Warum es fast keine Elektro-Clubs in Wiesbaden gibt

Seit das New Basement 2018 schließen musste, scheint die Techno-Szene in Wiesbaden tot zu sein. Für den Wiesbadener Musikproduzenten Udo Niebergall liegt das Problem an einer sich verändernden Szene, aber auch an der Stadt selbst.

Warum es fast keine Elektro-Clubs in Wiesbaden gibt

„In Wiesbaden feiern gehen? Nene, ich fahre lieber nach Mainz oder Frankfurt, da ist mehr los!“ Solche Sätze hört man oft, wenn man sich über das Wiesbadener Nachtleben unterhält. Dabei wissen echte Wiesbadener, dass es durchaus viele Möglichkeiten in der Stadt gibt, einen schönen Abend zu verbringen. Für Freunde elektronischer Musik ist die Auswahl an Veranstaltungen in Wiesbaden aber sehr begrenzt. Spätestens seit das New Basement im vergangenen Jahr schließen musste, herrscht tote Hose.

Clubs nicht sehr profitabel

Und daran scheint sich auch nicht viel zu ändern, ein neuer Pächter für den Club in der Schwalbacher Straße ist nicht in Sicht. Für Udo Niebergall, Musikproduzent aus Biebrich, ist das kein Wunder, da die Techno-Gemeinde in Wiesbaden sehr klein sei: „Das New Basement war ja ziemlich überschaubar, was die Größe und Besucherzahl angeht. Und selbst diesen Club bekamen die Betreiber nicht voll.“ Um auch Besucher von außerhalb in einen Club zu locken, bräuchte man überregional bekannte DJs, die dort auflegen. „Namhafte Künstler kann man nur selten im unteren vierstelligen Euro-Bereich buchen“, erklärt Niebergall. Dazu kämen noch immense Nebenkosten wie Business-Class-Flüge, Unterbringung in 5-Sterne Hotels und mehr.

„Ein kleiner Club kann sich das nicht leisten und gute und günstige Newcomer sind leider sehr rar“, sagt Niebergall. Dazu komme, dass die elektronische Musikbranche in viele verschiedene Genres gesplittet sei, alles bekomme man nur schwer unter einen Hut.

Open Air statt Clubs?

Viele Veranstalter versuchen daher auf große Elektro Partys in den Sommermonaten zu setzen. Darunter auch Niebergall, der im Schlachthof Großveranstaltungen in der Halle veranstaltete. Und der Erfolg gab ihm Recht, die erste der Veranstaltungen in der großen Halle sei „sensationell besucht“ gewesen, sodass er für die zweite mit noch mehr Gästen gerechnet hatte. „Bei der zweiten Veranstaltung gingen die Besucherzahlen deutlich nach unten. Beim dritten Event würden wir als Veranstalter von einem Flop reden, da die Besucherzahl nochmals absackte und die Kosten nicht eingespielt wurden, obwohl wir ein absolut internationales und hochkarätiges Lineup zusammengestellt haben.“

Da half auch die riesige Werbekampagne nichts, die Niebergalls Firma „Beatdisaster“ im Vorfeld gestartet hatte. „Danach mussten wir in Wiesbaden die Reißleine ziehen, um nicht unsere Marken ‘Palazzo’ und ‘Tanz der Familie’ zu beschädigen“, sagt Niebergall. Dazu komme noch, dass es in den Sommermonaten immer mehr Elektrofestivals gebe, sodass bei vielen Ravern das Budget aufgebraucht sei. „Viele Clubs, egal ob elektronisch oder kommerziell ausgerichtet, schließen den kompletten Sommer über, da sie es nicht schaffen, Publikum zu halten.“ Dass Wiesbadens Elektroszene brach liegt, sei also auch der allgemeinen Entwicklung geschuldet.

Dennoch sieht Niebergall auch ein Problem an Wiesbaden selbst. Daher hat er sich entschlossen, seine Partys ab sofort in Bingen auszurichten. Dort scheint es noch genügend Elektro-Fans zu geben: Für die erste Veranstaltung im vergangenen Dezember seien die Tickets nach drei Stunden restlos ausverkauft gewesen.

(ts)

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