Wie gut funktionieren Mülltrennung und Recycling wirklich?

Kaum ein EU-Land entsorgt mehr Müll pro Person als Deutschland. Viele verlassen sich auf Mülltrennung und gutes Recycling. Aber ist das wirklich die Lösung?

Wie gut funktionieren Mülltrennung und Recycling wirklich?

Vor kurzem sorgte eine ARD-Dokumentation für Aufsehen. In „Die Recyclinglüge“ spüren die Autoren Müllmakler auf, die Plastikmüll illegal im Ausland in Gewässern entsorgen, Mafia-Netzwerke, die Geld mit Abfallschmuggel verdienen und Industriezweige, die sich an der Müllverbrennung bereichern. Die Doku zeigt, wie wenig Plastikmüll am Ende recycelt wird und wie groß das Müllproblem weltweit wirklich ist. Was bedeutet das für uns als Verbraucher?

Die Doku-Macher stellen viele richtige Fragen, findet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Wieviel Plastik brauchen wir wirklich, welche Verantwortung tragen die Konzerne und können wir uns aus der Krise raus-recyceln?. „Was die Doku nicht leistet, ist das Problem in den deutschen Kontext einzuordnen“, so der BUND. Richtig sei, dass viel zu wenig stofflich recycelt werde und noch immer viel zu viel Plastik aus den gelben Säcken in Verbrennungsanlagen landen würde. Es gebe aber auch gut funktionierende Recycling-Anlagen in Deutschland, die keine Beachtung fänden. „So bleibt das Gefühl zurück, dass all das Sortieren nichts bringt. Dabei kann schlicht nur recycelt werden, was getrennt gesammelt wurde.“

Schwachstellen in der Mülltrennung

Auch Frank Sand von den Wiesbadener Entsorgungsbetrieben (ELW) findet, dass Mülltrennung wichtig bleibt. „Zum einen geht es darum, dass Wertstoffe nicht verbrannt werden. Zweitens geht es um das Thema Energie“, sagt er. So könne man aus Bioabfällen Energie gewinnen, bei der Herstellung neuer Produkte aus Altpapier und Altglas verbrauche man außerdem weniger Energie, als wenn man Holz und Quarzsand nehme. Die Wiesbadener würden in der Regel gut trennen, sagt er. Aber: „Abfallanalysen zeigen, dass häufig noch Bioabfälle und Altpapier in der Restabfalltonne landen.“ Vor allem in großen Wohnanlagen, wo viele Menschen mehrere große Abfallbehälter zusammen benutzen, gebe es Probleme. In den Vororten würden die Menschen sorgfältiger trennen. Das liege zum einen an der sozialen Kontrolle, zum anderen daran, dass eine Familie Geld sparen kann, wenn sie beispielsweise nur eine kleine Restmülltonne benötigt.

Auch im öffentlichen Raum gibt es Schwachstellen. So wird zum Beispiel der gesamte Müll aus öffentlichen Papierkörben in der Stadt als Restmüll entsorgt. Sand fände es sinnvoll, auch diesen Müll zu trennen. Aber: „Mit Blick auf die Erfahrungen in Großwohnanlagen, wo ähnlich wie im öffentlichen Raum nicht nachvollziehbar ist, wer Abfälle nicht getrennt oder falsch entsorgt, ist eine gewisse Skepsis angebracht.“

Deutsche Bahn als Vorbild für Städte?

Die Deutsche Bahn tut das zum Beispiel. In den Bahnhöfen stehen Mülltonnen, in denen die Fahrgäste ihren Abfall getrennt entsorgen können. Früher konnte man Plastik, Papier, Bio- und Restmüll voneinander trennen, 2021 wurde das System umgestellt, weil der Müll zu oft falsch eingeworfen wurde. Seitdem können die Fahrgäste nur noch Papier und Restmüll trennen. Entsorgungsunternehmen sortieren die Abfälle anschließend in Sortieranlagen, um Wertstoffe recyceln zu können. Laut einer Bahnsprecherin funktioniere das gut. „Durch die moderne Sortierung in Entsorgungsanlagen stehen jetzt mehr als 85 Prozent aller dorthin gelieferten Abfälle als sauber getrennte Wertstoffe (Metall, Kunststoff, Glas, etc.) für ein Recycling zur Verfügung“, so die Sprecherin auf Merkurist-Anfrage. Bisher seien nur 40 Prozent überhaupt der Sortierung zugeführt worden. Der Papiermüll werde wie gewohnt recycelt. Teurer sei das neue Entsorgungskonzept nicht.

„Noch wichtiger als sorgfältige Abfalltrennung ist Abfallvermeidung.“ - Frank Sand, ELW

Am Ende werden gutes Recycling und Mülltrennung aber dennoch nicht alle Probleme lösen. „Die Recyclinglüge“ kommt zu dem Schluss, dass die Politik große plastikproduzierende Konzerne stärker in die Verantwortung nehmen muss. Und dass es am besten ist, wenn Müll erst gar nicht entsteht. Das sieht auch Frank Sand von den Entsorgungsbetrieben so: „Noch wichtiger als sorgfältige Abfalltrennung ist Abfallvermeidung. Hier können die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener noch besser werden.“

Tipps, um Müll zu vermeiden

Umweltschutzverbände aber auch die ELW geben immer wieder Tipps, wie man im Alltag Müll vermeiden kann. Hier findet ihr einige von ihnen:

  • Mehrwegprodukte statt Einweg kaufen - auch Joghurt und Milch gibt es zum Teil in Mehrwegverpackungen.

  • Unverpackte Produkte kaufen

  • Eigene Behälter und Taschen zum Einkauf mitnehmen

  • Nicht von XXL-Angeboten im Kühlregal verführen lassen, sondern nur kaufen, was man auch wirklich verbraucht. Haltbare Produkte kann man hingegen direkt in Großpackungen kaufen, um Müll zu sparen.

  • Reste verwerten

  • Leitungswasser trinken und Essen und Trinken für unterwegs von Zuhause mitnehmen

  • Pfandsysteme wie Recup und Rebowl für To-Go-Produkte in Anspruch nehmen

  • Lieber Kaffeebohnen- oder Pulver verwenden. Kaffeekapseln sind in den meisten Fällen reine Wegwerfprodukte.

  • Wer einen Garten hat, kann Bioabfall und pflanzliche Gartenabfälle direkt vor Ort kompostieren.

  • Reparieren statt wegwerfen: Sowohl in Mainz als auch in Wiesbaden gibt es Repair Cafés, die dabei unterstützen.

  • „Bitte keine Werbung“-Aufkleber auf den Briefkasten kleben, um keine Werbung zu bekommen, die ohnehin im Müll landet.

  • Reinigungsmittel in Form von Tabs nutzen, die in Papier/Karton verpackt sind

Ihr habt weitere gute Tipps zur Müllvermeidung? Schreibt sie in die Kommentare.

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