder nicht?

„Früher war die "Lache" (auch Floßhafen) eine durchgehende Wasserverbindung vom Main zum Rhein“, schreibt Merkurist-Leser Michael Fuhr. Er erinnert sich an Pläne für eine durchgehende Wasser-Verbindung zwischen Main und Flößer-Hafen und möchte in einem Snip wissen, was es damit auf sich hat.

Laut Dezernat für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Wiesbaden habe es in den Jahren 2007 bis 2010 Konzepte zur Wiedereröffnung des Floßhafens gegeben, die inzwischen aufgrund neuerer naturschutzfachlicher Erkenntnisse verworfen wurden. Gemäß dem Dezernat für Umwelt und Verkehr ist der Floßhafen zeitweise oder ganzjährig Lebensraum für 45 Wasservogelarten. Auf der kompletten Maaraue, die seit September 2010 in das Landschutzgebiet „Stadt Wiesbaden“ integriert ist, sollen es sogar mehr sein.

„Die vorherrschende Situation wird in den nächsten Jahren erhalten bleiben.“- Dezernat für Umwelt und Verkehr

„Derzeit gibt es keine Planungen wieder eine durchgehende Wasserverbindung zwischen Main und Rhein zu schaffen. Die vorherrschende Situation wird in den nächsten Jahren erhalten bleiben“, heißt es beim Dezernat. Aktuell stünden allerdings Pläne zur Rückgewinnung einer Trainingsmöglichkeit für Kanuten und Ruderer mit einer Länge von 850 bis 1000 Metern zwischen den vorhandenen Bootsanlegern und der Klärwerksbrücke bei ausreichender Wassertiefe im Raum.

Inselfeeling mit Brücken

Neben zahlreichen Vogel- und Insektenarten, ist die Maaraue auch ein Ziel für Sportler, Hundebesitzer und Camper. Unter ihnen ist Daniela Zessack aus Hannover, die mit ihrer Familie einen Radurlaub macht und eine Nacht auf dem Campingplatz Maaraue verbringen will. „Auf der Karte sah es nach einer Insel aus, jetzt wirkt es mehr wie eine Wiese, aber wir sind gerade erst angekommen und haben noch nicht alles gesehen.“ Die Besucher aus Norddeutschland sind nicht die am weitesten gereisten Gäste auf dem Platz: „Wir haben Gäste aus aller Welt. Hawaii, Brasilien und besonders viele Australier, die hier ihre Fahrradtour starten“, erklärt Monika Barth, die den Campingplatz seit 2009 betreibt.

„Mit dem Fahrrad oder zu Fuß nimmt man den Inselcharakter eher wahr.“ - Helga Hinrichs, Camperin

„Wenn man mit dem Auto von Kostheim aus ankommt, bekommt man vom Inselcharakter nicht so viel mit. Dann sind die Leute überrascht, wenn sie plötzlich den Fluss vor der Nase haben“, sagt Barth. Sie empfiehlt ihren Gästen, die Gegend mit dem Fahrrad zu erkunden. „Mit dem Fahrrad oder zu Fuß nimmt man den Inselcharakter eher wahr“, findet auch Camperin Helga Hinrichs. Sie und ihr Mann leben heute in Cuxhaven, stammen aber beide aus dem Mainzer Raum und machen regelmäßig Urlaub auf dem Campingplatz in der alten Heimat.

Helle Vejgaard und ihr Mann sind auf dem Weg von Dänemark nach Italien. Die beiden betrachten die Maaraue als Insel und die vielen Brücken erinnern sie an Budapest, das sie kürzlich besucht haben: „Besonders schön ist das Klima auf der Maaraue. Auch wenn es in der Stadt heiß ist, weht hier immer ein frischer Wind.“

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