„Keine Motivation, mir auf Nase hauen zu lassen“: Wiesbadener Busfahrer am Limit

Sie werden bedroht, bespuckt und sogar körperlich angegriffen: Wiesbadener Busfahrer müssen teilweise mit vielen schwierigen Situationen umgehen. Ein ARD-Reporter hat nun einen Wiesbadener Busfahrer in seinem Alltag begleitet.

„Keine Motivation, mir auf Nase hauen zu lassen“: Wiesbadener Busfahrer am Limit

Dass Busfahrer mitunter ein richtig gefährlicher Beruf sein kann, hat sich erst kürzlich wieder in Wiesbaden gezeigt. Anfang Januar hatte ein Maskenverweigerer auf einen 56-jährigen Busfahrer brutal eingeschlagen und ihn dabei verletzt (wir berichteten). Nun hat ein Reporter des ARD-Morgenmagazins (Moma) einen Wiesbadener Busfahrer in seinem Alltag begleitet und dabei viele interessante Einblicke erhalten.

„Busfahrer eher als Material wahrgenommen“

Im Mittelpunkt steht Busfahrer Michael, der mit der Linie 27 unterwegs ist. Er berichtet, dass der Zeitdruck, unter dem schon viele Leute am frühen Morgen stehen, sich auch auf die Stimmung der Fahrgäste auswirkt. „Es gibt auch Leute, die morgens schon aggressiv sind. Aber ich kann es nicht ändern, ich kann nicht mehr wie fahren.“ Dann ist der Moma-Reporter dabei, wie sich ein kritischer Moment für Michael anbahnt. Denn hinten im Bus steigt ein Mann ein, der keine Maske aufhat.

Der Busfahrer setzt nun darauf, dass eine automatische Ansage dazu beiträgt, dass der Mann doch noch seine Maske aufsetzt. Extra auf den Mann zugehen und ihn dazu auffordern, dies zu tun, mache er nicht, sagt Michael dem Moma-Reporter. „Den Stress tue ich mir nicht an. Wir haben die Anweisung, diese Durchsage zu machen. Mehr ist für mich nicht zu tun.“ Eine Frau, die ebenfalls im Bus mit unterwegs ist, äußert sich nachdenklich: „Busfahrer werden nicht mehr als Mensch wahrgenommen, eher als Maschinen, als Material, das uns von der einen zur anderen Stelle befördern soll.“

Nach einem Fahrerwechsel ist zu sehen, wie Michael seinen alten Kollegen Jürgen trifft, der schon einiges erlebt hat, wie er dem ARD-Reporter erzählt. „Die Spät- und Nachtdienste habe ich zwischenzeitlich aufgegeben, weil mir einfach auch das Klientel ein bisschen zu anstrengend wurde. Ich bin lange genug gefahren, ich habe keine Motivation mehr dazu, mir von irgendwem auf die Nase hauen zu lassen.“ Dann berichtet Jürgen noch davon, dass andere Kollegen sogar schon gekündigt hätten. Busfahrer Michael wiederum habe an diesen Schritt jedenfalls noch nicht gedacht. Warum? „Weil mir der Job Spaß macht“, sagt er dem Moma-Reporter. Doch gleichzeitig warnt er auch: „Wer ein bisschen zart besaitet ist, hält hier nicht lange durch.“

Kritik von Fahrgast

Schließlich fährt Michael noch Fahrgäste auf der Linie 14. Dabei lamentiert er über die Zustände auf den Wiesbadener Straßen, wie zum Beispiel eine zugeparkte Haltestelle: „Das ist der normale Spaßfaktor, den man hier in Wiesbaden hat.“ Doch der Frust eines Busfahrers kommt offenbar auch wieder bei den Fahrgästen an, wie der ARD-Reporter herausfindet. „Wenn die Busfahrer sagen, sie vermissen den Respekt, muss ich sagen, dass wenn ich einsteige und sage ‘Guten Tag’, es wenige Busfahrer gibt, die den Gruß erwidern. Dann bin ich sauer“, erzählt ein älterer Fahrgast genervt.

Dann kommt Busfahrer Michael noch einmal zu Wort und gibt gegenüber dem Reporter zu bedenken: „Es ist jetzt einfach nicht so, dass wir hier spazierfahren. Wenn es uns hier nicht gäbe, keine Ahnung, wie das hier weitergehen soll.“ Schließlich endet die Reportage mit der Einschätzung des Moma-Reporters: „Was Menschen wie er (Busfahrer) aushalten müssen, das fand ich ganz schön krass.“

Wer die Moma-Reportage sehen möchte, kann sie in der ARD-Mediathek abrufen.

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