Kein bekenntnisorientierter Islam-Unterricht mehr in Hessen

Land beendet Kooperation mit Moscheeverband

Kein bekenntnisorientierter Islam-Unterricht mehr in Hessen

Im kommenden Schuljahr wird es in Hessen keinen islamischen Religionsunterricht mehr geben. Das teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden mit.

Vorangegangen war eine Prüfung, inwieweit der Moscheeverband DITIB, mit dem das Land für den Unterricht kooperiert, von der türkischen Regierung beeinflusst wird. Das Ergebnis: „Zweifel an der grundsätzlichen Unabhängigkeit von der türkischen Regierung konnten nicht ausgeräumt werden“, so Lorz. Seit 2012 gibt es in Hessen den sogenannten „bekenntnisorientierten Religionsunterricht“ mit DITIB Hessen.

Ab dem Schuljahr 2020/2021 wird der fragliche Religionsunterricht zunächst ausgesetzt. „Der Gesprächsfaden mit DITIB Hessen bleibt grundsätzlich erhalten; künftige Gespräche werden aber — anders als bisher — außerhalb eines aktiven Kooperationsverhältnisses stattfinden“, so Lorz. Er schätze es zwar als gering ein, dass die Unabhängigkeit eingeräumt werde, „dennoch ist sie nicht auszuschließen. Die Aussetzung des Unterrichts hält die Chance dafür deshalb offen“, so der Kultusminister weiter.

Stattdessen habe man bereits im laufenden Schuljahr 2019/2020 mit dem Schulfach „Islamunterricht“ ein religiöses Schulfach erprobt, das nicht bekenntnisorientiert ist. Rund 150 Schüler nehmen daran hessenweit teil. „Wir glauben fest an die Notwendigkeit eines schulischen religiösen Bildungsangebotes für Kinder und Jugendliche muslimischen Glaubens“, so Lorz. Auch halte man an der Überlegung fest, weiterhin bekenntnisorientierten Unterricht anbieten zu wollen — auch aus Gründen der Gleichberechtigung. Zunächst werde der Unterricht ohne Partnerorganisationen im neuen Schuljahr ausgebaut werden. (js)

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