Wie der „Wächter des Waldes“ die Natur vom Müll befreit

Bandshirt, Handschuhe, Müllsäcke und ein Anhänger: So ist Florian Fruechel oft in den hessischen Wäldern unterwegs. Warum er nicht aufgibt und die Welt zu einem saubereren Ort machen will.

Wie der „Wächter des Waldes“ die Natur vom Müll befreit

Wenn Florian Fruechel das Haus verlässt, dann kommt er meist nicht weit. Denn der Heusenstämmer kann es nicht ertragen, wie viele Menschen einfach achtlos ihren Müll in die Natur werfen. „Ich kann an Müll nicht vorbeifahren, ich fange dann immer an zu sammeln“, sagt er. Und das tut er nun schon seit knapp zehn Jahren.

Angefangen hat alles 2010. Damals hat Fruechel den gesammelten Müll noch von seinem Taschengeld entsorgen lassen. Mittlerweile hat er einen kurzen Draht zur Stadt, ruft am Ende der Woche bei den Entsorgungsbetrieben an. „Die kommen dann vorbei, holen es ab und kümmern sich um die Entsorgung.“ Völlig kostenlos, wie Fruechel sagt. Am Ende einer Woche kommen dann im Extremfall auch schon mal 25 volle Müllsäcke zusammen. Zuletzt waren es 15 Säcke, die er nach nur einer Woche voll hatte.

„Wir haben nur einen Planeten. Es ist fünf nach zwölf!“ - Florian Fruechel

Aber warum die ganze Arbeit, wenn andere Menschen seine Hilfsbereitschaft sogar ausnutzen und ihren Müll bewusst in seinem „Revier“ wegwerfen. „Ich glaube, sie haben das Gefühl, dass es ja eh jemand wegräumt“, meint Fruechel. „Warum? Wir haben nur einen Planeten. Es ist schon fünf nach zwölf“, sagt er. „Ich kann die Welt vielleicht nicht retten, aber meine Welt. Ich kann dafür sorgen, dass es zumindest ein bisschen erträglicher wird auf diesem Planeten. Das kann jeder.“ Und außerdem: „Es macht einfach Bock! Wenn man Müll sammeln war, die Säcke voll und die Wege leer sind, dann ist das ein geiles Gefühl.“

Ein Auslandsaufenthalt im Kongo bestärkte Fruechel in seinem Engagement. „Ich habe dort so viel Müll gesehen, vieles auch aus Europa, sogar unsere alten Autos, die dort noch weiter fahren.“ Das hat ihn noch einmal zusätzlich motiviert und ihm bewusst gemacht, wie kostbar und wertvoll Ressourcen doch sind.

Raus in die Öffentlichkeit

Vor rund zwei Jahren wollte Fruechel mehr und mehr andere Leute auf seine Aktivitäten und das Thema Müll und Nachhaltigkeit aufmerksam machen. „Ich habe eine Facebook- und Instagram-Seite erstellt und poste in vielen Gruppen“, sagt er. Von manchen werde er deshalb komisch angeschaut. Andere hingegen sind von seinem Engagement begeistert.

„Die Metal-Band ‘Equilibrium’ hat meine Fotos gesehen, darauf habe ich eine Mütze von ihnen angehabt. Sie haben mir dann alle Alben, zwei Shirts und eine Mütze geschenkt und mich außerdem zum 19. Januar zu ihrem Konzert im Schlachthof eingeladen“, schwärmt Fruechel. Auch andere Bands seien begeistert von seiner Arbeit. „Ich habe mittlerweile bestimmt 20 Shirts und etliche Gästelistenplätze geschenkt bekommen, sogar auch bei einem Festival in Berlin“, freut er sich.

Ekelhafte Funde

„Ihr Intimbereich war voller Blut und es sah aus, als hätte man mit einer Schrotflinte auf sie geschossen.“ - Florian Fruechel

Dass er bei seinen Sammelaktionen aber nicht immer nur normalen Hausmüll findet, daran hat sich Fruechel mittlerweile gewöhnt. Es gab aber auch Funde, die ihn bis heute ratlos zurücklassen. „Da gab es einmal so eine Gummipuppe, eine, die aussieht wie eine echte Frau. Die sind richtig teuer. Jedenfalls war der Intimbereich voller Blut und sie sah aus, als hätte man mit einer Schrotflinte auf sie geschossen“, wundert sich der „Wächter des Waldes“. Den Spitznamen hatte ihm eine Freundin verpasst. Auch Drogenutensilien wie Spritzen und Pfeifen findet er nicht selten, dann ruft er die Polizei. Die musste er auch informieren, als er einmal einen geöffneten Tresor mitten im Wald entdeckte.

Bei seinen Streifzügen wird Fruechel mittlerweile auch des Öfteren von anderen Engagierten begleitet. „Das kommt dann so ins Rollen“, sagt Fruechel. „Ich poste von einer Aktion, jemand, der mitmachen will, meldet sich darauf und begleitet mich, und auf den nächsten Post meldet sich wieder ein anderer.“ Und so kann jeder, der auch einmal eine Tour mitlaufen möchte via Facebook oder Instagram Kontakt mit dem „Wächter des Waldes“ aufnehmen und ihn bei seinen Spaziergängen für eine bessere Welt begleiten. (ms)

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