Das bedeuten die „roten Blasen“ auf der Hauswand am Schlossplatz

Seit über 30 Jahren fragen sich vor allem Touristen, was hinter den roten Blasen an der Hauswand neben dem alten Rathaus steckt. Tatsächlich polarisierte das Wandgemälde schon, bevor es 1989 fertiggestellt wurde.

Das bedeuten die „roten Blasen“ auf der Hauswand am Schlossplatz

Sind es Brüste, sind es Tomaten? Das Wandbild an der Fassade des Gebäudes in der Marktstraße 20 wirft seit vielen Jahren Fragen bei Besuchern der Stadt auf. Schon vor seiner Fertigstellung 1989 polarisierte das Gemälde neben dem heutigen Standesamt.

Diskussionen im Stadtparlament

Aus alten Zeitungsberichten geht hervor, wie uneinig sich die Wiesbadener darüber waren, ob sie das Gemälde nun gut finden oder nicht. Während einige den Entwurf spannend fanden oder Weintrauben hineininterpretierten, wehrten sich andere dagegen. Im Stadtparlament stritt man sich sogar regelrecht darüber. FDP-Politiker Wolfgang Schwarz fühlte sich durch die damals noch dunkelrote Farbe an ein Bordell erinnert. Auch die CDU stimmte vehement gegen den Entwurf. Doch eine rot-grüne Mehrheit setzte sich durch und so durfte das Gemälde tatsächlich umgesetzt werden.

Entworfen hat es der Bremer Künstler Jimmi D. Paesler. Er gewann damals einen bundesweiten Wettbewerb mit seinem Entwurf und war überrascht, wie sehr er polarisierte. Denn eigentlich sollte das Bild weder Brüste zeigen noch eine Bordellatmosphäre schaffen. Unter dem Titel „Die roten Blasen“ wollte Paesler ein Bild mit 3D-Effekt erstellen. Es sollte runde, voluminöse Kugeln und Blasen zeigen, die durch gezielte Schattensetzung aus der Wand herauszuquellen scheinen. „Die Formen sollten einen Kontrast zur eher kantigen Architektur auf dem Platz schaffen. Auch die Farben habe ich deshalb sehr grell gewählt“, sagte Paesler einmal gegenüber Merkurist.

Farben verblasst

Heute ist von den starken Rottönen kaum noch etwas übrig und auch der Rundungseffekt ist nicht mehr richtig zu erkennen. Jimmi D. Paesler war zwar seit der Fertigstellung des Wandbildes nicht mehr in Wiesbaden, Bekannte würden ihn aber immer wieder über den Zustand des Bildes informieren. „Nach 30 Jahre Mittagssonnenstrahlung sind alle Farben verblasst - besonders die Rottöne“, sagt er. „Es ist schon ein Wunder, dass überhaupt noch etwas zu sehen ist.“ Im vergangenen Jahr sei überlegt worden, das Gemälde wiederherzustellen. „Da ich noch alte Aufrisszeichnungen von 1989 habe, sehe ich das als einigermaßen realistisch an“, so Paesler. Noch habe er aber nicht das Go von der Stadt bekommen.

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