Kinderärzte in Wiesbaden: Gibt es einen Mangel?

Sind Eltern wegen eines Mangels an Kinderärzten in Wiesbaden in ihrer Ärztewahl eingeschränkt? Diesen Eindruck haben einige unserer Leser. Warum haben manche Praxen eine hohe Arbeitsbelastung? Wir haben nachgefragt.

Kinderärzte in Wiesbaden: Gibt es einen Mangel?

26 Kinderarztpraxen gibt es in Wiesbaden, bei knapp 50.000 Einwohnern unter 18 Jahren. Eine Praxis ist also für 1900 Kinder zuständig - laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Herrscht also ein Mangel an Kinderärzten in Wiesbaden? Zumindest wundern sich einige Leser, dass sie lediglich einen Termin im eigenen Stadtteil bekommen:

„Kinderärzte in Wiesbaden verweisen immer auf den Kinderarzt im bewohnten Stadtteil/-Viertel. Dieser müsse genommen werden, außerhalb des eigenen Stadtteils herrscht Aufnahmestopp. Wieso ist das so?“ fragt Hans in einem Snip.

Versorgungsgrad bei 110 Prozent

„Die aktuelle Kinderarztdichte in Wiesbaden ist höher als die Soll-Arztdichte“, sagt Karl M. Roth von der Pressestelle der Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. Der Versorgungsgrad liege aktuell bei über 110 Prozent, damit gelte der Planungsbereich Wiesbaden als überversorgt.

Was jedoch auffällt: Die Verteilung der Kinderärzte ist in Wiesbaden nicht gleichmäßig. So befindet sich in Stadtteilen wie Kastel, Amöneburg und Delkenheim, Erbenheim und Westend keine einzige Praxis, wohingegen sich in anderen Teilen die Dichte konzentriert: In Biebrich, Nordenstadt, Bierstadt und im Rheingauviertel gibt es jeweils zwei, in Wiesbaden-Mitte sogar sieben Kinderarztsitze. Das sei nicht unüblich, „gerade in den zentrumsnahen Ortsteilen, die von den meisten Teilen der Stadt gut erreichbar sind“, sagt Roth.

Prinzipiell seien Eltern bei der Wahl des Kinderarztes frei, bei Engpässen sei ein Besuch anderer Praxen jedoch „durchaus zumutbar“, sagt Roth. „Durch das gute infrastrukturelle Angebot in Wiesbaden und Umgebung sind Kinderärzte auch in anderen Ortsteilen gut erreichbar.“

Woher kommt es also, dass manche Kinderärzte einen Aufnahmestopp haben - trotz der überdurchschnittlichen Versorgung an Kinderärzten in Wiesbaden?

Seit einigen Jahren gebe es einen „erkennbaren Trend großer Verunsicherung bei den Eltern“, sagt Roth dazu. Durch Corona habe dieser noch zugenommen. Daraus folge ein hohes Bedürfnis nach ärztlicher Abklärung. „Hier wird tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel sichtbar, der sich von größerer Entspanntheit in früheren Generationen stark unterscheidet.“

So könne es sein, dass Patienten wegen einer hohen Arbeitsbelastung in den Praxen abgelehnt werden müssen - vor allem aufgrund der hohen Inanspruchnahme und bürokratischen Vorgaben. „Beispielsweise sorgen diese bei Kinderkranktagen für zusätzlichen Aufwand“, so Roth.

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