Bahnhof Mainz-Kastel wird für über 6 Millionen Euro umgebaut

Noch in diesem Jahr soll der Bahnhof Mainz-Kastel barrierefrei ausgebaut und dadurch für alle nutzbar werden. Was genau geplant ist und wie lange die Bauarbeiten dauern werden, erklärten die Verantwortlichen beim Spatenstich am Mittwoch.

Bahnhof Mainz-Kastel wird für über 6 Millionen Euro umgebaut

Eigentlich soll der Bahnhof Mainz-Kastel möglichst viele Menschen an ihr Ziel bringen. Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist er aber vor allem eines: Endstation. Denn wer im Rollstuhl sitzt, mit der Bahn von Frankfurt nach Kastel fährt und wieder zurück will, kommt entweder gar nicht oder nur mit großen Umwegen auf den Bahnsteig. Die Konsequenz: Betroffene Fahrgäste nehmen stattdessen die nächste Regional- oder S-Bahn zum Wiesbadener Hauptbahnhof, steigen dort barrierefrei um und fahren wieder über Kastel nach Frankfurt. Ein Zustand, der sich noch in diesem Jahr ändern soll.

Barrierefreier Ausbau gestartet

Die Deutsche Bahn (DB) modernisiert den Kasteler Bahnhof und baut ihn barrierefrei aus. Die Arbeiten haben bereits Mitte Februar begonnen, am heutigen Mittwoch feierten die Beteiligten den Spatenstich. Damit der Bahnhof barrierefrei wird, sollen zwei Aufzüge gebaut werden, die die Fahrgäste zum Haus- und Mittelbahnsteig bringen. Außerdem verlängert die DB den Bahnsteig 1 auf 225 Meter. Zudem werden die Bahnsteige mit Fahrplan- und Informationsvitrinen, einem taktilen Wegeleitsystem sowie zwei neuen Uhren ausgestattet. Wände, Decken und Boden werden modernisiert, es wird neue Treppenstufen in der Unterführung geben und bessere Beleuchtungsanlagen.

„Der Bahnhof Mainz-Kastel hat nach dem Wiesbadener Hauptbahnhof die höchsten Fahrgastzahlen“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) zum Ausbau des Bahnhofs. Als der Zugverkehr am Hauptbahnhof wegen der Sperrung der Salzbachtalbrücke unterbrochen war, habe der Bahnhof seine große Bedeutung, aber auch seine Defizite gezeigt. „Der barrierefreie Ausbau ist ein Grund zur Freude. Er macht den Bahnhof nun für alle nutzbar.“ So käme der Umbau nicht ausschließlich Menschen im Rollstuhl oder mit einer Beeinträchtigung zu Gute, sondern auch Fahrgästen mit Kinderwagen, Rollator und Fahrrad. Durch die Modernisierung sollen noch mehr Menschen dazu bewegt werden, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, um die Verkehrswende voranzutreiben.

Abgeschlossen sein sollen die Arbeiten am Bahnhof voraussichtlich im Herbst 2022. Die Umbaumaßnahmen kosten insgesamt 6,2 Millionen Euro. Den Großteil, 3,6 Millionen Euro, stemmt das Land Hessen. 1,35 Millionen Euro übernimmt die Stadt Wiesbaden, 860.000 Euro die DB und 390.000 Euro der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Aktuell sind nur rund dreiviertel der Bahnhöfe im RMV-Gebiet barrierefrei. Das soll sich in Zukunft ändern. Zusätzlich zum Bahnhof Kastel werden in diesem Jahr noch acht weitere Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut. Darunter die Bahnhöfe in Erbenheim, Igstadt, Auringen und Medenbach.

Umwege, Lärm und Sperrungen erwartet

Während der Baumaßnahmen in Kastel werden Fahrgäste Umwege, Sperrungen und Lärm in Kauf nehmen müssen. Noch bis zum 29. April entfallen zwischen 22 Uhr und 4 Uhr die Fahrten der S1 zwischen Wiesbaden und Hochheim. Auf dem Abschnitt werden ersatzweise Busse fahren. Die Linie S9 hält zwischen 22:30 Uhr und 4:30 Uhr außerdem nicht in Mainz-Kastel. Aktuelle Informationen dazu gibt es bei der DB und dem RMV.

Weitere Maßnahmen rund um den Bahnhof geplant

Auch um den Bahnhof herum soll sich in Zukunft einiges ändern. Die Stadt wird die Bike & Ride-Anlage um 52 Stellplätze erweitern. Außerdem fallen die Parkplätze entlang der Verbindungsrampe zwischen Reduit und Hochkreisel bergauf weg und machen so Platz für einen Radweg. Der Geh- und Radweg entlang der Eisenbahnstraße zwischen Bahnhof und Hochkreisel wird voraussichtlich 2023 verbreitert (wir berichteten).

Zudem läuft die Planung für den Umbau des Bahnübergangs weiter. Dieser muss bis 2026 abgebaut werden, weil dort ein Stellwerk installiert werden soll. Die DB prüft jetzt mehrere Varianten, um den Übergang zu ersetzen. Dabei wird unter anderem untersucht, ob die bestehende Unterführung verlängert werden kann. Die Ergebnisse der Vorplanung sollen im Juli dieses Jahres vorliegen.

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