Weg frei für E-Roller in Wiesbaden?

Sie sind klein, leicht, mitunter schnell und ganz emissionslos unterwegs: E-Roller stehen kurz vor einer bundesweiten Zulassung. Verkehrsdezernent Kowol zeigt sich begeistert. Doch die kleinen Flitzer bergen auch Risiken.

Weg frei für E-Roller in Wiesbaden?

E-Scooter, also vereinfacht gesagt motorisierte Tretroller, stehen in Deutschland kurz vor der Zulassung. Während sie in anderen Ländern längst zum Straßenbild gehören, muss bei uns noch die Zusage des Bundesrats abgewartet werden. Sie gilt jedoch als wahrscheinlich und auch der Bundestag hat bereits grünes Licht gegeben.

„Große Chance, den Autoverkehr zu reduzieren und die Luft sauberer zu bekommen.“ - Verkehrsdezernent Andreas Kowol

In Wiesbaden fiebert man der Freigabe der kleinen E-Fahrzeuge schon entgegen. Für Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) entsteht damit eine „große Chance, die umwelt- und klimafreundliche Mobilität im urbanen Raum zu stärken, den innerstädtischen Autoverkehr zu reduzieren und die Luft sauberer zu bekommen.“ Gerade in Großstädten seien die E-Scooter bestens für Kurzstrecken geeignet und weitaus leichter in öffentlichen Verkehrsmitteln transportierbar als etwa Fahrräder.

Wenig Spielraum

Welche E-Scooter in Wiesbaden wie und wo genutzt werden dürfen, wird jedoch weitestgehend vom Bund diktiert. Nach einem aktuellen Entwurf des Bundesverkehrsministeriums wird den Kommunen „sehr wenig Spielraum“ eingeräumt, wie ein Mitarbeiter des Wiesbadener Dezernats für Verkehr erklärt.

Noch nicht geregelt ist beispielsweise, ob E-Scooter den Gehweg mitbenutzen dürfen. Aktuell scheint dies nur für Modelle zu gelten, die nicht schneller als 12 km/h fahren können. „In Einzelfällen“, so das Verkehrsdezernat, „können die Straßenverkehrsbehörden aber Ausnahmegenehmigungen erteilen.“ So könnte beispielsweise geregelt werden, ob die langsameren Roller auf Gehwegen, gemeinsam Geh- und Radwegen und in der Fußgängerzone fahren dürfen.

E-Scooter-Verleihsystem geplant

Die motorisierten Roller sind bereits für wenige hundert Euro zu haben. Wer das neue Fortbewegungsmittel erst einmal testen oder sich keinen eigenen E-Scooter zulegen möchte, kann beispielsweise in den USA auf große Leihsysteme von „Bird“ oder „Lime“ ausweichen, die in vielen Städten hunderte Fahrzeuge bereitstellen.

„ESWE Verkehr prüft derzeit, ob ein Verleihsystem etabliert werden kann.“ - Mitarbeiter Verkehrsdezernat

Ähnlich könnte es ab Sommer — für diesen Zeitraum rechnet man mit einer Freigabe der Roller — auch in Wiesbaden aussehen. „Die ESWE Verkehrsgesellschaft, die sich zu einem umfassenden Mobilitätsdienstleister entwickeln soll, prüft derzeit ob und wenn ja, in welcher Form ein Verleihsystem für E-Roller etabliert werden kann“, sagt der Mitarbeiter des Verkehrsdezernats.

Nicht unumstritten

Während sich viele auf die surrenden Roller freuen, sehen Unfallforscher die Einführung kritisch. Sie befürchten eine Häufung von Unfällen, wenn Straßen und Gehwege von den Fahrzeugen bevölkert werden. „In welchen Ausmaßen mit mehr Konflikten im Straßenverkehr zu rechnen ist, hängt davon ab, wie viele Roller tatsächlich auf den Straßen Wiesbadens unterwegs sein werden“, sagt das Verkehrsdezernat.

Die Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht weniger als 12 km/h werden voraussichtlich, wo vorhanden, die Radinfrastruktur nutzen. In vielen Städten, so auch in Wiesbaden, ist die vorhandene Radinfrastruktur bislang aber noch nicht auf ein höheres Verkehrsaufkommen ausgelegt und könnte Kapazitätsprobleme bekommen. Die ohnehin schon dringliche Forderung nach einem massiven Ausbau der Radwege könnte durch die Freigabe von Elektrokleinstfahrzeugen noch mehr Nachdruck bekommen. „Ob der Gehweg, wie von der Bundesregierung vorgesehen, der richtige Ort für Elektrokleinstfahrzeuge ist, bleibt abzuwarten“, so der Mitarbeiter des Verkehrsdezernats. (ms)

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