Mit dem Lastenrad durch die Innenstadt - eine Alternative für Wiesbaden?

Das Verkehrsdezernat testet ab sofort für drei Monate ein Lastenrad in der Innenstadt. Es soll Bürger und vor allem Geschäftsleute zur Nachahmung anregen. Verschiedene positive Beispiele gibt es hierfür auch schon in der Stadt.

Mit dem Lastenrad durch die Innenstadt - eine Alternative für Wiesbaden?

Seit kurzer Zeit dürfen Fahrräder auch tagsüber durch die Fußgängerzone Wiesbadens fahren. Dadurch bieten sich nur deutlich mehr Möglichkeiten für den individuellen Fahrradverkehr quer durch die Stadt. Auch für die angrenzenden Einzelhändler eröffnen sich weitere Angebote, ihre Waren zu transportieren. Eines davon testen ab sofort das Verkehrsdezernat und die zugehörigen Ämter: das Lastenfahrrad. Sie beteiligen sich dabei an dem bundesweiten Pilotprojekt „Ich entlaste Städte“. Die Mitarbeiter sollen dadurch dazu bewegt werden, ihre Arbeiten auch auf das Fahrrad umzulegen.

Nachahmung außerhalb des Rathauses erwünscht

Verkehrsdezernent Andreas Kowol stellte am Donnerstagvormittag das neue Lastenfahrrad für die Stadt Wiesbaden vor. Zunächst sei das Pilotprojekt auf drei Monate begrenzt, aber Kowol hoffe auf weitere Nachahmer - auch aus dem Rathaus: „Wir wollen den Test so breit wie möglich aufstellen. Es wäre natürlich schön wenn sich andere Kollegen aus dem Pressereferat oder anderen Dezernaten anschließen würden.“ Deshalb stehe das Rad auch anderen Dezernaten und Ämtern in der Stadtverwaltung tageweise zur Verfügung.

„Mit dem dem Lastenradtest besteht die gute Gelegenheit, die Einsatzmöglichkeiten für die eigenen Organisation ganz unverbindlich zu testen.“ - Andreas Kowol, Verkehrsdezernent Stadt Wiesbaden

Der Grünen-Politiker ermutige auch weitere Firmen und Einrichtungen im Stadtgebiet, sich ebenfalls an dem Test zu beteiligen. Es gäbe auch schon positive Beispiele in der Stadt, wie eine Tischlerei und dem Kiezkaufhaus, die das Lastenrad in ihren Arbeitsalltag integriert hätten: „Mit dem Lastenradtest hat man die Gelegenheit, die Einsatzmöglichkeiten für die eigene Organisation ganz unverbindlich zu testen.“ Dies sei nicht nur kostengünstig sondern auch umweltschonend.

160 Liter Stauraum

„Dazu kann das Rad 25 Stundenkilometer schnell fahren und hat eine Reichweite zwischen 40 und 80 Kilometern - je nach Belastung.“ - Thomas Abel, Geschäftsführer Cargovelo

Bevor Kowol jedoch selbst auf das Zweirad aufsteigen durfte, erklärte ihm Thomas Abel noch die verschieden Funktionen des Lastenrads, das als Pedelec ausgerüstet ist. „Insgesamt 160 Liter Stauraum bietet die Kiste an der Vorderseite des Rades. Dazu kann das Rad 25 Stundenkilometer schnell fahren und hat eine Reichweite zwischen 40 und 80 Kilometern - je nach Belastung“, sagte Abel, der Geschäftsführer von Cargovelo. Sein Unternehmen betreut die Lastenrad-Flotte, die nun im Rahmen des Projektes „Ich entlaste Städte“ der Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums. Eines der Räder aus der Flotte steht nun der Verwaltung in Wiesbaden, die sich initiativ beworben hatten * und zwei Monate später nun das Rad übergeben bekommen habe.

Nach der Probefahrt auf dem Schloßplatz zeigte sich der Dezernent begeistert: „Es ist wirklich leicht zu fahren und ist eine ideale Ergänzung unseres Fuhrparks.“ Darüber hinaus erhoffe sich Kowol durch den neuen Impuls auch Synergieeffekte für den Fahrradverkehr insgesamt: „Wiesbaden kann Fahrradstadt sein. Lastenräder werden hierbei eine entscheidende Rolle spielen.“ Man hoffe mit der Präsenz des Lastenrades in der Stadt die Bürger an das Fahrrad im Allgemeinen zu gewöhnen.

ADFC zeigt sich offen - und denkt an Verleihsystem

„Natürlich begrüßen wir jede Form der Radmobilität und finden das Thema Lastenfahrräder auch gut.“ - Günni, Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club (ADFC)

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) zeigt sich erfreut über die Initiative der Stadt: „Natürlich begrüßen wir jede Form der Radmobilität und finden das Thema Lastenfahrräder gut“, Günni vom ADFC. „Ob sich durch das eine Rad, das nun zur Verfügung gestellt wurde, langfristig etwas ändern wird, muss sich dann noch zeigen.“ Man müsse schauen, wie die Stadt mit dem neuen Angebot umgehe und ob tatsächlich beispielsweise verschiedene Lasten und Wege nun nicht auf das Rad umgelegt werden.

Der ADFC selbst überlege aktuell, ein Verleihsystem für Lastenfahrrad in die Wege zu leiten: „Wir möchten das Thema natürlich auch beflügeln.“ Dennoch bestünden für Besitzer ganz verschiedene Problemen: „Das Rad ist ein bisschen unhandlich und wir haben natürlich auch ein Platzproblem.“ Dabei ginge es auch darum, wo das teure Lastenrad (teilweise mehrere tausend Euro in der Anschaffung) abgestellt werden kann. Dennoch könne sich Günni vorstellen, dass nachdem das Dezernat seine Erfahrungen gemacht habe, es einen Austausch zwischen der Stadt und den Lastenradnutzern gebe.

Wer Ihr Euch ebenfalls für das Modellprojekt interessiert, der kann sich hierunter anmelden. Dabei kann er zwischen 17 verschiedenen Lastenradmodellen wählen.

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