Warum auf dem Festplatz Gibber Kerb bald harte Urteile gefällt werden

Wo normalerweise um diese Zeit Maßkrüge gehoben werden, wird in diesem Jahr ein Strafmaß verhängt werden. Denn das Wiesbadener Landgericht errichtet einen externen Gerichtssaal auf dem Festplatz Gibber Kerb.

Warum auf dem Festplatz Gibber Kerb bald harte Urteile gefällt werden

Wo ansonsten Menschen zusammen feiern, trinken oder eine Zirkusvorstellung besuchen, wird bald über Straftäter geurteilt. Das Wiesbadener Landgericht plant einen temporären Umzug auf den Festplatz Gibber Kerb in Biebrich. Denn die Räume im Justizzentrum sind vor allem für einen anstehenden, spektakulären Wirtschaftsprozess, der im Oktober startet, viel zu klein.

Schon in der Vergangenheit zeigte sich, dass das Interesse von Zuschauern an Prozessen wie gegen Ali B. größer war, als die angebotenen Zuschauerplätze. Durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Maßnahmen schrumpften die Plätze für Zuschauer und Presse weiter, um den notwendigen Mindestabstand einhalten zu können. So konnten etwa zuletzt in einem Missbrauchsprozess nur vier Plätze für Pressevertreter im Gerichtssaal angeboten werden.

Pop-Up-Gerichtssaal

Bislang gab es schon Ausweich-Räumlichkeiten, etwa im Haus der Vereine in Dotzheim. „Da die Stadt Wiesbaden das Bürgerhaus jedoch immer häufiger auch für eigene Veranstaltungen benötigte, wurde eine Terminfindung zuletzt immer schwieriger, so dass eine Räumlichkeit notwendig wurde, die für längere Zeit durch das Landgericht Wiesbaden genutzt werden kann“, erklärt Wolfram Simon, Vizepräsident des Wiesbadener Landgerichts.

Daher habe man nun schon begonnen, auf der Festwiese in Biebrich einen externen Richtungssaal aufzubauen. Er wird in Form einer Leichtbauhalle konstruiert und soll bis zum 14. Oktober fertiggestellt sein. Denn nur eine knappe Woche später, am 20. Oktober, beginnt der Prozess gegen Hanno Berger, der gemeinsam mit anderen Beschuldigten, sogenannte Cum-Ex-Transaktionen durchgeführt und den Staat um eine Menge Geld gebracht haben soll.

Mehr Platz, gleiche Sicherheitsbedingungen

In den neuen Gerichtssaal in Biebrich werden insgesamt 42 Besucher und Pressevertreter Platz finden, ohne die Corona-Maßnahmen läge die Zahl noch höher. Bei Prozessen im Justizzentrum könnten unter Berücksichtigung der Abstandsregeln jedoch „höchstens ein Viertel davon“ teilnehmen, so Simon. Die Leichtbauhalle bietet aber nicht nur mehr Platz, auch die Sicherheitsstandards sollen auf dem gleichen Niveau liegen, wie im Justizzentrum. Zu den Details des Sicherheitskonzeptes wollte sich Simon nicht äußern.

Geplant ist der externe Gerichtssaal für mindestens ein Jahr, es bestehe jedoch die Möglichkeit, die Nutzungsdauer bei Bedarf auch zu verlängern, erklärt Simon. Künftig werden in Biebrich sämtliche Strafverfahren abgehalten, „bei welchen mit einer Vielzahl von Verfahrensbeteiligten zu rechnen ist.“ Sämtliche große Kammern planen bereits ihre Sitzungen in dem externen Gerichtssaal. (nl)

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