Staatstheater verschenkt jede zehnte Eintrittskarte trotz geringer Einnahmen

In seinen Bemerkungen zum Haushalt kritisiert der Landesrechnungshof das Staatstheater Wiesbaden. Während das Gebäude dringend sanierungsbedürftig sei, würde zu wenig Geld eingenommen.

Staatstheater verschenkt jede zehnte Eintrittskarte trotz geringer Einnahmen

Finanzielle Verluste im sechsstelligen Bereich durch zu viele Freikarten und zu wenige Konzerte — das wirft der Landesrechnungshof dem Staatstheater Wiesbaden in seinen Bemerkungen zum Haushalt vor. Auch die baulichen Mängel des Theaters kritisiert die Behörde.

Laut dem Rechnungshof entstanden beim Wiesbadener Staatstheater im Jahr 2017 Gesamtkosten in Höhe von 44 Millionen Euro. Dem Gegenüber stehen jedoch Einnahmen, etwa durch Kartenverkäufe und Vermietungen, von lediglich 6,9 Millionen Euro. Obwohl das Theater so wenig Geld einnehme, würde es laut dem Rechnungshof zu viele Eintrittskarten verschenken. 2017 sei jede zehnte Eintrittskarte reduziert oder kostenlos gewesen, bei der Biennale sogar jede dritte.

Laut dem Theatervertrag ist das Staatstheater dazu verpflichtet, pro Spielzeit mindestens 14 Konzerte zu veranstalten. Laut dem Rechnungshof kommt das Haus aber auf nicht mehr als 8, wodurch im Jahr etwa 100.000 Euro Einnahmen verloren gehen.

Sanierungsstau

Zugleich seien die Räumlichkeiten des Staatstheaters zum Teil sehr baufällig und müssten dringend saniert werden. Das Land hat das Gebäude als Eigentümer und Betreiber zwischen 2001 und 2008 für rund 33 Millionen Euro teilsaniert. Dabei wurden die Bühnentechnik und die Brandschutzanlage erneuert. In den folgenden Jahren bis einschließlich 2017 führte das Staatstheater weitere Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Umfang von über 4 Millionen Euro durch.

Dennoch stellte der TÜV Rheinland bei einer Überprüfung gravierende Mängel an der Lüftungsanlage und dem Brandschutz des Hauses fest. Als Sofortmaßnahme im Bereich des Brandschutzes wurden vom Staatstheater externe Brandwachen beauftragt. Dabei handelt es sich um Personen, die als Sicherheitsposten vor Ort eingesetzt werden. Im Jahr 2017 betrugen die Kosten hierfür rund 831.000 Euro. Laut dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) seien zur Erhaltung des Gebäudes sowie der Verbesserung der Brandschutzanlage weitere Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro nötig. Dennoch würden keine aktuellen Baupläne zur Besserung vorliegen.

Walter Wallmann, Präsident des Landesrechnungshofs, fordert das Theater daher auf, schnelle Maßnahmen zu treffen: „Ohne aktuelle Baupläne und ein Sanierungskonzept können aber nur Übergangslösungen wie die externe Brandwache geschaffen werden, die wiederum sehr teuer sind.“ Laut Wallmann sei das Wissenschaftsministerium dabei, ein neues Konzept zur Sanierung des Theaters vorzulegen. Daher sei es jetzt umso wichtiger, dass „alle Einnahmepotenziale ausgeschöpft werden und die Vergabe von vergünstigten oder sogar kostenfreien Tickets genau überprüft werden“, so Wallmann. (ms)

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