77 Parkplätze sollen Busspur und Radweg in der Abraham-Lincoln-Straße weichen

Rund um die Berliner Straße tut sich einiges: Um die Luftqualität in Wiesbaden zu verbessern, soll dort eine Busschleuse mit Radweg entstehen. Die Pläne stellten Vertreter der Stadt am Donnerstag dem Ortsbeirat Südost vor.

77 Parkplätze sollen Busspur und Radweg in der Abraham-Lincoln-Straße weichen

Als Wiesbaden knapp dem Dieselfahrverbot entkommen ist, war klar: Ausruhen kann sich die Stadt nicht auf ihrem Erfolg. Die Deutsche Umwelthilfe prüft weiterhin, ob Wiesbaden die Maßnahmen aus dem Luftreinhalteplan umsetzt, um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. Passiert das nicht, könnte es Wiesbaden so ergehen wie Mainz — erst am Freitagvormittag wurde bekannt, dass auf der Rheinachse ab Sommer ein Dieselfahrverbot gelten wird.

Eine Maßnahme aus dem Luftreinhalteplan ist eine Busschleuse an der Berliner Straße. Durch eine neue Busschleuse in der Berliner Straße und eine Busspur in der Abraham-Lincoln-Straße mit Ampelanlagen soll der Bus am Verkehr vorbeigelotst werden. Das soll einen Teil der 66.000 Autos, die täglich über den ersten Ring fahren, auf den weniger belasteten zweiten Ring verlagern. Außerdem soll der Weg zu großen Arbeitgebern wie der R+V Versicherung mit Rad und Bus attraktiver werden. Vertreter der Stadt haben die umfangreichen Pläne am Donnerstag dem Ortsbeirat Südost vorgestellt.

Mehrere Maßnahmen geplant

Auf der Berliner Straße soll auf dem jetzigen Standstreifen stadteinwärts eine Busspur entstehen. Sie beginnt auf Höhe der Aral-Tankstelle und endet auf Höhe des Roten Kreuzes. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Straße wird dann schon ab der Tankstelle von 70 auf 50 km/h reduziert. Auf Höhe des Roten Kreuzes, wo Auto- und Busfahrer von der Abraham-Lincoln-Straße kommend auf die Berliner Straße auffahren können, wird außerdem eine Ampel installiert. Der Autoverkehr soll dort angehalten werden, sodass die Busse schneller durchkommen.

In der Abraham-Lincoln-Straße selbst entsteht auf dem Teilabschnitt zwischen Tankstelle und Friedenstraße eine Busspur in Richtung Innenstadt. Die Busspur wird für den Radverkehr freigegeben, in Gegenrichtung entsteht ein Schutzstreifen für Radfahrer. Auf Höhe der Friedenstraße wird außerdem eine weitere Ampel mit Fahrradampel eingerichtet, die mit der neuen Ampel auf der Berliner Straße koordiniert wird. Auch sie soll Bus- und Radfahrenden die Fahrt durch die Straße erleichtern.

77 Parkplätze müssen weichen

Um genügen Platz für die Busschleuse und den Radschutzstreifen zu schaffen, müssen 77 Parkplätze an der Abraham-Lincoln-Straße gestrichen werden. Sie befinden sich am Straßenrand zwischen der Tankstelle und Friedenstraße, wo später Busse und Radfahrer entlangfahren sollen.

Das bereitete Teilen des Ortsbeirats Sorgen. Vertreter von FDP und CDU vermuteten, dass die Menschen, die jetzt dort parken, auf Straßen im Wohngebiet zwischen Berliner und Mainzer Straße ausweichen würden. Dort habe man ohnehin schon Parkprobleme, weil viele Schüler der Berufsschule bereits dort parken würden. Außerdem kritisierte der Ortsbeirat, dass das geplante mehrstöckige Parkhaus am Stadion auf sich warten ließe. Dort sollen künftig rund 930 neue Parkplätze, vor allem für die Bewohner der neuen Wohnungen und als Park&Ride-Plätze entstehen.

„Es ist bösartig zu sagen, die Leute sollen einfach auf den Bus umsteigen.“ - Peter Kuhn (FDP), stellvertretender Ortsvorsteher

Der stellvertretende Ortsvorsteher Peter Kuhn (FDP) kritisierte außerdem, dass die Parkplätze, die dort wegfallen, dringend von den dort arbeitenden Personen benötigt würden. „Es ist bösartig zu sagen, die Leute sollen einfach auf den Bus umsteigen, die Leute kommen von weit her und sind auf das Auto angewiesen. Das ist ungerecht“, so der Wiesbadener.

Stadt reagiert auf Sorgen des Ortsbeirats

„Wir müssen etwas tun.“ - Daniel Sidiani, Verkehrsdezernat

Daniel Sidiani vom Wiesbadener Verkehrsdezernat äußerte Verstädnis für die Sorgen, sagte aber auch, das Opfer sei notwendig, um Wiesbaden vor dem Dieselfahrverbot zu schützen. Er verweis auf zwei Studien, die in dieser Woche veröffentlicht wurden. Darin war Wiesbaden auf Platz drei der staureichsten Städte Deutschlands gelandet und es stellte sich heraus, dass in Wiesbaden heute sogar noch mehr Menschen das Auto nutzen, als noch vor sieben Jahren. „Wir müssen etwas tun“, so Sidiani. Dem stimmten vor allem Ortsbeiratsmitglieder der Grünen-Fraktion zu: „Es ist sicherlich eine bittere Sache, aber zwingt auch zum Umdenken“, so Alexander Scholz (Grüne).

Die wegfallenden Parkplätze würden außerdem nicht von Anwohnern genutzt, die ihr Auto sonst nirgendwo abstellen könnten, sondern von Menschen, die dort arbeiten. Einer der größten Arbeitgeber in der Straße ist die R+V Versicherung. „Die R+V Versicherung macht Erhebungen dazu, wo ihre Mitarbeiter herkommen und bittet uns wöchentlich darum, mehr für Bus- und Radfahrende zu tun“, so Sidiani. Außerdem wolle man 2021 mit dem Bau des geforderten Parkhauses beginnen.

Ortsbeirat bringt Vorschläge an

Am Ende einigte sich der Ortsbeirat darauf, die vorgestellten Pläne mit einigen Anmerkungen zu versehen. Zum einen bittet der Ortsbeirat die Stadt darum, ein Verkehrskonzept mit Bürgerbeteiligung zu erstellen, durch das verhindert werden soll, dass sich der Verkehr auf Straßen in Wohngebieten verlegt. Zum anderen soll das geplante Parkhaus schneller entstehen und zur Überbrückung ein Park&Ride-Konzept angeboten werden. Sechs Ortsbeiratsmitglieder stimmten dem geänderten Plan zu, zwei enthielten sich. Lediglich vier Mitglieder aus FDP und CDU stimmten dagegen, sodass der Antrag angenommen wurde. (ts)

Logo