An der Wiesbadener Hochschule gibt es jetzt eine Gender-Toilette

Die Anerkennung von inter- und transsexuellen Menschen nimmt in der Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Um dem Rechnung zu tragen, hat die Hochschule Rhein-Main jetzt die erste geschlechtsneutrale Toilette eröffnet.

An der Wiesbadener Hochschule gibt es jetzt eine Gender-Toilette

„Soll das ein Scherz sein, oder ist das ernst gemeint?“, ein Student der Hochschule Rhein-Main blickt am Dienstagnachmittag verwundert auf das Schild der ehemaligen Damentoilette in Gebäude A. Der Grund für die Verwunderung: Anstatt wie bisher zeigt das Schild an dem Raum nicht mehr das bekannte Symbol für eine Damentoilette sondern ein regenbogenfarbener Aufkleber mit der Aufschrift „Gender-WC“ ist dort zu sehen.

Toilette für alle

Eröffnet wurde die neue Toilette am Dienstag vom AStA der Hochschule, gemeinsam mit dem LSBTI*Q-Koordinatior der Stadt Wiesbaden Stefan Kräh. „Wir wollen, dass die Hochschule ein Ort ist, wo sich alle Menschen wohlfühlen“, erklärt der AStA-Vorsitzende Jeroen Willemse die Aktion, die auf einer Inititative des Studierendenausschusses zurück geht. Gendergerechtigkeit sei ein heiß diskutiertes Thema an der Hochschule und in der gesamten Gesellschaft, meint Willemse. Da Geschlecht für manche Menschen jedoch mehr als nur Mann und Frau ist, seien Schritte, wie die Umwidmung einer ehemals reinen Damentoilette zu einem Klo für Menschen jeden Geschlechts ein wichtiges Symbol.

„Wenn es um die Anliegen von inter- und transsexuellen Menschen geht, fallen häufig abwertende Begriffe wie ‘Gender-Gaga’, meint Kräh. Bei neutralen Toiletten kämen etwa häufig Bedenken, dass diese zum Verlust von Privatsphäre und Sicherheit führen könnten. „Was ist aber etwa mit Flugzeug- oder Zugtoiletten, die von allen Menschen gleich benutzt werden? Hier gibt es keine Beschwerden“, so Kräh. Da die Hochschule Rhein-Main mittlerweile fast 14.000 Studierende umfasse, unter denen auch inter- und transsexuelle Menschen seien, findet Kräh die neue Toilette als einen wichtigen Schritt. „Es geht hier nicht allein um eine Toilette, die offen für alle Geschlechter ist – dass sie zu der Vielfalt unter den Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden und Besuchenden steht, ist viel wichtiger“, sagt Kräh.

Kritik

Die Verwaltung der Hochschule habe die Idee des AStA von Anfang an unterstützt, erzählt Willemse. Die Toilette in Gebäude A soll auch nicht die einzige ihrer Art bleiben, nach und nach sollen in allen Teilen des Campus am Kurt-Schumacher-Ring abwechselnd eine Damen- und eine Herrentoilette umgewidmet werden. Es habe aber auch Kritik an dem Projekt gegeben, besonders in den sozialen Medien, erzählt der AStA-Vorsitzende: „Diese basierte meistens aber auf Unwissenheit, weshalb die Gender-Toilette so wichtig ist.“ Auch der zunächst verwunderte Student zeigt sich nach einer kurzen Aufklärung überzeugt: „Ich denke es ist wichtig, dass sich alle Studierenden hier wohlfühlen, auch beim Toilettengang.“ (pk)

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