Ein Jahr nach dem Citybahn-Aus: Wie geht es im Wiesbadener Busverkehr weiter?

Vor einem Jahr hat eine Mehrheit gegen den Bau der Citybahn gestimmt. Trotz steigender Fahrgastzahlen sind die Wiesbadener also auch weiterhin auf den Bus angewiesen. Wir haben nachgefragt, was sich im Busverkehr verändern wird.

Ein Jahr nach dem Citybahn-Aus: Wie geht es im Wiesbadener Busverkehr weiter?

Die Wiesbadener Straßen sind voll. Immer wieder landet die Stadt weit oben im Ranking der Stau-Hauptstädte des Landes. Die Citybahn sollte eigentlich dafür sorgen, dass mehr Menschen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) umsteigen – um schneller durch die Stadt zu kommen und die Umwelt zu schonen. Heute vor einem Jahr stimmten allerdings über 60 Prozent der Teilnehmer am Bürgerentscheid gegen den Bau der Straßenbahn. Die Citybahn wird nicht kommen, also müssen die Wiesbadener weiterhin Bus fahren, wenn sie nicht das Auto nehmen. Kann der Wiesbadener Busverkehr das in Zukunft überhaupt alleine tragen?

In den letzten Monaten trat das Problem zunächst in den Hintergrund. Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Fahrgastzahlen im ÖPNV deutlich zurückgegangen sind. Das wird allerdings nicht so bleiben. „Dieser Negativtrend kehrt sich aktuell um“, sagt Christian Giesen von ESWE Verkehr. Schon vor der Pandemie ist der Busverkehr immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Zwar ist dieses Niveau noch nicht wieder erreicht, perspektivisch werde der ÖPNV aber an kritischen Stellen wieder an diese Grenzen stoßen. Dann werde „aktiv nachgesteuert“, so Giesen.

Bessere Verbindungen im Busverkehr

Nach der Umstellung auf emissionsfreien Antrieb werde sich die Busflotte von derzeit 290 auf über 300 Fahrzeuge erhöhen. Grundsätzlich spiele das Mobilitätsleitbild der Stadt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Verkehrs in den nächsten Jahren. Vertreter von 80 Interessengruppen hatten sich zusammengesetzt, um herauszufinden, wie sich der ÖPNV in den nächsten Jahren entwickeln muss. In dem daraus entstandenen Leitbild war die Citybahn eine der zentralen Maßnahmen, es gab aber auch Vorschläge, um den Busverkehr unabhängig davon zu verbessern.

„Das wird eine der größeren Aufgaben der Zukunft im Stadtbusverkehr.“ - Christian Giesen, ESWE Verkehr

„Ein wichtiger Punkt daraus sind für den Busverkehr die sogenannten Tangentiallinien“, sagt Giesen. Dahinter steckt die Idee, nicht alle Fahrten über die Innenstadt zu führen, sondern bessere Direktverbindungen zwischen den Stadtteilen zu schaffen. „Das wird eine der größeren Aufgaben der Zukunft im Stadtbusverkehr“, so Giesen. Zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember werde speziell die Linie 39 als eine solche Linie aufgewertet. Mehr Details dazu folgen im Dezember, kündigt Giesen an.

Aartalbahn-Reaktivierung als Hoffnung

Auch im Schienenverkehr tut sich etwas. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 wird eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Aartalbahn zwischen Wiesbaden, Bad-Schwalbach und Diez veröffentlicht. Die Reaktivierung der Strecke gilt als eine der wichtigsten Ideen, um den Verkehr insbesondere zwischen Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis umweltgerecht abzuwickeln. „Je nach Ergebnis wird dann auch der Wiesbadener Busverkehr auf dieser Basis weiterentwickelt“, sagt Giesen.

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