Als hessischer Polizist ausgegeben: Mainzer Politiker erhält Droh-Mail

Der Mainzer Nachwuchspolitiker Maurice Conrad hat eine Drohung per Mail erhalten. Der Absender des Schreibens scheint ein Angestellter der hessischen Polizei zu sein. Das LKA hat jetzt die Echtheit der Mail überprüft.

Als hessischer Polizist ausgegeben: Mainzer Politiker erhält Droh-Mail

Die Zahl der Drohungen gegen Lokalpolitiker hat in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Vor allem im Internet passiert das immer öfter - und der Verfasser bleibt meist anonym. Anders scheint es bei dem Mainzer Lokalpolitiker Maurice Conrad von der Fraktion „Volt & Piraten“ zu sein. „Ein Polizist der Polizei Hessen schreibt mich als Kommunalpolitiker über seine berufliche Funktions-Mail an und droht mir mit körperlicher Gewalt. Ja, ich hab ein bisschen Angst“, schreibt Conrad am Montagmorgen per Twitter.

In seinem Tweet findet man auch einen Screenshot der besagten Mail, in der der 20-jährige Schauspielstudent bedroht wird: „Ich wusste gar nicht, dass man mit prekärer Bildung Stadrat wird. Kein Wunder, Mainz, Drecksloch auf der anderen Rheinseite“, heißt es in der Mail. Weiter unten werden die Drohungen dann konkreter: „Ich empfehle im Übrigen das allabendliche Gebet, dass wir 2 uns niemals über den Weg laufen. Wäre gesünder.“ Was Conrad neben dem Inhalt der Mail Angst machte war der Absender, bei der es sich augenscheinlich um die Adresse eines hessischen Polizisten handelt.

HLKA hat Echtheit der Nachricht überprüft

Kurz nachdem Conrad die Nachricht per Twitter veröffentlicht hatte, gab es ein großes Echo darauf. Bis zum Nachmittag wurde sein Beitrag über 3000 Mal geteilt, unter anderem auch von Satiriker Jan Böhmermann. Das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) meldete sich kurz darauf ebenfalls bei Twitter: „Derzeit wird geklärt, ob die Mail tatsächlich von einem Polizei-Account verschickt wurde oder ob es sich um einen Fake (E-Mail-Spoofing) handelt“, heißt es von der Behörde. Denn die Adresse „vorname.nachname@polizei.hessen.de wirkt zwar auf den ersten Blick authentisch, lässt sich jedoch ohne großen technischen Aufwand manipulieren.

Noch am Abend gaben das LKA und die Wiesbadener Staatsanwaltschaft dann in einer Mitteilung bekannt: „Bereits im Rahmen der ersten getätigten Ermittlungen konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass die besagte E-Mail NICHT von der angezeigten E-Mail-Adresse der hessischen Polizei versendet wurde.“ Wer die Mail tatsächlich versendet hat, wird jetzt noch ermittelt.

Kritik an der Polizei

Warum Conrad die Droh-Mail — unabhängig vom wahren Absender — bekommen hat, ist bislang nicht klar. Der Politiker hat jedoch eine Vermutung. „Es gab in jüngster Zeit drei Dinge, wo ich Kritik an der Polizei geäußert hatte“, erzählt er gegenüber Merkurist. So hatte er etwa auf Twitter gepostet, dass Wiesbadener Polizisten bei einer Demonstration von „Fridays for Future“ keinen Mund-Nasen-Schutz getragen hätten. Zudem hatte er einen Text geteilt, in dem ein umstrittener Artikel der taz verteidigt wurde - in dem Satire-Artikel, der in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt hatte, hieß es, Polizisten sollten "auf dem Müll" landen. Auch im Rahmen der Black-Lives-Matter-Debatte habe er sich mehrfach online zu Rassismusproblemen bei der Polizei geäußert, so Conrad.

Seine Fraktion im Mainzer Stadtrat „VOLT&Piraten“ stellte sich in einer Stellungnahme am Montag hinter Conrad: „Unsere Fraktion ist über diese Drohung zutiefst schockiert und bestürzt. Der Fraktionsvorsitzende Tim Scharmann sagte Conrad im Namen der Fraktion die volle Unterstützung zu. Man wolle sich nicht durch die Androhungen einschüchtern lassen und weiterhin für eine eine offene Gesellschaft einstehen. (ab)

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