Schauspieler des Staatstheaters machen in offenem Brief auf sich aufmerksam

Bis Ende November bleibt das Wiesbadener Staatstheater geschlossen. Die Schauspieler halten das für ineffektiv, wie sie in einem offenen Brief erklären.

Schauspieler des Staatstheaters machen in offenem Brief auf sich aufmerksam

„Wir sind nicht einfach nur Freizeitgestaltung“, mit diesen Worten als Begründung haben Schauspieler des Wiesbadener Staatstheater sich jetzt an die Politik gewandt, und fordern, dass sie im Dezember wieder vor Publikum auf der Bühne auftreten dürfen.

Offener Brief an Politiker

In einem offenen Brief, der sich unter anderem an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) richtet, beschreiben das Theater einen „Ort des demokratischen Austauschs, der Einübung von Empathie und mit Bildungsauftrag“. Dass die Ränge während des November-Lockdowns leer bleiben müssen, halten sie deshalb für „unverhältnismäßig und ineffektiv“.

„Kunst und Kultur können Lichtblicke schaffen.“ - Schauspieler des Staatstheaters Wiesbaden

Dabei betonen die insgesamt 23 Schauspieler des Wiesbadener Ensembles, dass sie die Pandemie durchaus ernst nehmen und Verständnis dafür haben, dass die weitere Ausbreitung durch die Maßnahmen eingeschränkt werden sollen. Jedoch erklären sie gleichzeitig, dass Musik und Kunst eine gesundheitsfördernde Wirkung haben können und somit nicht wie andere Freizeitaktivitäten unterbunden werden sollten, und weiter, „In all der Verunsicherung und Vereinsamung können Kunst und Kultur Lichtblicke und Hoffnung, Ablenkung und Unterhaltung, Austausch und Auseinandersetzung, sowie das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit schaffen.“

Unterstützung von Publikum

Dabei beschreiben die Schauspieler ihre Erfahrungen aus den vergangenen Monaten. „Es war uns eine unbeschreibliche Freude, unser Publikum nach dem ersten Lockdown wieder begrüßen zu können. Die Nachfrage auf das stark verringerte Kartenkontingent war groß und uns kam eine besonders intensive Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit aus dem Zuschauerraum entgegen.“

„Der wirtschaftliche Schaden lässt eine gesamte Branche in eine ungewisse Zukunft blicken.“ - Schauspieler des Staatstheaters Wiesbaden

Doch auch auf die wirtschaftlichen Folgen der wochenlangen Theaterschließung machen die Schauspieler aufmerksam. „Der enorme wirtschaftliche Schaden, der durch die Einnahmeausfälle entsteht – und bereits entstanden ist –, lässt uns und eine gesamte Branche in eine ungewisse Zukunft blicken.“ Dabei meinen die Schauspieler sowohl Angestellte aus staatlich geförderten Häusern, wie auch freischaffende Künstler an kleinen Privattheatern.

Hintergrund

Gerade für das Staatstheater in Wiesbaden gab es seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein Hin und Her in Bezug auf die Öffnungen des Hauses. Nach dem totalen Lockdown im Frühjahr wurde mehrfach die maximale Anzahl von möglichen Besuchern pro Vorstellung geändert, ein Hygienekonzept zur Erhöhung der Besucher ging dabei beim Gesundheitsamt nicht durch (wir berichteten). Im Oktober mussten zudem mehrere geplante Vorstellungen abgesagt werden, weil vier Mitarbeiter des Theaters mit dem Virus infiziert werden (wir berichteten). Nach derzeitigen Regelungen muss das Theater bis zum 30. November geschlossen bleiben. (nl)

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