Wie die E-Scooter das Wiesbadener Stadtbild verändert haben

Seit rund zwei Wochen sind 200 E-Tretroller des Anbieters „Tier“ in Wiesbaden unterwegs. Während manche sich über Falschparker ärgern, sind andere neugierig und für erste Testfahrten unterwegs.

Wie die E-Scooter das Wiesbadener Stadtbild verändert haben

Nur etwas mehr als zwei Wochen ist es her, dass die türkisfarbenen Elektro-Miet-Roller des Anbieters „Tier“ auf Wiesbadens Straßen aufgetaucht sind. Seitdem prägen die kleinen Scooter das Stadtbild, vor allem rund um die Innenstadt.

Anbieter zufrieden

Daniel Horn, zuständiger Citymanager für Wiesbaden und Mainz bei „Tier“ zieht zwei Wochen nach der Einführung eine erste positive Bilanz. „Wir sind als Anbieter sehr zufrieden mit den ersten Wochen“, und bezieht sich auf beide Rheinstädte. Genau Zahlen, wie viele Nutzer in Wiesbaden schon in der App registriert sind und für welche Strecken die Roller besonders häufig genutzt werden, will er nicht nennen.

„Wir beobachten die rund 200 Scooter als neues Verkehrsmittel genau.“ - Winnrich Tischel, Straßenverkehrsamt

Ein richtiges Fazit kann Winnrich Tischel, Leiter der Straßenverkehrsamt in Wiesbaden, nach so kurzer Zeit noch nicht ziehen. Er betont jedoch: „Wir beobachten die rund 200 Scooter als neues Verkehrsmittel genau.“ Schon vor dem Start habe man sich in seinem Amt über mögliche Probleme erkundigt, die das neue Angebot im täglichen Verkehr mit sich bringen könnte. Auch in anderen Städten, in denen die Roller schon länger unterwegs sind, habe man dafür recherchiert. „Bisher halten sich die Beschwerden in Wiesbaden aber noch in Grenzen“, sagt Tischel. Zwar habe das Amt schon einige Hinweise auf falsch geparkte Roller erhalten, gefährliche Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung habe es aber noch nicht gegeben.

„Die wenigsten Fahrer sind auf eigenen Geräten unterwegs.“ - Winnrich Tischel, Straßenverkehrsamt

Tischel schätzt, dass gerade kurz nach der Neueinführung viele Wiesbadener die Roller mal ausprobieren wollen. „Die wenigsten Fahrer sind auf eigenen Geräten unterwegs, meistens sieht man nur die Mietfahrzeuge.“ Tischel schätzt, dass viele Nutzer die Roller gerade deshalb zum Teil ohne weiteres Nachdenken auf den Bürgersteigen abstellen, weil es sich nicht um die eigenen handelt. „Jeder Roller trägt einen Aufkleber mit einer Telefonnummer. So kann man beim Verleiher anrufen, wenn ein Roller falsch geparkt wurde.“ Stichproben durch das Straßenverkehrsamt haben laut Tischel bisher gezeigt, dass gemeldete Fahrzeuge schon kurze Zeit später vom Anbieter oder anderen Nutzern umgeparkt wurden.

ESWE-Verkehr offen für weitere Anbieter

Auch die ESWE-Verkehr zeigt sich als lokaler Verkehrsdienstleister bisher zufrieden mit der Zusammenarbeit mit „Tier“. „Unser Eindruck ist, dass der Anbieter sehr daran interessiert ist, sein Produkt verantwortungsvoll auf dem Markt zu platzieren und auf Beschwerden oder Probleme zügig zu reagieren“, sagt ein Sprecher des Wiesbadener Verkehrsunternehmens. So habe die ESWE gemeinsam mit „Tier“ und dem Anbieter „Voi“ auch schon ein Fahrsicherheitstraining für Interessierte organisiert. Der Anbieter „Voi“ ist bisher zwar in Wiesbaden noch nicht vertreten, spielt jedoch mit dem Gedanken, ebenfalls eine Flotte in der Landeshauptstadt bereitzustellen.

Die ESWE-Verkehr selbst plane derzeit kein vergleichbares Angebot und zeigt sich deshalb offen gegenüber anderen Anbietern. Schließlich könnten die Roller dauerhaft als Ergänzung zu Busfahrten genutzt werden, etwa um die letzten Meter von der Haltestelle zum Zielpunkt zu bewältigen. Deshalb dürfen die Scooter — zusammengeklappt — auch in den Linienbussen mitgenommen werden. „Dabei gilt analog zur Mitnahme von Fahrrädern, dass keine anderen Fahrgäste beeinträchtigt werden dürfen“, betont der ESWE-Sprecher.

Ganz genau schauen Winnrich Tischel und seine Kollegen hin, wenn sich Nutzer während der Fahrt nicht an die Verkehrsregeln halten. „Für die E-Tretroller gelten die Bestimmungen der Elektrokleinstfahrzeugeverordnung“, betont er. Zu den wichtigsten Regeln gehört dabei, dass Gehwege für Fahrer tabu sind. Ist ein Radweg vorhanden, muss auf diesem gefahren werden. Im Gegensatz zu Fahrrädern dürfen die E-Tretrollern in Einbahnstraßen nicht gegen die Fahrtrichtung fahren. Zudem müssen die Nutzer mindestens 14 Jahre alt sein. Eine weitere Regelung hebt Tischel außerdem hervor, obwohl ihm in Wiesbaden bisher noch kein Fall bekannt sei: „Wer unter Alkoholeinfluss einen Scooter fährt, muss mit einem Bußgeld oder sogar Führerscheinentzug rechnen.“ (nl)

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