Was Wiesbaden von Mainz lernen kann

Wer hat nicht schon einmal nach Mainz geschaut und sich gedacht: Das hätte ich in Wiesbaden auch gerne. Umgekehrt wird es sicher genauso sein. Gibt es Dinge, die Mainz richtig gut macht, die Wiesbaden noch lernen muss?

Was Wiesbaden von Mainz lernen kann

Große Rivalität herrscht zwischen Wiesbaden und Mainz nur noch auf dem Papier. Die beiden Landeshauptstädte, beziehungsweise ihre Einwohner, haben über die Jahre gelernt, gut miteinander auszukommen. Trotzdem blicken sowohl Mainzer als auch Wiesbadenern in einigen Punkten neidisch auf die andere Rheinseite. Merkurist-Leser Andrew stellte daher in seinem Snip die Frage: „Was kann sich Wiesbaden von Mainz abgucken, um den Wohlfühlfaktor und die Lebensqualität weiter zu erhöhen?“ Und Ihr habt geantwortet.

Das samstägliche Marktfrühstück ist den Mainzern heilig. An schönen Tagen ist auf dem Liebfrauenplatz kein Durchkommen mehr. Hunderte Mainzer, die meisten von ihnen mit einer Weinschorle in der Hand, bevölkern den Platz hinter dem Dom. Auf dem Dern’schen Gelände hingegen ist bei Weitem nicht so viel los. Auch wird hier der Fokus stärker auf das Essen gelegt. Den Mainzern hingegen reicht oft die typische Fleischwurst zum Schoppe.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlimm, denn das kultige Zusammentreffen hat längst nicht mehr nur Fans. Horden von Betrunkenen, Wildpinkler und Müll sind die Schattenseiten des Mainzer Marktfrühstücks.

Das mit der Nachtruhe ist so eine Sache. Auf der einen Seite stehen die vielen Besucher der Weinwoche oder des Theatriums, die gerne bis in die frühen Morgenstunden auf der Straße unterwegs sein möchten. Auf der anderen Seite sind die Anwohner, die ihren Schlaf wollen. Manche von ihnen wollen einfach nur früh ins Bett, andere müssen vielleicht auch am Wochenende arbeiten. Klar ist: Straßenfeste können nur funktionieren, wenn beide Seiten Verständnis für die jeweils andere haben und ein Mindestmaß an Rücksicht aufeinander nehmen.

Und auch wenn beispielsweise das Programm der Johannisnacht in Mainz noch bis nach 22 Uhr geht, sieht es bei kleineren Festen anders aus. In dicht besiedelten Gebieten wie der Neustadt kommt es etwa am hippen Gartenfeldplatz auch immer wieder zu Anwohnerbeschwerden. Bleibt beiden Rheinseiten wohl nur eines: Nach dem Bühnenprogramm einfach in den Kneipen und Bars der Stadt weiterzufeiern.

Es ist schon ein Luxus, den Rhein direkt vor der Nase zu haben. Trotzdem gibt es — auch in Wiesbaden — weite Abschnitte, die scheinbar kaum genutzt werden. Klar, man sollte auch nicht die ganze Natur zupflastern mit Restaurants, Promenaden und Weinständen. Etwas mehr dürfte es für Merkurist-Leser Eric aber trotzdem sein. Kann Mainz mit Bootshaus, Biergärten, Rheinkanzel, Eissalon und Liegeflächen aufwarten, gibt es in Wiesbaden seiner Meinung nach „gefühlt nur Yachtclub- oder Shishabar-Atmosphäre zur Auswahl“.

Doch es tut sich was: Mit „Nawabi’s Lounge“ und der „RheinLounge“ in Schierstein und der Bistrobar am Kasteler Kransand stehen gleich drei gastronomische Angebote in den Startlöchern, die noch in diesem Jahr sicherlich mehr Leben ans Rheinufer bringen werden.

Man muss nicht bis nach Münster fahren, um zu sehen, wie sehr Studierende für eine Belebung der Stadt sorgen können. Dafür reicht auch schon ein Abstecher nach Mainz. Bars, Cafés, hippe Restaurants und eine alternative Szene sind sichtbare Veränderungen in der Stadt, die (nicht nur) von Studenten gerne in Anspruch genommen werden.

Klar: Die Johannes Gutenberg-Universität gehört mit ihren etwa 33.000 Studierenden zu einer der größten Hochschulen in Deutschland. Aber auch in Wiesbaden werden die Studenten immer mehr, nicht zuletzt durch die kürzliche Eröffnung der Hochschule Fresenius. Und die bringt nicht nur eine tolle Mensa mit sich: Auch rund um den Standort in der Moritzstraße soll sich demnächst sowohl gastronomisch als auch im Straßenbild einiges verändern.

Und am Ende können wir Leser Frank nur Recht geben: Beide Städte haben ihren Reiz. Was sie aber vor allem so besonders macht, sind die Menschen, die dort leben. Und die sind sowohl in Wiesbaden als auch in Mainz einfach einzigartig. (js)

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