Liegt immer mehr illegal abgeladener Müll auf Wiesbadener Straßen?

Ein Merkurist-Leser hat gehört, dass in Wiesbaden immer mehr Sperrmüll unsachgemäß an die Straßen gestellt wird. Stimmt das? Wir haben bei dem Leiter der „Stabsstelle Sauberes Wiesbaden“ nachgefragt.

Liegt immer mehr illegal abgeladener Müll auf Wiesbadener Straßen?

Ob Müllsäcke gefüllt mit Hausmüll, alte Möbel, Reifen, oder Bauschutt — wer durch die Straßen der Stadt läuft, findet einige Dinge, die dort nicht hingehören. Eigentlich holen die Entsorgungsbetriebe der Stadt (ELW) viermal im Jahr bis zu fünf Kubikmeter Sperrmüll kostenfrei ab. Bei einigen Wiesbadenern scheint das aber noch nicht angekommen zu sein. Sie legen den Müll stattdessen einfach auf die Straße — obwohl sie das bis zu 2500 Euro kosten könnte. Merkurist-Leser Michael hat gehört, dass die Zahl des illegal abgeladenen Sperrmülls in Wiesbaden sogar erheblich gestiegen wäre. Ist das tatsächlich so?

Weniger Müll, mehr Meldungen

„Die Statistiken liefern uns keinen Anhalt dafür, dass die illegalen Müllablagerungen deutlich gestiegen sind.“ - Frank Sand, Stabsstelle Sauberes Wiesbaden

„Nein“, sagt Frank Sand, Leiter der „Stabsstelle Sauberes Wiesbaden“. „Die Statistiken liefern uns keinen Anhalt dafür, dass die illegalen Müllablagerungen deutlich gestiegen sind.“ Tatsächlich zeigt eine Übersicht der vergangenen Jahre sogar, dass die Menge an Müll, der auf der Straße abgelegt wird, insgesamt weniger geworden ist. Zwar ist der Müllfund von 2018 bis 2019 um rund 90 Tonnen gestiegen, insgesamt ist der Trend aber positiv. Während 2010 noch rund 1320 Tonnen illegaler Müll gefunden wurde, waren es 2019 rund 895 Tonnen.

Was dagegen besonders im Zeitraum zwischen 2015 und 2019 mehr geworden ist, sind die Aufträge, die bei den ELW eingehen. Vor fünf Jahren mussten sie in einem Jahr noch rund 9000 Mal illegalen Müll entsorgen, 2019 waren es knapp 12.000 Aufträge.

Wiesbadener nutzen App „Sauberes Wiesbaden“

Frank Sand hat eine Vermutung, warum sich die Zahlen so entwickelt haben. Er mutmaßt, „dass die Menschen in punkto Sauberkeit inzwischen sehr sensibilisiert sind und illegale Müllablagerungen im Gegensatz zu früher viel häufiger melden.“ Dafür haben sie seit 2015 auch eine einfache Möglichkeit. Über die App „Sauberes Wiesbaden“ können Bewohner der Stadt melden, wenn in den Straßen Müll liegt, der abgeholt werden soll. Das funktioniere gut, so Sand. Die meisten gemeldeten Müllberge würden innerhalb von drei Tagen entsorgt werden.

Die Problembereiche, in denen am meisten illegal Müll entsorgt wird, bleiben trotzdem seit Jahren dieselben. Neben den Parkplätzen am Kallebad, Kahle Mühle oder auf der Maaraue sind vor allem Straßen im Inneren Westend betroffen. Auch in der Dotzheimer Straße und am Parkfeld wird immer wieder Müll abgelegt. Das liegt wohl auch daran, dass es schwierig ist, die Verursacher auszumachen, um sie auf ihr Vergehen hinzuweisen.

Verursacher schwer zu finden

„Es gibt derzeit Überlegungen, wie wir diese Kontrollen optimieren können.“ - Frank Sand

Im Westend, wo vor allem die Hellmund-, Hermann-, Franken- und Walramstraße oft vermüllt sind, versucht die Stadt immer wieder, die Verursacher in flagranti zu erwischen. „Die Abteilung ‘Illegale Abfälle’ im Umweltamt macht regelmäßige Kontrollen im Westend und dabei werden manchmal auch die Verursacher festgestellt“, so Sand. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Weil die meisten Verursacher anhand des üblichen Hausmülls oder des anonymen Sperrmülls nicht zu ermitteln sind, können auch keine Bußgelder erteilt werden, so Sand. „Es gibt derzeit Überlegungen, wie wir diese Kontrollen optimieren können.“ (ts)

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