Neun Künstler gestalten Riesen-Wandbild in Wiesbaden

Rhein, Schlosspark, Galatea und Bürgerwünsche: Neun Künstler aus sieben Ländern haben am Herzogsplatz eine gemeinsame Bildgeschichte für Biebrich geschaffen.

Neun Künstler gestalten Riesen-Wandbild in Wiesbaden

Wer von der Rückseite „Am Schlosspark“ aus auf den Herzogsplatz in Biebrich zugeht, schaut nun nicht mehr auf eine große kahle Hauswand. An der Fassade der Hausnummer 104 ist ein farbenfrohes Wandbild entstanden, das Biebrich in eine einzige, zusammenhängende Bildkomposition übersetzt. Kunst im Alltag – sichtbar, öffentlich und eng mit dem Stadtteil verbunden.

Ein Gemeinschaftswerk, kein Einzelbild

Das Besondere liegt zunächst in der Größe und im Format: Neun Kunstschaffende aus sieben Ländern haben gemeinsam eine Fläche von rund 624 Quadratmetern gestaltet (wir berichteten). Statt neun getrennter Graffiti oder Murals entstand eine durchgehende Komposition, in der internationale Street-Art-Handschriften aufeinandertreffen. Das Werk ist vom 10. bis 20. September im Zuge der Aktion „Style Matters 2026“ geschaffen worden (angelehnt an das „Meeting of Styles-Netzwerk“).

Entscheidend ist dabei: Die Wand ist nicht einfach mit vorgefertigten Motiven bemalt worden. Vorab hatte das Quartiersmanagement Biebrich-Mitte im Juni eine Bürgerbeteiligung organisiert. Laut Website des IB wurden dabei „Themen, Wünsche, Motive und Stimmungen aus dem Stadtteil gesammelt und zu einem gemeinsamen inhaltlichen Briefing für die Künstlerinnen und Künstler zusammengeführt“.

Signal „Vielfalt und Zusammenhalt“

Das Leitmotiv lautet „Biebrich am Rhein: Vielfalt und Zusammenhalt“. Es verbindet mehrere Ebenen: die historische Identität des Stadtteils, seine Lage am Fluss, den Schlosspark, gesellschaftliche Vielfalt und die Idee, Biebrich als gemeinsam gestalteten öffentlichen Raum erfahrbar zu machen.

Auch bekannte Biebricher Orte und Symbole wie Schloss und Schlosspark, der Rhein, die Figur der Galatea und charakteristische Tierarten wie der Biber spielen eine Rolle. So ist keine abstrakte Dekoration entstanden, sondern ein Bild, das lokale Bezugspunkte neu zusammensetzt.

Kunst als Stadtentwicklung

Das Wandbild ist zugleich ein städtebauliches Projekt. Es wird über das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt Biebrich-Mitte“ und den Ortsbeirat Biebrich unterstützt. Die Eigentümergemeinschaft finanzierte zudem die Sanierung und Herrichtung der Wand, bevor die Künstler starten konnten.

Kunstwerke im öffentlichen Raum sollen seit den 1960er Jahren den Stadtraum mitprägen, heißt es auf der Website des Kulturamtes. Am Herzogsplatz zeigt sich dieser Ansatz in besonderer Weise. Die Fassade sollte nicht nur verschönert, sondern als dauerhafter Identifikationspunkt für Biebrich etabliert werden.

Relevanz des Kunstwerks

Das Mural zeigt, wie Beteiligung in der Praxis funktionieren kann: nicht als symbolische Abfrage, sondern als Grundlage für künstlerische Arbeit. Die Bewohner liefern Themen und Perspektiven, Künstler übersetzen diese in eine öffentliche Bildsprache. Das Ergebnis bleibt zwar von den beteiligten Kunstschaffenden geprägt, aber es trägt erkennbar die Spuren des Stadtteils.

Zugleich verbindet das Bild zwei Ebenen, die in der Stadtentwicklung oft getrennt gedacht werden: internationale Urban Art und lokale Alltagsidentität. Die Wand erzählt nicht von Biebrich über die Menschen hinweg, sondern mit Motiven, die im Stadtteil verankert sind.