Maßnahmen gegen Diesel-Fahrverbot: Ist die Luft schon sauberer?

Um das drohende Dieselfahrverbot zu verhindern, hat die Stadt kurzfristig Maßnahmen umgesetzt, die den Stickstoffdioxid-Gehalt in der Luft zu verbessern. Wie erfolgreich sind diese bisher?

Maßnahmen gegen Diesel-Fahrverbot: Ist die Luft schon sauberer?

Umweltfreundlichere Busse, neue Ampeln und zusätzliche Park und Ride Parkplätze: Um das drohende Dieselfahrverbot zu verhindern, hat sich Wiesbaden viel einfallen lassen. Die Maßnahmen des Sofort-Pakets wurden schnell umgesetzt, gerade am Mittwoch wurde ein neuer Pendler Parkplatz in der Mainzer Straße eingeweiht. Das Ziel ist klar: Weniger Verkehr in der Innenstadt soll für bessere Luftwerte sorgen. Die Verantwortlichen haben die Messwerte ständig im Blick.

Bessere Luft in Wiesbaden

Auch in der Innenstadt sind die Zahlen präsent. Wer am Dern’schen Gelände aus dem Bus aussteigt kann die aktuelle Stickstoffdioxid an der Ringkirche auf einer elektronischen Werbetafel ablesen. Meistens bewegen sie sich über dem Grenzwert von 40 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft. Der Jahresmittelwert zeigt jetzt aber, dass eine leichte Verbesserung zu erkennen ist, seitdem das Sofort-Paket in Kraft getreten ist.

Die genauen Zahlen kennt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Seine Stickstoffbilanz zeigt, dass die Durchschnittsbelastung ist von 48,9 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel 2017 auf 47,6 µ-Gramm in 2018 gesunken. Dabei ist gerade die Ringkirche-Messstation ein Sorgenkind von vielen, die ein Dieselfahrverbot fürchten: Laut Kritikern ist sie falsch aufgestellt. Weil sie zu nah an der Fahrbahn platziert sei, könne sie keine aussagekräftigen Werte für das umliegende Viertel liefern, argumentiert zum Beispiel die AfD. Inzwischen hat sich auch die CDU der Kritik angeschlossen. Gegenüber der Presse kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier jetzt an, den Standort der Messstation überprüfen zu lassen. Denkbar wäre dann, dass sie einige Meter weiter weg neu aufgestellt wird.

Ständiger NO2-Rückgang

Im Vergleich dazu zeigt die Messtation an der Schiersteiner Straße, die weiter vom Bordstein entfernt liegt, tatsächlich einen stärkeren Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung. Lag der Durchschnittswert 2017 noch bei 50 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft, ist er in den vergangenen 12 Monaten auf 46,9 µ-Gramm gesunken.

Dass die Werte sinken, ist dabei tatsächlich kein neues Phänomen. Gemessen wird in Wiesbaden seit 1988, seit 1994 stehen dabei die Bereiche rund um Hauptverkehrsstraßen unter besonderer Beobachtung. Von den Messergebnissen, die Merkurist vorliegen, sticht an der Ringkirche besonders das Jahr 1997 heraus. Damals lag der Wert bei etwa 67 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft. In der Schiersteiner Straße sinkt die Belastung seit 2012 kontinuierlich. Damals kratzten die Ergebnisse noch an 60 µ-Gramm.

Auch die Messstation „Wiesbaden Süd“, die schon vor Beginn der Dieselfahrverbots-Diskussion unterhalb des Grenzwertes lag, zeigt jährlich leichte Verbesserungen. Hier ist die Belastung allein im vergangen Jahr um 0,7 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft auf 27,8 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft gesunken.

Optimismus kurz vor dem Urteil

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) zeigt sich mit Blick auf diesen ersten Trend optimistisch. Bis 2020, so die aktuelle Vorhersage, sollen die Werte in Wiesbaden im gesamten Stadtgebiet unter dem Grenzwert von 40 µ-Gramm pro Kubikmeter Luft liegen. Ob diese Prognose reicht, um ein Fahrverbot für Diesel zu verhindern, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Am Mittwoch, 13. Februar will das Verwaltungsgericht eine Entscheidung darüber fällen. (nl)

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