Die wohl kleinsten Spülmaschinentabs der Welt kommen aus Wiesbaden

Katrin Steinbach hatte genug von der Ressourcenverschwendung in der Kosmetikindustrie und gründete ihr eigenes Unternehmen in Wiesbaden. Warum winzige Tabs besonders nachhaltig sind, erklärt sie im Interview.

Die wohl kleinsten Spülmaschinentabs der Welt kommen aus Wiesbaden

Wer produziert schon echt nachhaltig und vor allem klimafreundlich? Diese Frage stellt sich Katrin Steinbach schon seit vielen Jahren. Als Technologin für Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmitteln bei einem großen Kosmetikhersteller hatte sie jeden Tag Einblicke in die Abläufe. „Es ist für mich ein Unding, dass bei der Entwicklung von Kosmetik so wenig Wert daraufgelegt wird, sparsam mit Rohstoffen und unseren knappen Ressourcen umzugehen, obwohl es andere Möglichkeiten gibt“, sagt Steinbach gegenüber Merkurist.

So würden die wenigsten Konzerne Wert auf eine nachhaltige Produktion legen, noch nicht einmal die Naturkosmetik produziere klimafreundlich „vom Inhalt bis zur Verpackung“. Der Grund liegt für Steinbach nah: ein höherer Arbeitsaufwand und, damit verbunden, ein geringerer Profit.

Produkte, die Ressourcen sparen und die Umwelt kaum belasten

Steinbach wollte der „gedankenlosen Verschwendung von Inhaltsstoffen nicht mehr zusehen“. Erst wurde sie vor fünf Jahren Nachhaltigkeitsexpertin für kosmetische Inhaltsstoffe und gründete vor etwa einem Jahr ihre eigene Marke: „as Easy as That“. Das Wiesbadener Unternehmen dazu bestand da bereits seit einem halben Jahr. Seitdem entwickelt sie Produkte, die Ressourcen sparen und die Umwelt nicht belasten sollen – darunter die wahrscheinlich kleinsten Spülmaschinentabs der Welt. „In den Tabs befindet sich hochkonzentriertes Waschmittel-Konzentrat“, erklärt Steinbach. Daneben entwickelt sie etwa Hautpflegeprodukte, die auf Upcycling-Inhaltsstoffen aus Apfel und Kürbis basieren. Produzieren lässt Steinbach ihre Produkte bei Familienunternehmen in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Die Konzentrate sollen so wenige Ressourcen wie möglich verbrauchen und möglichst übrig gebliebene Materialien enthalten. Die Hautpflegeprodukte etwa bestünden daher zu über 30 Prozent aus Upcycling-Inhaltsstoffen. Die Spülmaschinentabs seien so klein, da somit im Vergleich zu den Standardtabs eine viel geringere Dosierung notwendig sei. „Hinzu kommt, dass ich auf unnötige Stoffe verzichte, wie Farbstoffe, Füllstoffe oder Folienumhüllung.“ Ebenso werden bei der Produktion möglichst wenig Energie und Chemikalien genutzt, die Verpackungen bestehen aus Bio-Kunststoff, die Konzentrate werden in kompostierbaren Papierbeuteln verpackt. Versendet wird entweder in Second-Hand-Kartons oder solchen aus Graspapier. „Die unvermeidbaren CO2-Emissionen kompensiere ich.“

Upcycling-Inhaltsstoffe und kompostierbare Verpackungen

Steinbachs oberstes Ziel ist der Schutz der Ressourcen und des Klimas – wobei beides eng zusammenhängt. „Ich denke, die meisten Verbraucher:innen haben inzwischen verstanden, dass wir dringend an unserer Klimafreundlichkeit arbeiten müssen.“ Ein wichtiger Index ist für sie der jährliche Erdüberlastungstag (Earth-Overshoot Day). Er zeigt an, ab welchem Tag die Ressourcen verbraucht sind, die die Erde wieder selbst regenerieren kann. „Im Jahr 2021 hatten wir schon Ende Juli die natürlichen Ressourcen aufgebraucht.“

Künftig will Steinbach noch mehr Produkte in ihren Shop mit aufnehmen. „Als nächstes wird es ein Pendant zum Vollwaschmittel geben, aber für Buntwäsche“, verrät sie. Außerdem seien weitere Hautpflegeprodukte geplant, die auf Upcycling-Inhaltsstoffen basieren sollen. Langfristig, so ihr Ziel, würde Steinbach gerne „alle essenziellen Produkte anbieten, die man im Alltag in Küche und Bad benötigt“ – natürlich ausschließlich ressourcen- und klimaschonend hergestellt und verpackt.

Logo