Erster Unverpackt-Laden in Wiesbaden

In vielen Städten sprießen sie aus dem Boden: sogenannte Unverpackt-Supermärkte. In Wiesbaden soll ein solcher Markt im Juli eröffnen - dabei wird ganz auf Einwegverpackungen verzichtet.

Erster Unverpackt-Laden in Wiesbaden

Betritt man den Laden, fallen zuerst die Kühltheke und der Bistrobereich ins Auge. Es duftet nach frisch zubereitetem Essen und kernigem Getreide. Leere Gläser, große Kanister und durchsichtige Säulen voller Getreideprodukte und Hülsenfrüchte stehen aufgereiht in den Gängen. Milch kommt aus Flaschen, Zahnpasta wird in Tablettenform angeboten, und die dazugehörigen Zahnbürsten sind aus Holz - so oder so ähnlich wird es ab Mitte Juli im ersten Wiesbadener Unverpackt-Supermarkt aussehen. Momentan arbeiten Bettina und Wolfgang Meudt aber noch daran, dass alles rechtzeitig fertig wird.

Die beiden achten schon lange auf die Herkunft der Produkte, die sie kaufen, und beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Bio. "Mein Bruder hat uns dann auf die Unverpackt-Märkte hingewiesen, und wir hatten Lust, auch selbst einen zu betreiben." sagt Bettina. Dafür hat er ihnen sogar eine Ladenfläche in der Dotzheimer Straße zur Verfügung gestellt, wo bis zum angestrebten Eröffnungstermin im Juli an dem Laden gearbeitet wird. Die Produkte werden dort nicht nur ohne Verpackung, sondern auch in Bioqualität angeboten.

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Von Kiel nach Wiesbaden

Das Konzept der Unverpackt-Läden stammt aus Kiel. Zwar wurden diese erst durch einen Unverpackt-Supermarkt in Berlin überregional bekannt, in Kiel konnte man aber bereits etwas früher ohne Verpackung einkaufen. 2014 entstand dort ein Supermarkt mit unverpackten Produkten. Stattdessen können die Kunden ihre Einkäufe in mitgebrachte Mehrweg-Gefäße einpacken und abwiegen und so ganz ohne Verpackungsmüll einkaufen. Außerdem ist man nicht mehr auf die vorgegebenen Verpackungsgrößen angewiesen. Aus dem "Original Unverpackt" entwickelte sich schnell ein beliebtes Geschäftsmodell. Bettina und Wolfgang haben sogar ein Seminar besucht, auf dem allerhand offene Fragen geklärt und Tipps gegeben wurden.

"Wir wollen aber nicht nur Lebensmittel verkaufen. Wir wollen auch Workshops anbieten und auf Kinder und Jugendliche zugehen, um mehr Bewusstsein für den Umgang mit Plastik und der Umwelt im Allgemeinen hervorzurufen", erklärt Wolfgang. Angeboten werden im Laden nicht nur Lebensmittel: Auch Tiernahrung, Shampoo, Seife, Öle, Waschmittel und andere Produkte werden unverpackt verkauft. Darüber hinaus plant das Paar auch noch einen Bistro-Bereich, in dem Bio-Gerichte zum Mittagstisch angeboten werden. "Wir versuchen so weit wie möglich alles abzudecken", sagt Wolfgang.

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Für die Zukunft wurden schon einige Kooperationen in die Wege geleitet. So arbeiten die beiden zum Beispiel mit dem Fahrrad-Lieferservice "Kiezkaufhaus" zusammen und wollen Workshops an Schulen und anderen Einrichtungen anbieten.

Verpackungsfreies Wiesbaden?

"Wir wollen einen Beitrag leisten" - Bettina

Mit ihrem Laden wollen Bettina und Wolfgang ihren Teil dazu beitragen, den Verpackungsmüll zu reduzieren. "Wenn man durch die Stadt geht, sind die Mülleimer überfüllt. Dann liegen die Einwegbecher vom Coffee to go oder Pizzakartons einfach auf dem Boden", sagt Bettina. "Deswegen wollen wir einen Beitrag leisten, und zum Beispiel den Kaffee zum Mitnehmen in Mehrwegbechern anbieten."

Von der freiwilligen Selbstverpflichtung der Einzelhändler, Plastiktüten nur noch gegen Gebühr abzugeben, hält Wolfgang nichts: "In anderen Ländern werden Plastiktüten verboten. In Deutschland verkauft. Für Dosen oder PET-Flaschen zahlen wir Pfand, aber für die Umwelt ist niemand bereit, Pfand zu zahlen." Er hält ein Verbot von Plastiktüten oder -flaschen für sinnvoller. Schließlich kostet die Logistik und das Recyclen auch Geld und Ressourcen.

Es tut sich was

Der geplante Unverpackt-Supermarkt ist jedoch nicht die einzige Alternative zum bisherigen Umgang mit Verpackungen und Müll im Allgemeinen. Am Samstag hat sich außerdem erstmals die Interessengemeinschaft "Verpackungsfreies Leben made in Wiesbaden" getroffen. Die Gruppe will zum Wohle der Gemeinschaft gegen die Überflussgesellschaft kämpfen und das Umweltbewusstsein der Wiesbadener stärken. Bei ihrem Treffen ging es zunächst nur um ein erstes Kennenlernen und das Erarbeiten gemeinsamer Ziele. Später sollen dann aber auch Projekte wie ressourcenschonende Supermärkte oder alternative Tourismusformen entstehen.

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