Wiesbadens Luft wird immer sauberer

Nur knapp ist Wiesbaden im Februar dank der Maßnahmen der Stadt einem Dieselfahrverbot entkommen. Jetzt hat Verkehrsdezernent Andreas Kowol ein erstes positives Fazit gezogen.

Wiesbadens Luft wird immer sauberer

Als am 13. Februar das Verwaltungsgericht in Wiesbaden verkündete, dass für die Landeshauptstadt kein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge eingeführt wird, gab es wohl besonders im Verkehrsdezernat große Erleichterung. Denn wie kaum eine andere Stadt hatte das Dezernat unter Leitung von Andreas Kowol (Grüne) ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt, um die Luftqualität in Wiesbaden zu verbessern — und das drohende Verbot zu verhindern.

Geklagt vor dem Verwaltungsgericht hatte die Deutsche Umwelthilfe. Diese hatte sich im Februar zwar mit den vorgelegten Ergebnissen der Stadt vorläufig zufrieden gegeben, forderte jedoch nach einem halben Jahr eine erste Bilanz von Kowol. Und die legte er am Dienstag im Rathaus vor.

Grenzwerte bis 2020 einhalten

„Sehr viel konnten wir schon umsetzen.“ - Anderas Kowol, Verkehrsdezernent

Die Bilanz des Dezernenten fällt positiv aus: „Was die baulichen Maßnahmen im Bus- und Radverkehr betrifft, konnten wir schon sehr viel umsetzen“, erklärte Kowol. So wurde das bisher vernachlässigte Radwegsystem in Wiesbaden stark ausgebaut und neue Umweltspuren, wie etwa am Bismarckring, eingerichtet. Und auch die Modernisierung der Wiesbadener Linienbusse gehe voran: „Unsere alten Dieselbusse werden umgerüstet, dazu hat die Stadt bis zum Jahr 2020 120 Elektrobusse bestellt.“

Das Ziel dieser Maßnahmen war es, den Verkehr in der Wiesbadener Innenstadt zu reduzieren. Neben einem Anstieg der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zielen die Maßnahmen auch auf die Berufspendler. Dazu hat die Stadt die Park & Ride Parkplätze, etwa an der Mainzer Straße, ausgebaut. Auch soll der Berufsverkehr durch ein intelligentes Ampelsystem weg vom ersten auf den zweiten Ring umgeleitet werden. Bei der Umsetzung des Systems, bei dem es sich um ein bundesweites Pilotprojekt handelt, gibt es aber noch Schwierigkeiten (wir berichteten).

Diese Maßnahmen lassen sich laut Kowol inzwischen auch an den deutlich besseren Luftwerten ablesen: „Wir stellen für jeden Monat einen gesunkenen Stickoxidwert in Wiesbaden fest. Für Ende des Jahres peilen wir einen Mittelwert von 42 Mikrogramm an.“ Kowol zeigte sich bei der Ergebnispräsentation optimistisch, dass bis 2020, wie von der Umwelthilfe gefordert, der nötige Grenzwert eingehalten werden kann. Dabei könne es durch äußere Faktoren, wie etwa dem Wetter, noch zu Abweichungen kommen, sagte der Dezernent: „Durch den Bauunfall an der Salzbachtalbrücke haben wir eine höheres Verkehrsaufkommen in der Stadt und damit ein Steigen der Luftbelastung registriert.“ Kowol geht davon aus, dass die Umwelthilfe kein weiteres Dieselfahrverbotsverfahren anstreben wird.

Tempo 30

Kowol hat neben den bereits beschlossenen Maßnahmen aber auch schon weitere Pläne für Wiesbaden. So möchte er, auch auf Hauptstraßen, mehr Tempo-30-Zonen einführen. Auch soll der öffentliche Nahverkehr noch attraktiver gemacht werden, etwa durch die Einführung eines sogenannten 365-Euro-Tickets für alle Wiesbadener, das ein Jahr gültig ist.

„Viel zu oft sind die Rad- und Busspuren zugeparkt.“ - Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Damit die Maßnahmen aber auch weiter fruchten, appellierte Kowol an die Wiesbadener, die Angebote besser anzunehmen: „Nur 16 Prozent unserer Bürger nutzen unser ausgezeichnetes Bussystem, da sehe ich deutlich mehr Potential.“ Und auch das Fahrverhalten vieler Autofahrer in der Stadt kritisiert der Dezernent: „Viel zu oft sind die Rad- und Busspuren zugeparkt, was zu unnötigen Staus in der Stadt führt.“ Daher hätten die Ordnungsbehörden im vergangenen Jahr die Kontrollen auf den Straßen deutlich ausgeweitet. Und das mit Erfolg: Für das Jahr 2019 rechnet die Stadt mit 6 Millionen Euro Einnahmen durch Ordnungsmaßnahmen, doppelt soviel wie im Vorjahr. Da es aber immer noch zu viele Verstöße gebe, würden diese im nächsten Jahr noch ausgeweitet. (js)

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