„Aufgeben ist keine Option“: Kulturkneipe Sabot steht vor dem Aus

Mehr als acht Jahre lang war die „Kulturkneipe Sabot“ eine Anlaufstelle für Fans von lauter Musik, guten Gesprächen und klaren Werten. Jetzt muss sie aus ihrem Keller ausziehen und sucht dringend eine neue Bleibe.

„Aufgeben ist keine Option“: Kulturkneipe Sabot steht vor dem Aus

Ein kleiner Keller in der Zimmermannstraße war für viele Wiesbadener jahrelang wie ein zweites Wohnzimmer. In der „Kulturkneipe Sabot“ traten in den vergangenen acht Jahren unzählige Punk-, Ska- und andere Bands auf. Es wurden Partys gefeiert, Lesungen gehalten und Faschismus, Sexismus und Homophobie der Kampf angesagt. Der gleichnamige Verein wollte mit dem „Sabot“ eine Art unabhängige Mitmach-Kneipe schaffen. Jeder, der eine Party organisieren wollte, konnte das gemeinsam mit dem Team tun. Das Leben im „Sabot“ war eine Art Subkultur im Kellergewölbe, die es in ihrer heutigen Form bald nicht mehr geben wird.

„Wir sind geschockt und sehr traurig.“ - Sabot-Team

Denn wie der Verein in einem Facebook-Post schreibt, hat die Vermieterin den Mietvertrag für den Keller gekündigt. „Wir sind geschockt und sehr traurig, dass nach all der Zeit in der wir den Laden renoviert und Instand gehalten haben, unsere Vermieterin einen solchen Schritt gegangen ist.“ Weil das Kündigungsschreiben nicht fristgerecht sei, werde der Verein zwar erst einmal dagegen vorgehen, „eine Fortsetzung des Mietverhältnisses über den 31.03.2020 hinaus sehen wir trotz allem leider nicht.“ Das „Sabot“ wird also in jedem Fall Ende März aus dem Keller in der Zimmermannstraße ausziehen müssen.

„Sabot“ stand schon öfter vor dem Aus

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kulturkneipe kurz vor dem Aus steht. Nachdem der Verein das „Sabot“ im Februar 2011 als Ort für Konzerte, DIY-Abende, Lesungen und andere Veranstaltungen eröffnet hatte, musste das Team immer wieder mit Rückschlägen kämpfen. Geld aufzutreiben, um den Laden selbst finanzieren zu können und genug Leute für das Team zu finden, waren immer wieder große Herausforderungen.

2014, fast fünf Jahre nach der Eröffnung, stand das „Sabot“ zum ersten Mal vor dem Aus. Viele tragende Leute zog es in andere Richtungen, einige wollten die Zügel aus der Hand geben. Auf der Webseite der Kneipe kündigte das Team damals an, das Sabot 2015 schließen zu müssen. Doch es kam nicht dazu. Das „Sabot“ überlebte. Ende 2015 kam dann der nächste große Rückschlag. Das Finanzamt forderte eine Steuernachzahlung von 2000 Euro, sodass der Verein im Jahr darauf fast hätte Insolvenz anmelden müssen. Durch Spenden und die Unterstützung der Gäste konnte sich das „Sabot“ damals aber auch ein zweites Mal vor der Schließung retten.

Team sucht neue Location und hofft auf Hilfe

Wenn es nach dem Sabot-Team geht, dann soll auch die Mietvertragskündigung nicht das Ende der Kneipe markieren. „Den Laden jetzt schließen zu müssen, erfüllt uns mit Trauer und ehrlich gesagt haben wir da auch keinen Bock drauf! Wir suchen was Neues!“, heißt es in dem Facebook-Post. Damit die Geschichte des „Sabots“ weitergeht, sucht das Team jetzt nach einer neuen Location.

Wie die am besten aussehen soll, erklärt das Team so: „Ich glaube wir sind da offen, 100 Quadratmeter für den Laden, Lagerraum, Backstage und Büro wären natürlich traumhaft.“ Wegen der Lautstärke wären dicke Kellerwände gut, ansonsten sollten die Räume kneipengeeignet sein. „Da wir bisher aber vieles in Eigenregie gemacht haben, ist auch eine vorherige Renovierung denkbar.“ Bei der Suche hofft das Team auf die Unterstützung und Tipps der Wiesbadener.

„Aufgeben ist für uns nach dem ganzen Scheiß, den wir in der Vergangenheit überstanden haben keine Option!“ - Sabot-Team

Fans und Unterstützer der Kneipe würden sich jedenfalls freuen, wenn das „Sabot“ eine neue Bleibe finden würde. Viele von ihnen zeigen sich in der Kommentarspalte des Facebook-Posts solidarisch. „Ich finds super, dass ihr weiter machen wollt! Wiesbaden wird wohl noch den einen oder anderen tollen Keller haben“, schreibt ein Gast. „Das Sabot ist ein wichtiger Ort in Wiesbaden! Hoffe ihr findet schnell was anderes“, schreibt ein anderer. Das Sabot-Team will seine Kulturkneipe in jedem Fall noch lange nicht in den Wiesbadener Kulturhimmel schicken: „Aufgeben ist für uns nach dem ganzen Scheiß, den wir in der Vergangenheit überstanden haben keine Option!“ (js)

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