Fall Susanna: Hatte Ali B. Hilfe eines Verwandten?

Im Prozess um den Mord an der 14-jährigen Susanna wurde am Dienstag das DNA-Gutachten zur Jacke des Mädchens vorgestellt. Dieses lässt vermuten, dass der Angeklagte Ali B. nicht alleine gehandelt haben könnte.

Fall Susanna: Hatte Ali B. Hilfe eines Verwandten?

Seit nun fast zwei Monaten wird vor dem Landgericht Wiesbaden der Mord an der 14-jährigen Mainzer Schülerin Susanna verhandelt. Angeklagt ist der 22 Jahre alte Asylbewerber Ali B., der das Mädchen in einem Wald bei Erbenheim zunächst vergewaltigt und dann erwürgt haben soll.

Dass am Dienstag der mittlerweile elfte Prozesstag stattfand, ist an der einkehrenden Erschöpfung bei allen Prozessteilnehmen zu spüren. In stundenlangen Verhandlungen wurde in den vergangenen zwei Monaten jedes noch so kleine Detail der Tat am 22. Mai vor Gericht erörtert, Dutzende Zeugen wurden gehört. Freunde und Bekannte von Opfer und Täter hatten in teilweise erschütternden Details geschildert, wie Ali B. die Schülerin schon lange Zeit im Blick hatte und um jeden Preis Sex mit ihr wollte.

Detaillierte Tatrekonstruktion

Dazu versuchten Polizisten und Experten, den genauen Tathergang an den Erbenheimer Eisenbahngleisen zu rekonstruieren. Da es von der Tat keine Zeugen gibt, mussten sie sich dabei alleine auf die Schilderungen des Angeklagten verlassen. Dieser hatte in seiner Aussage behauptet, Susanna nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr im Affekt den Arm um den Hals gelegt und sie erwürgt zu haben. Dann soll er alleine ein Erdloch ausgehoben und den Leichnam darin verbuddelt haben.

Am Dienstag ging es noch einmal darum, diese Aussagen anhand weiterer Gutachten und Experten zu überprüfen. Dabei wurden auch scheinbar nebensächliche Fragen beantwortet, wie etwa, weshalb sich am Gesäß des Leichnams ein Tierknochen befand. Dieser etwa sieben Zentimeter lange Knochen eines Kaninchens spielt zwar für die unmittelbare Tat keine Rolle, gibt aber wichtige Aufschlüsse darüber, wie die Leiche in das Erdloch gebracht wurde. Der Angeklagte hatte dem Gericht beschrieben, dass er Susannas Leiche am Kopf über den Waldboden geschliffen habe. Dabei muss sich, so der Experte aus der Frankfurter Rechtsmedizin, der Knochen mitsamt Steinen in der leicht geöffneten Jeans verfangen haben.

DNA-Spuren an der Jacke

Um den Leichnam zu transportieren hatte Ali B. den Untersuchungen zufolge Susannas schwarze Strickjacke um ihren Hals geknotet und sie daran über den Boden gezogen. Ein DNA-Gutachten des LKAs lässt aber etwas anderes vermuten: Denn auf der schwarzen Jacke von Susanna befanden sich auch Spuren einer weiteren, unbekannten männlichen Person. Die Gutachter gehen davon aus, dass diese Person mit dem Angeklagten verwandt ist. Zwar hatte Ali B. immer behauptet, die Leiche alleine vergraben zu haben, die Staatsanwaltschaft vermutet aber, dass er dabei Hilfe gehabt haben könnte — etwa von seinem jüngeren Bruder, der den Abend zuvor noch mit Susanna und Ali verbracht hatte.

Für den Prozess sind aktuell drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Dann soll auch ein Mithäftling von Ali B. aussagen, dem der Angeklagte die Vergewaltigung an Susanna gestanden haben soll. Ein Urteil ist frühestens Ende Juni zu erwarten. (lp/ts)

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