Biennale 2018 - Verantwortliche ziehen positives Fazit

Nach 11 Tagen und unzähligen Veranstaltungen und Aktionen geht an diesem Sonntag die Wiesbaden Biennale 2018 zu Ende. Die Verantwortlichen des Kunstfestivals ziehen ein positives Fazit, üben aber auch Kritik.

Biennale 2018 - Verantwortliche ziehen positives Fazit

Pornokino im Staatstheater, Graffiti in der City-Passage, ein Grenzzaun im Park und eine goldene Diktatoren-Statue mitten in der Stadt. Die diesjährige Wiesbadener Biennale provozierte unter dem Titel „Bad News“ mit kontroversen Beiträgen heftige Reaktionen und Diskussionen. Zum Ende des Kunstfestivals an diesem Sonntag zogen die Kuratoren Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer sowie Intendant Uwe Eric Laufenberg aber dennoch - oder gerade deswegen - ein positives Fazit.

„Elf Festivaltage liegen hinter und uns ich freue mich, dass dieses Wagnis gelungen ist.“ - Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters

Insgesamt 250 Künstler waren dabei involviert, rund 200 Veranstaltungen fanden statt. Die Veranstalter zählten etwa 50.000 Besucher.„Elf intensivste Festivaltage liegen hinter und uns ich freue mich, dass dieses Wagnis gelungen ist“, äußert sich Intendant Laufenberg und bedankt sich bei allen Beteiligten und Helfern.

Provokation und Kunst

Reaktionen zu provozieren und Diskussionen auszulösen, diesem Ziel dienten viele Beiträge der diesjährigen Biennale ganz bewusst. Dazu gehörten unter anderem Aktionen wie die Einrichtung eines Rewe-Supermarkts und eines Pornokinos im Foyer des „Nachgenutzten Staatstheaters“, die Errichtung einer goldenen Statue des türkischen Präsidenten Erdogan auf dem Platz der Deutschen Einheit , ein grüner Sperrzaun quer durch die Reisinger Anlagen und etliche teils sehr düstere und auch verstörende Installationen in den verwahrlosten Räumen der leerstehenden City Passage mitten in der Innenstadt.

„Die Herausforderungen, die wir der Stadt gestellt haben, wurden mit sehr interessanten Reaktionen beantwortet.“ - Maria Magdalena Ludewig, Kuratorin

„Die Herausforderungen, die wir der Stadt gestellt haben, wurden mit sehr interessanten Reaktionen beantwortet“, sagt Ludewig. Provokation und Kunst stellten keinen Widerspruch dar. Es gebe aber, so Laufenberg, viele Leute, die gar nicht zulassen wollten oder könnten, dass etwas einen emotionalen Aufruhr auslöse. Aufgehetzte und vorschnelle Reaktionen seien ein Phänomen der modernen Gesellschaft.

Die Provokation, so Ludewig, habe außerdem viel Positives bewirkt. Als Beispiel nennt sie Proteste gegen den Rewe-Markt im Staatstheater: „Niemals haben so viele Wiesbadener ihr Theater verteidigt, wie während dieser Aktion.“

Viele Fragen zur Erdogan-Statue

Erneut ein großes Thema war die goldene Betonstatue des türkischen Präsidenten, die bei vielen Wiesbadenern auf Ablehnung und Unverständnis gestoßen war. Die Verantwortlichen zeigen sich auch hier zufrieden: „Die zum Teil sehr heftigen und emotionalen Reaktionen sind ein Teil des Kunstwerks“, so Hammer. Laufenberg ergänzt: „Ich hätte mir aber gewünscht, dass es die Stadt länger ausgehalten hätte als nur 26 Stunden.“

Die Statue sei inzwischen von der Wiesbadener Feuerwehr abgeholt worden, sagt Hammer. Sie habe durch den Abtransport etwas gelitten, sei sonst aber intakt. Was jetzt damit passieren soll, werde momentan diskutiert. „Die Genehmigung für eine Installation auf dem Platz gilt jedenfalls für 3 Monate“, so Hammer. Was er damit meint und ob für den Platz vielleicht ein neues Kunstwerk geplant ist, bleibt aber offen.

Eingriff in die Kunstfreiheit

Die vorzeitige Entfernug der Erdogan-Statue, da sind sich die Biennale-Verantworlichen einig, habe die Wirkung des Kunstwerks nicht beschädigt. Einen Eingriff in die Kunstfreiheit sehen sie aber dennoch.

„Wenn etwas stört, wird meist mit Ausreden wie der Sicherheit oder Kosten argumentiert, um es loszuwerden“, sagt Laufenberg. In Deutschland lebe man immer noch „in der größtmöglichen Freiheit, aber diese Freiheit ist nicht unbegrenzt.“

Ausblick auf die nächste Biennale

„Die Biennale hatte viel zu tun mit den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der letzten Jahre“, so Ludewig. Die nächste Biennale werde sich daraus ergeben, wie sich die Welt entwickelt. Weitere Voraussagen möchte aber keiner der Verantwortlichen machen. Zunächst einmal wolle man die laufende Biennale zuende bringen - Die City Passage hat am Sonntag beispielsweise noch bis 21 Uhr geöffnet.

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