Warum im Westend Vermisstenanzeigen für New Yorker Tiere hängen

Entlang der Goebenstraße hängen seit Mitte Februar Suchanzeigen für Haustiere. Diese zeigen aber keine Wiesbadener Tiere, sondern stammen aus den USA. Was dahinter steckt.

Warum im Westend Vermisstenanzeigen für New Yorker Tiere hängen

Es ist der Albtraum eines jeden Tierbesitzers: Der Hund, die Katze oder der Wellensittich ist fort und man weiß nicht, wo er steckt. Hilfe suchen Besitzer dann häufig über Vermisstenanzeigen, die mit einem Foto des Haustiers auf Flyern und Plakaten bei der Suche unterstützen sollen. Auch in Wiesbaden tauchen solche Plakate immer wieder im Stadtbild auf, wie aktuell in der Bertram- und Goebenstraße im Westend.

Kunstaktion

Wer sich diese genauer betrachtet, könnte sich aber etwas wundern, denn die Anzeigen sind komplett auf englisch formuliert. „Lost Dog! Disappeared from the Diamond 43 Franklin Street at Calyer Street.“ Darunter findet sich als Kontakt eine amerikanische Telefonnummer. Dahinter stecken aber nicht etwa amerikanische Bürger, die in Wiesbaden wohnen, sondern es handelt sich um Original Suchplakate aus New York.

Angebracht hat die Plakate der Mainzer Künstler Stefan Stifter, Künstlername „Brandstifter.“ Die Plakate sind Teil der „Asphaltbibliotheque“, einem seit 1998 bestehenden Kunstprojekt der „Westend Galerie.“ „Ich will mit den Postern vor allem eins: Verwirrung stiften“, erklärt Stifter seine Aktion. Die ursprüngliche Funktion dieser Aufrufe, verlorengegangene Tiere durch Hinweise von Passanten in die Obhut ihrer Halter zurückzubringen, werde durch ihre Präsentation in einer anderen Stadt auf einem anderen Kontinent völlig ad absurdum geführt, so Stifter. Die amerikanischen Plakate in Wiesbaden seien so nur noch Relikte einer fernen Alltagskultur, welche die verzweifelte Lage fremder Menschen aufzeigen würden.

Zettel in New York gesammelt

Stifter hatte die Plakate während eines langjährigen Aufenthalts in New York gesammelt. Dass diese jetzt in Wiesbaden und nicht in seiner Heimatstadt Mainz ausgestellt werden, sei erst durch den Kontakt mit der „Westend Galerie“ entstanden erzählt Stifter. In Mainz hatte er 2012 mit einer Kunstaktion vor dem dortigen Hauptbahnhof für Aufsehen gesorgt. In einem riesigen Würfel sollten Menschen Alltagsgegenstände wir Kassen- oder Einkaufszettel einwerfen.

Die Kunstaktion wird aber vorerst die letzte von Stifter im Rhein-Main-Gebiet sein. Anfang 2020 wurde Brandstifter als Projektstipendiat des Landes Nordrhein-Westfalen ausgewählt, um mit der „Asphaltbibliotheque“ Eindrücke zu Alltag und Besonderheiten der kulturellen Vielfalt der Region Ruhrgebiet mit künstlerischen Mitteln zu verarbeiten. Die Plakate im Wiesbadener Westend können noch bis zum 14. April angeschaut werden. (ts)

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