Keine Seife und Handtücher trotz Corona: Wiesbadener Schüler schlagen Alarm

Eine Schülerin der Louise-Schroeder-Schule berichtet von schlechten Hygienebedingungen in ihrer Schule. Die Schulleiterin zeigt sich verwundert und streitet die Vorwürfe ab.

Keine Seife und Handtücher trotz Corona: Wiesbadener Schüler schlagen Alarm

Seit knapp drei Wochen müssen Millionen hessische Schüler wieder in den Unterricht. Durch die Corona-Krise ist in diesem Schuljahr aber vieles anders, es gelten strenge Hygieneregeln. Zwar gibt es keine landesweite Maskenpflicht in den Klassenzimmern, dafür soll etwa durch das Einhalten von Abständen und regelmäßiges Händewaschen für Hygiene gesorgt werden. Problematisch wird es jedoch, wenn es in den Schulen keine Möglichkeit gibt, die Maßnahmen einzuhalten. Eine Schülerin der Louise-Schroeder-Schule berichtet von katastrophalen Zuständen.

Kaputte Hähne, keine Seife

„Es ist kaum möglich, die Hygienebestimmungen hier einzuhalten“, klagt die Schülerin. Das beginne schon bei simplen Dingen wie dem vorgeschriebenen Händewaschen: „Es gibt auf den Toiletten kaum funktionierende Seifenspender. Auch gibt es nur Handtuchrollen und keine Papierhandtücher.“ Auch sonst gestaltet sich das Händewaschen in der Berufsschule schwierig. Ein in der Schule aufgenommenes Video zeigt, dass das Wasser nur läuft, wenn eine Hand permanent auf den Hahn drückt — ein wie vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgegebenes, gründliches Händewaschen ist so kaum möglich.

Auch gebe es für die Schüler und Lehrer kaum Desinfektionsmittel im Gebäude. Spender suche man vergeblich, lediglich ein paar offene Flaschen finden sich auf den Toiletten. Weiter behauptet die Schülerin, dass die Klassenräume nur mangelhaft gereinigt werden und auch nicht desinfiziert würden.

Klare Vorschriften des Kultusministeriums

Wie die Hygiene in den Schulen eingehalten werden soll, legt der „Hygieneplan Corona“ des hessischen Kultusministeriums fest. Dort heißt es wörtlich: „Es sind ausreichend Flüssigseifenspender und Einmalhandtücher bereitzustellen und aufzufüllen.“ Auch die regelmäßige Reinigung der Klassenräume wird vorgeschrieben, das Desinfizieren jedoch nicht. Zuletzt aktualisiert wurde der Hygieneplan am 12. August, also noch vor Beginn des neuen Schuljahres. Frühere Versionen wurden jedoch schon Monate zuvor verfasst.

Dennoch habe es die Louise-Schroeder-Schule nicht geschafft, die Maßnahmen rechtzeitig umzusetzen, wirft die Schülerin vor: „Auf mehrfache Anfragen bei der Schulleitung haben wir keine Auskunft erhalten, wann die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden beziehungsweise Verbesserungen der Gegebenheiten in die Wege geleitet werden.“

Schulleiterin sieht keine Mängel

Die Schulleiterin der Berufsschule, Ute Stauch-Schauder, zeigt sich über die Vorwürfe stark verwundert. Ihr seien keine Beschwerden seitens der Schülerschaft bekannt. Auch von Mängeln bei der Hygiene habe sie keinerlei Kenntnis, im Gegenteil: „ Papierhandtücher und Seifen werden ständig nachgefüllt und in Räumen ohne Waschbecken stehen Desinfektionsmittel in kleinen Behältern bereit“, sagt Stauch-Schauder. Wenn diese leer wären, gebe es beim Hausmeister oder im Sekretariat Nachschub. Auch die Klassenräume würden ausreichend gereinigt und gelüftet werden: „Für alle Klassenräume gibt es Raumverantwortliche, da wir überwiegend volljährige Schülerinnen und Schüler haben, sind diese in die Einhaltung der Regeln auch einbezogen“, so die Schulleiterin.

Mittlerweile wurde auch das Wiesbadener Gesundheitsamt über die Situation an der Berufsschule informiert. Man wolle der Sache nachgehen und dafür sorgen, dass die notwendigen Maßnahmen an der Louise-Schroeder Schule umgesetzt werden. (ts)

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