Warum manche Busse nicht die neue Umweltspur auf dem 1. Ring nutzen

Ein Merkurist-Leser hat beobachtet, dass zwei Buslinien die neue Umweltspur in Richtung Hauptbahnhof nicht immer nutzen. Dabei soll die Spur doch eigentlich dafür sorgen, dass die Busse schneller vorankommen und so die Luftqualität steigt.

Warum manche Busse nicht die neue Umweltspur auf dem 1. Ring nutzen

„Warum benutzen mehrere Buslinien die neue Umweltspur nicht?“ — diese Frage beschäftigt Merkurist-Leser Rufus. Ihm war mehrfach aufgefallen, dass einige Busse auf dem Weg zum Hauptbahnhof nicht die neue Umweltspur auf dem 1. Ring nutzen, sondern auf der normalen Fahrbahn durch den Stau fahren. Erst vor Kurzem wurde die neue Spur eigentlich freigegeben, um das zu verhindern. Bus- und Radfahrer sollen sie nutzen, um schneller voranzukommen und die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.

In der Debatte, warum die Busfahrer diese eigentlich für sie gemachte Spur nicht nutzen, geben einige Leser den Radfahrern die Schuld. Sie würden im „Schneckentempo“ vor den Bussen auf der Umweltspur herfahren und so für Verspätungen sorgen. Dementsprechend würden die Busfahrer auf andere Spuren ausweichen. Andere Leser hielten dagegen. Warum nutzen einige Busfahrer die Spur also tatsächlich nicht?

Nutzung der Umweltspur ist kein Muss

Generell müssen Bus- und Radfahrer die Umweltspur nicht nutzen. Während bei einer Busspur eine Nutzungspflicht für Busse besteht, ist das bei Umweltspuren anders. Busfahrer orientieren sich im Straßenverkehr daran, welche Spur am wenigsten befahren ist und wo sie am schnellsten vorankommen. Das sollte die Umweltspur sein, muss es aber im Einzelfall nicht.

Linien 1 und 8 haben verschiedene Fahrmöglichkeiten

Im von Leser Rufus beschriebenen Fall am Hauptbahnhof haben die Linien 1 und 8, die von der Scheffelstraße aus kommen und zum Hauptbahnhof wollen, zwei Möglichkeiten, um weiterzufahren. Ist an der Haltestelle Scheffelstraße kein Rückstau auf den für den Autoverkehr vorgesehenen Fahrstreifen, können die Linien wie bisher nach links auf die Fahrbahn wechseln. Staut es sich, dann können die Busfahrer auf der Umweltspur bis zur Einmündung Biebricher Allee fahren. Danach geht es mittels Ampelführung wieder auf die normale Fahrbahn zurück bis zur nächsten Haltestelle.

Verkehrsführung an Knoten muss noch optimiert werden

Ganz reibungslos läuft das allerdings noch nicht, wie ESWE Verkehr-Sprecher Christian Giesen erklärt. „Da die meisten Knoten noch nicht final fertig gestellt sind — so wie im Fall Landeshaus — und dem entsprechend nicht mit allen nötigen Signalgebern nach der sogenannten Richtlinie für Lichtsignalanlagen ausgestattet sind, haben wir derzeit eine Übergangszeit“, erklärt er. „Dazu gehören natürlich auch noch Signalprogramme, die weiter überarbeitet und optimiert werden.“ Rufus’ Beobachtungen könnten also auch damit zusammenhängen.

„Alle anderen Linien profitieren direkt von der Umweltspur.“ - Christian Giesen, Sprecher ESWE Verkehr

Der etwas kompliziert klingende Wechsel von Umweltspur zum Individualverkehr am Hauptbahnhof betreffe durch ihre Fahrstrecke lediglich die Linien 1 und 8, so Giesen. „Alle anderen Linien der Mobilitätsdienstleister der Landeshauptstadt sowie auch die überregionalen Linien, profitieren direkt von der Umweltspur.“

Sind Fahrradfahrer ein Problem auf Umweltspuren?

Fahrradfahrer seien übrigens vor allem in dem von Rufus genannten Fall kein Problem. „Da es dort bergab geht, erreichen die meisten Fahrradfahrer annähernd dieselbe Geschwindigkeit wie die Busse“, so Giesen. Denn auch die Busse dürfen dort nicht schneller als 30 km/h fahren. An Stellen, an denen es bergauf geht, könne das im Einzelfall natürlich anders aussehen. Dann sei es nicht auszuschließen, dass ein Radfahrer auch einmal langsamer sei, als der Busfahrer, so der ESWE-Sprecher. Grundsätzlich würden Radfahrer auf den Umweltspuren aber kein Problem darstellen. (ts)

Logo