Wiesbaden ruft neues Corona-Frühwarnsystem ins Leben

Als Reaktion auf Entscheidung von Bund und Land

Wiesbaden ruft neues Corona-Frühwarnsystem ins Leben

Mithilfe eines neuen Ampelsystems will Wiesbaden frühzeitig handeln können, wenn sich die Situation rund um das Coronavirus in der Stadt drastisch verschlechtert. Das System soll zeigen, wie sich die Lage in der Stadt entwickelt und ob die Politik weitere Beschränkungen erlassen muss.

Drei-Stufen-System

In drei Stufen zeigt das System an, wie sich die Zahlen verändern und ob die Krankenhäuser mit der Situation umgehen können. Dabei berücksichtigt es die Reproduktionszahl, die Zuwachsrate und die Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Zur Beurteilung werden außerdem die sofort zur Verfügung stehenden Intensivbetten hinzugezogen. Heraus kommen eine grüne, eine gelbe und eine rote Lage. Eine rote und damit schlechte Lage wäre beispielsweise, wenn über 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht werden, jeder Infizierte durchschnittlich mehr als eine Person ansteckt, die Zuwachsrate bei über 10 Prozent liegt und weniger als fünf freie Intensivbetten zur Verfügung stehen würden.

„Damit sind wir hessenweit Vorreiter.“ - Dr. Oliver Franz, Gesundheits- und Klinikdezernent

Je nachdem wie die Lage durch das Ampelsystem eingeschätzt wird, will die Politik handeln und eventuell neue Beschränkungen einführen. Auch die Kliniken im Rheingau-Taunus-Kreis wollen es nutzen. Erarbeitet wurde das System vom ärztlichen Direktor der HSK, der Leiterin des Wiesbadener Gesundheitsamtes und dem ärztlichen Leiter des Rettungsdiensts der Berufsfeuerwehr. „Damit sind wir hessenweit Vorreiter“, so Gesundheitsdezernent Oliver Franz (CDU) über das Ampelkonzept. In Berlin gibt es bereits ein ähnliches System.

Reaktion auf Entscheidung zu Sieben-Tage-Wert

Das Wiesbadener Ampelsystem ist eine Reaktion auf einen Beschluss von Land und Bund vom 6. Mai. Demnach müssen Städte die Corona-Beschränkungen wieder anziehen, wenn innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht werden. Einige Städte haben diesen Schwellenwert bereits herabgesetzt, weil er zu hoch sei. Auch Wiesbadener Politiker kritisieren den Schwellenwert und die Umsetzung.

„Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 würde für Wiesbaden rund 145 Neuinfektionen in einer Woche bedeuten. So viele neue Fälle gab es zu keinem Zeitpunkt der Pandemie in Wiesbaden. Die Zahl 35 — das entspricht rund 100 neuen Fällen in einer Woche — ist auch für uns maßgebend für alle weiteren Entscheidungen und selbst diese Schwelle wollen wir klar unterschreiten“, sagen Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Bürgermeister und Gesundheitsdezernent Oliver Franz dazu.

Oberbürgermeister Mende kritisiert außerdem, dass bislang von der Landesregierung kein eigener Vorschlag für die Umsetzung des Sieben-Tage-Inzidenzwertes für Hessen vorgelegt worden ist. Und das, obwohl die entsprechenden politischen Verabredungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin bereits vom 6. Mai stammen. Mit dem Ampelsystem will Wiesbaden jetzt eine eigene Lösung umsetzen. (ab)

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