Warum so viele Bulgaren ins Westend ziehen

Laut dem Statistischen Jahrbuch der Stadt haben Bulgaren die Türken als größte Ausländergruppe im Westend abgelöst. Häufiger Grund für den Umzug nach Wiesbaden ist der Wunsch nach einem besseren Leben, der sich aber nicht immer erfüllt.

Warum so viele Bulgaren ins Westend ziehen

Das Wiesbadener Westend, besonders der „innere“ Abschnitt zwischen Bismarckring und Schwalbacher Straße, gilt als bunter und multikultureller Stadtteil in Wiesbaden. Mit seinen über 18.000 Einwohnern auf nur 0,67 Quadratkilometern Fläche gehört das Westend zu den am dichtesten besiedelten Wohngebieten in ganz Deutschland. Auch hat der Stadtteil mit 33 Prozent einen der höchsten Ausländeranteile Wiesbadens und fast jeder zweite Westendler hat einen Migrationshintergrund.

Die Herkunft der Einwohner ist bunt gemischt. Fast jede Nation der Welt scheint hier vertreten zu sein. Lange Zeit bildeten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund die größte ausländische Gruppe im Westend. Das hat sich jedoch vor einigen Jahren geändert. Mit 13,2 Prozent stammen die meisten Ausländer im Stadtteil aus dem osteuropäischen Bulgarien. Das ist auch Merkurist-Leser David aufgefallen. In einem Snip fragte er, weshalb es so viele Bulgaren im Westend gibt.

Wer aus Bulgarien nach Wiesbaden kommt, der landet häufig bei Mariya Hadzhieva. Die gebürtige Bulgarin arbeitet beim „Europäischen Hilfsfond für die am stärksten benachteiligten Personen“ (EHAP), einem Projekt des Diakonischen Werks in Wiesbaden. Dort hilft sie Neu-Wiesbadenern, die ersten Hürden im Gesundheitssystem oder bei der Arbeitssuche zu nehmen.

Wunsch nach besserem Leben

„Im Westend gibt es einen türkischen und bulgarischen Lebensmittelladen und es besteht so zu sagen bereits eine Community, in der man sich austauschen kann.“ - Mariya Hadzhieva

Einen einheitlichen Grund, weshalb so viele Bulgaren sich ausgerechnet das Westend als neuen Wohnort aussuchen, kann sie nicht nennen. „Die meisten jedoch haben Familie oder Bekannte, die bereits hier leben und ziehen quasi nach. Ihnen wird hier ein besseres Leben versprochen, sprich Arbeit, Wohnung, eine bessere Zukunft für die Kinder und ein höheres Einkommen“, erklärt sie. Über diese Bekannte und Verwandte erhoffen sie sich dann einen leichteren Anschluss. „Im Westend gibt es einen türkischen und bulgarischen Lebensmittelladen und es besteht so zu sagen bereits eine Community, in der man sich austauschen kann“, sagt sie. Eine wirklich strukturierte Gemeinschaft sei dies zwar nicht, viele würden so aber schnell und unkompliziert Hilfe finden.

Tatsächlich gilt das Westend in Wiesbaden als eine Art „Start-Stadtteil.“ „Für viele, die neu nach Wiesbaden kommen, sind Westend und Innenstadt die ersten Anlaufstellen. Wer in der Stadt Fuß gefasst hat, zieht oft in andere Stadtteile um“, erzählte Michael May, Forscher für Stadtentwicklung an der Hochschule RheinMain 2017 bei Merkurist. Etwa 25 Prozent der Bürger im Westend gelten als sogenannte Neubürger, also als solche, die weniger als zwei Jahre dort leben.

Probleme bei der Arbeitssuche

Häufig würden die Bulgaren laut Hadzhieva in ihrer Heimat mit festen Versprechungen von Arbeit und einer Wohnung nach Wiesbaden gelockt. Diese würden sich aber nicht immer erfüllen, meint sie: „Wenn sie dann hier ankommen, haben sie weder Wohnung und Arbeit, noch werden die Versprechungen eingehalten.“ Hinzu käme noch das Problem, dass sie kaum bis gar kein Deutsch sprechen, was ihre Chancen auf einen Job noch weiter erschwert.

Genau an der Stelle versuchen Hadzhieva und die Diakonie zu unterstützen. „Wir beraten, begleiten und vermitteln die Klienten bei sozialen Maßnahmen, wie etwa Deutsch- und Integrationskurse, Gesundheitsversorgung, Kindertagesstätten und anderen Beratungsstellen.“ (js/ts)

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