Neues Museum in Wiesbaden: Das ist geplant

Für 70 Millionen Euro wird derzeit das Museum Reinhard Ernst in der Wilhelmstraße 1 gebaut. Finanziert wird es allein durch eine Stiftung. Doch nicht jedem gefällt das neue Erscheinungsbild an solch prominenter Stelle.

Neues Museum in Wiesbaden: Das ist geplant

An prominenter Adresse – der Wilhelmstraße 1 – befindet sich seit dreieinhalb Jahren eine Großbaustelle. Entstehen wird dort das „Museum Reinhard Ernst“ (mre), mit riesigen Ausmaßen: 46 Meter breit und 65 Meter lang wird das Gebäude werden, gelegen gleich neben dem Museum Wiesbaden und gegenüber dem RheinMain CongressCenter. Widmen wird es sich ausschließlich der abstrakten Kunst.

Das Besondere ist, dass sowohl die Baukosten als auch der Museumsbetrieb ausschließlich privat getragen werden: von der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung. Die Stadt Wiesbaden hat das Grundstück der gemeinnützigen Stiftung für 99 Jahre gegen einen symbolischen Wert überlassen, erklärt eine Sprecherin des Museums auf Merkurist-Anfrage. Hier entstehe eine „Wiesbadener Kulturmeile“, sagte der Stifter Reinhard Ernst einmal. „Eine Attraktion für Wiesbaden“ sei allein schon das Gebäude, drückte es Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende aus, entworfen von dem weltweit renommierten Architekten Fumihiko Maki. Er hat unter anderem einen der neuen Türme des World Trade Centers in New York gebaut sowie Museen auf verschiedenen Kontinenten.

9000 Quadratmeter Nutzfläche

Zu sehen sein werden vor allem Werke aus der Sammlung Reinhard Ernst, die über 800 Kunstwerke beinhaltet. 9000 Quadratmeter Nutzfläche soll das Museum am Ende haben, teilweise sind die Ausstellungsräume zwei Stockwerke hoch. Laut Schätzungen habe die Sammlung einen Wert von etwa 70 Millionen Euro. Ernst will nach eigenen Aussagen mit dem Museum ein möglichst breites Publikum ansprechen, „Kreativität entdecken und fördern“, sagt er. Im Eingangsbereich soll es Räume für Kinder und Jugendliche geben, das Erdgeschoss soll frei zugänglich sein. Auch Konzerte sollen im Museum wegen der guten Akustik möglich sein.

Doch nicht jedem gefällt das imposante Gebäude. „Warum so ein hässlicher Steinklotz – neues Museum Wiesbaden – dachte weniger Steingebäude?“ schreibt etwa ein Merkurist-Leser. „Diese Bauweise dient dem Schutz der Kunstwerke vor zu viel Tageslicht“, erklärt dazu Dr. Oliver Kornhoff, der Gründungsdirektor des Museums gegenüber Merkurist. „Die geschlossene Fassade lässt von außen ein weihevoll-spärlich beleuchtetes Schatzhaus vermuten.“

Die Gebäudeachsen seien an die umgebende historische Bebauung angepasst. So sei beispielsweise die Traufhöhe dieselbe wie die des Museums Wiesbaden. Die oberen Stockwerke werden einige Öffnungen nach Norden haben, der Lichthof (Atrium) mit einer Größe von etwa 15 mal 12 Metern verglast sein. Auch in das Foyer, das vom Innenhof umgeben wird, komme Licht. „Das Museum ruht auf einem vollständig verglasten Erdgeschoss“, sagt Kornhoff. „Das mre ist Ausstellungsstück und Ausstellungsort zugleich: ein Bau voller Kunst und ein kunstvoller Bau.“

Eröffnung im Sommer 2023 geplant

Ab Sommer 2023, so der aktuelle Plan, werden dann Werke mit drei Schwerpunkten zu sehen sein: abstrakte deutsche Nachkriegskunst mit Schwerpunkt auf Künstlergruppen, abstrakte japanische Kunst, vornehmlich der „Gutai-Gruppe“ sowie abstrakter amerikanischer Expressionismus. „Zahlreiche namhafte Künstler:innen werden in der ersten Sammlungspräsentation vertreten sein, darunter etwa Helen Frankenthaler. Die Sammlung Reinhard Ernst ist die weltweit größte private Sammlung ihrer Werke“, so die Museumssprecherin. Zum Museumsprogramm sollen zudem wechselnde Ausstellungen, öffentliche Vorträge und Veranstaltungen sowie kunstpädagogische Angebote für Kinder gehören. Auch ein gastronomisches Angebot und einen Museumsshop werde es geben.

Hintergrund

Nur wenige Monate nach den ersten Gebäudeentwürfen im Jahr 2017 wurde der Erbbaurechtsvertrag über das Grundstück zwischen der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung und der Stadt Wiesbaden geschlossen. Der japanische Architekt Fumihiko Maki konnte gemeinsam mit dem ausführenden Architekturbüro mit den konkreten Planungen beginnen und am 30. August 2019 mit dem Bau starten. Bis Mitte 2022, so war der Plan, sollte er abgeschlossen sein. Nun verzögert sich die Eröffnung wohl um ein Jahr: Eröffnungstermin soll im Sommer 2023 sein.

Durch die Bauzeitverlängerung, die teilweise Erhöhung der Materialpreise und der Arbeitskosten sind die Baukosten auf geschätzte 70 Millionen Euro gestiegen.

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