Hessen beim ÖPNV-Angebot in Deutschland an der Spitze

Werden Mobilität und Verkehr nachhaltiger? Dieser Frage ging der ADAC bei seiner ersten Mobilitätsstudie nach. Die Ergebnisse für Hessen und die Rhein-Main-Region sind eher ernüchternd.

Hessen beim ÖPNV-Angebot in Deutschland an der Spitze

Mobilität und Verkehr müssen nachhaltiger werden, so der Konsens der Umwelt- und Verkehrspolitik. Doch laut dem ersten Mobilitätsindex des ADAC sind die Städte noch weit davon entfernt. In Hessen verursachte der Verkehr sogar mehr CO₂-Emissionen als in allen anderen Bundesländern. Doch Hessen ist auch in einem anderen Bereich an der Spitze: Bei der Nutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV).

Mit dem Mobilitätsindex will der ADAC untersuchen, ob der Verkehr in Deutschland nachhaltiger wird. Dazu analysierte der Autoclub in den Jahren von 2015 und 2019 – also vor der Corona-Pandemie – unterschiedliche Bereiche, von den Unfallzahlen über den CO₂-Ausstoß bis hin zum ÖPNV-Angebot. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Doppelt so viel CO₂-Emissionen als Berlin

„Die Mobilität in Deutschland ist zwischen 2015 und 2019 nicht nachhaltiger geworden“, so das ADAC-Fazit. Hessen schneidet besonders schlecht bei den CO₂-Emissionen des Verkehrs ab: Durchschnittlich 2,22 Tonnen pro Einwohner wurden ausgestoßen. Berlin hatte mit 1,1 Tonnen den geringsten Wert, der bundesdeutsche Durchschnitt lag bei 2 Tonnen. Teilweise liege das daran, dass wegen des Frankfurter Flughafens mehr Kerosin verbraucht wurde als in jedem anderen Bundesland.

Auch die Belastungen mit dem Reizgas Stickstoffdioxid (NO₂) waren im Bundesland sehr hoch: Sie lagen bei 41,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m³). Laut Bundesumweltamt gilt für Stickstoffdioxid ein Grenzwert im Jahresmittel von 40 μg/m³. Nur Hamburg hatte mit 43 μg/m³ einen höheren Wert, im Bundesdurchschnitt lag er bei 35. NO₂ entsteht bei Verbrennungen, etwa in Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen und kann Schäden an der Lunge verursachen.

Spitze beim ÖPNV

Vorreiter ist Hessen in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). 24.153 Kilometer seien die Einwohner hier mit Zug und Bus gefahren. Auf Platz zwei lagHamburg mit 11.488 Kilometern (Bundesdurchschnitt: 6012). Eine gute Entwicklung? „Der öffentliche Verkehr ist gut ausgebaut, wurde aber nicht besser“, heißt es von Seiten des ADAC. Denn gleichzeitig war die Motorisierungsquote überdurchschnittlich, Staus häufig. So seien die Orte gerade in der Wirtschaftsregion Rhein-Main gut erreichbar, andererseits nehmen Straßen und Schienen einen besonders großen Anteil an der Gesamt-Siedlungsfläche ein. Hessen sei außerdem stark vom Transitverkehr betroffen, was die vielen Staus und die hohe Stickstoffdioxid-Belastung mit erkläre.

„Eine positive Entwicklung im Bereich Klimaschutz bleibt eine Herausforderung“ – ADAC

Lobenswert sei, dass vielerorts überregionale Radschnellwege ausgebaut werden sollen und einige Kommunen Green-City-Masterplänen aufstellen, um die Luftqualität zu verbessern. „Eine positive Entwicklung im Bereich Klimaschutz bleibt – auch angesichts der zentralen Lage und des großen Verkehrsaufkommens – eine Herausforderung“, heißt es von Seiten des ADAC.

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