Wiesbaden-Thriller „Die Einsamkeit der Schuldigen“ soll hier verfilmt werden

Nienke Jos ist Jungautorin aus Wiesbaden. Ihr Debüt-Roman „Die Einsamkeit der Schuldigen“ liefert Einblicke in menschliche Abgründe - und macht Wiesbaden zu einem zentralen Handlungsort. Hier soll er auch verfilmt werden, sagt die Autorin.

Wiesbaden-Thriller „Die Einsamkeit der Schuldigen“ soll hier verfilmt werden

Der Luisenplatz in Wiesbaden an einem lauschigen Sommermorgen: Ein leichter Wind geht durch die Baumkronen vor dem Café Gastwerk Degenhardt. Die Sonne schimmert auf Kies, akkurat getrimmten Hecken, auf dem Stein des Waterloo-Obelisken und der bronzenen Pferdestatue für das Nassauische Artillerie-Regiment Nr. 27 "Oranien". Nur wenige Passanten sind unterwegs - kein Lärm durchbricht die Ruhe, kein Auto braust vorbei, keine Straßenbahn lässt den Boden erzittern. Es ist ein idyllisches Bild, das einen zurück versetzt in vermeintlich gute, alte Zeiten.

Ausgerechnet vor dieser Kulisse ereignet sich im Jahr 2016, gerade einmal auf Seite 20 des Romans Die Einsamkeit der Schuldigen, eine brutale Szene - ein Mann wird niedergestochen, ohne Vorwarnung, vor den Augen aller Gäste mitten im gut besuchten Café Degenhardt im Herzen oder Landeshauptstadt.

Der vor rund sieben Monaten erschienene Roman, den man irgendwo zwischen Sozialkrimi und Psychothriller einordnen kann, verbindet mehrere Handlungsstränge, deren Protagonisten alle irgendwie miteinander verstrickt sind, ohne es notwendigerweise selbst zu wissen. Im Allgäu verschwindet eine Teilnehmerin während einer Mountainbike-Tour der Protagonistin Junia, währen in Wiesbaden der gestandene, mitten im bürgerlichen Leben stehende Psychiater Theodor Stein plötzlich von einer Fremden verfolgt wird, die sein ganzes Leben umkrempelt. Und dann ist da Ann, die Opfer einer Entführung wird - und nicht zuletzt der „Aal“, ein psychopathischer Krimineller, dessen seelische Abgründe für den Roman eine wichtige Rolle spielen.

Schönheit und Abgründe

„Warum nicht an dem Ort, an dem man lebt, den man gut kennt und dessen Stimmung man besonders gut wiedergeben kann?“ - Nienke Jos, Autorin

Nienke Jos spielt mit dem Gegensatz von Ästhetik und Schrecken. „Wiesbaden bedeutet für mich Schönheit - Detailverliebtheit und Schönheit“, sagt sie im Interview. Die Menschen seien hier besonders aufmerksam, würden Anteil nehmen, sich einsetzen. Jos sitzt im Café Degenhardt, nur Meter entfernt von der Stelle, an der sich im Prolog ihres Buches die plötzliche Gewaltszene abspielt. Hier fand auch die erste Lesung ihres Buches statt - vor 80 Gästen, wie Jos stolz erzählt.

„Weil ich hier lebe, und weil ich die Stadt liebe und so ihr meine Anerkennung ausdrücken will.“ - Nienke Jos

Warum sie gerade Wiesbaden für ihren Roman ausgesucht habe? „Weil ich hier lebe, und weil ich die Stadt liebe und ihr so meine Anerkennung ausdrücken will“, sagt Jos. „Die Handlung muss irgendwo stattfinden - warum dann nicht an dem Ort, an dem man lebt, den man gut kennt und dessen Stimmung und Lebensgefühl man besonders gut wiedergeben kann?“

Wiesbaden ist eine Kulisse, vor der sich ein Teil der Handlung entfaltet. Die Stadt zieht sich als Motiv durch das gesamte Buch. Sie ist Wohnort des Psychiaters Theodor Stein, dessen Leben unversehens aus den Fugen gerät. Seine Geschichte spielt sich zu einem großen Teil in Wiesbaden ab, der Leser begleitet ihn auf seinen Wegen durch die ganze Stadt, beispielsweise durch die Wilhelmpassage, auf den Neroberg oder in den Kurpark. Die Stadt, deren Bild Jos „in Schönheit getränkt“ zeichnet, wie sie es ausdrückt, spiegelt dabei Theodors makellos geregeltes, perfektes, von Vernunftentscheidungen geprägtes Leben wieder - sein Charakter und die Stadt bilden eine Einheit: „Ganz klassisch, und auch ein kleines bisschen elitär und abgehoben, aber schön“, fasst Jos es zusammen.

Die Schönheit versinnbildlicht gleichzeitig auch die Liebe, die Jos für diese Stadt empfindet. Diese romantisch etwas verklärte Schönheit steht dabei im krassen Kontrast zu den psychischen Abgründen der Figuren, die im Roman eine entscheidende Rolle spielen. Ein Kontrast, den Jos auch in der Kulisse der Stadt widerspiegelt. Der Stadtteil Klarenthal nimmt im Roman einen Part als zweites, düsteres Gesicht Wiesbadens ein - die Schattenseite der Schönheit und eine fremde und unheimliche Welt für Protagonist Theodor, den es mehrfach dorthin verschlägt.

Filmdreh in Wiesbaden?

„Ich sehe mein Buch in den allerbesten Händen.“ - Nienke Jos

Die Filmrechte am Buch sind bereits verkauft. Eine Produktionsfirma hat sie sich für 18 Monate gesichert und hat nun solange Zeit, die Finanzierung für einen tatsächlichen Filmdreh zu organisieren. Das Drehbuch sei aber schon in der Mache, sagt Jos.

Die Autorin selbst ist nicht direkt in die Verfilmung involviert, sie steht aber in engem Kontakt zu den Produzenten. „Wir haben ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis“, sagt Jos. Sie sei über alles sehr gut informiert, direkt beteiligt sei sie aber nicht. Sie sei Autorin und mit der Arbeit an der Fortsetzung ihres Buches, die 2018 erscheinen soll, ausgelastet. Der Film gehe sie im Grunde auch gar nichts an, er stehe für sich allein. „Ich sehe mein Buch aber in den allerbesten Händen“, sagt sie.

Persönlich setzt sie sich sehr dafür ein, dass die Buchszenen, die in Wiesbaden spielen, auch vor Ort gedreht werden. Mögliche Drehorte sind beispielsweise der Hauptbahnhof, der Luisenplatz mit dem Oranierdenkmal, die Wilhelmpassage, der Neroberg und der Kurpark. Ob und wann aber wirklich gedreht wird, ist noch unklar.

Das Buch Die Einsamkeit der Schuldigen (592 Seiten) wird von der Autorin selbst verlegt, ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich und kostet 12,90€. Die Fortsetzung soll im Oktober 2018 erscheinen. Die von Nienke Jos selbst produzierte Hörbuch-Fassung kostet 24,90€. Das Buch wird auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober präsentiert - für Oktober ist außerdem eine neue Lesung im Gastwerk Degenhardt geplant. Weitere Informationen finden sich auf der Website der Autorin.

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